• Nadelöhr zwischen City und Flughafen: Senat plant weniger Spuren auf dem Adlergestell

Nadelöhr zwischen City und Flughafen : Senat plant weniger Spuren auf dem Adlergestell

Das Adlergestell soll bald von sechs auf vier Fahrspuren verkleinert werden. Kritiker halten das wegen des BER und neuer Straßen für fatal.

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Bessere Rad- und Fußwege, weniger Platz für Autos - so sehen die Pläne des Senats für das Adlergestell aus.
Bessere Rad- und Fußwege, weniger Platz für Autos - so sehen die Pläne des Senats für das Adlergestell aus.Foto: Thilo Rückeis

Der Senat setzt ein altes Vorhaben um, mit dem er unter anderem die umstrittene Verlängerung der Stadtautobahn zum Treptower Park gerechtfertigt hat: Vom nächsten Jahr an soll das Adlergestell, einst die wichtigste Ausfallstraße durch den Berliner Südosten, von sechs auf vier Spuren verkleinert werden. Allerdings beginnt der Umbau ausgerechnet in einem Bereich fast ohne Anwohner. Vielmehr säumen auf einer Seite Tankstellen, Baumärkte und Discounter die Straße, auf der anderen verläuft die stark befahrene Trasse der Görlitzer Bahn.

Die Arbeiten zwischen Dörpfeldstraße und Glienicker Weg sollen 2,8 Millionen Euro kosten. Doch ansonsten enthält das Vorhaben aus Sicht von Kritikern allzu viele Variable – und sollte deshalb verschoben werden. Zum einen dürften sich die Verkehrsströme massiv verändern, wenn die Südostverbindung und die Tangentiale Verbindung Ost fertiggestellt sind. Zum anderen ist das Adlergestell die Alternative zur A 113 von und nach Schönefeld – und damit zum Flughafen BER, von dessen rund 25 Millionen Passagieren laut amtlicher Prognose mehr als die Hälfte per Auto, Taxi oder Bus an- und abreisen werden.

Wie stark die A 113 schon jetzt ausgelastet ist, zeigt die Antwort des Senats auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Harald Moritz. Demnach wurde im vergangenen Jahr stadteinwärts 243 Mal – also praktisch an jedem Werktag – mindestens eine Spur zeitweise gesperrt, um den Stau aus dem Britzer Tunnel herauszuhalten. Hinzu kamen 16 Vollsperrungen wegen Überfüllung. Im ersten Halbjahr 2012 setzte sich der Trend fort. Und während das heutige Ende der A 100 an der Grenzallee täglich von knapp 30 000 Autos passiert wird, sollen es nach Verlängerung der Autobahn zum Treptower Park laut Senatsprognose bis zu 100 000 sein, von denen ein Großteil ebenfalls durch den Britzer Tunnel fahren wird.

Die Bauarbeiten auf der Avus sind beendet
Die Avus ist wieder eröffnet, die Bauarbeiten auf dem Zubringer zur Stadtautobahn im Südwesten Berlins wurde am Mittwoch dem 28. November von Stadtentwicklungssenator Michael Müller, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (v.l) freigegeben. In Ermangelung anderer Erfolgsmeldungen müssen in Berlin jetzt schon Reparaturen mit solchem Brimborium gefeiert werden.Weitere Bilder anzeigen
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28.11.2012 18:03Die Avus ist wieder eröffnet, die Bauarbeiten auf dem Zubringer zur Stadtautobahn im Südwesten Berlins wurde am Mittwoch dem 28....

Die Bündelung des Verkehrs auf der Autobahn ist politisch gewollt, und eine Sprecherin der Verkehrsverwaltung sagt, dass auch langfristig „zusätzlicher Verkehr auf dem Adlergestell nicht erwartet wird“. Jedoch berichten Anwohner, dass die Staus auf dem Adlergestell vor allem in der morgendlichen Stoßzeit wieder zugenommen haben, seit die 2008 eröffnete A 113 gewissermaßen Opfer ihres Erfolges geworden ist. Bei einer von mehreren Bürgervereinen organisierten Veranstaltung Anfang November gab es lautstarken Protest gegen die Rückbaupläne fürs Adlergestell. Sowohl der ADAC als auch der lokale Abgeordnete Robert Schaddach (SPD) fordern, das Vorhaben aufzuschieben. Schaddach sagt, die „Riesenresonanz“ in seinem Treptow-Köpenicker Wahlkreis habe ihn überrascht.

Eine Bürgerbeteiligung ist nach Auskunft der Stadtentwicklungsverwaltung allerdings nicht vorgesehen. Geplant ist, die stadtauswärts rechte Spur für die Busse der BVG zu reservieren, die am S-Bahnhof Adlershof enden. Außerdem sollen der Mittelstreifen Bäume erhalten und die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger verbessert werden. Die müssen sich bisher mit einem kombinierten Weg auf der stadteinwärtigen Seite arrangieren, der holprig und wegen der vielen Ausfahrten unfallträchtig ist.

Im Gegensatz dazu sind die sechs Autospuren intakt. Jedoch sollen sie aufgerissen werden, weil die Wasserbetriebe (BWB) nach Auskunft der Senatsverwaltung planen, ab Mitte 2013 einen Regenwasserkanal zu erneuern. Eine BWB- Sprecherin betont jedoch, das Unternehmen richte sich nach dem Zeitplan des Senats, der „Treiber und Initiator der Baumaßnahmen“ sei. Nachdem zunächst Gasleitungen verlegt werden müssten, „nehmen wir den Rückbau des Adlergestells gewissermaßen vorweg“: Während der Arbeiten von Juli 2013 bis November 2014 sollen jeweils zwei Fahrspuren frei bleiben. Erst danach soll das Provisorium zur Dauerlösung werden. Einen Zeitplan für den Rückbau anderer Abschnitte des Adlergestells hat der Senat noch nicht.

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