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Nager in der Hauptstadt : In Berlin gibt es 2,2 Millionen Ratten

Auch das Bezirksamt Pankow plagt sich nun mit Ratten herum. Am Helmholtzplatz sind unter- und überirdisch Köder ausgelegt. Die meisten Ratten leben in den Innenstadtbezirken.

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Rund 2,2 Millionen Ratten soll es einer Schätzung zufolge in Berlin geben. Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen.
Rund 2,2 Millionen Ratten soll es einer Schätzung zufolge in Berlin geben. Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen.Foto: dpa

Nach den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg hat jetzt auch Pankow den Ratten den Kampf angesagt. Am Montag ließ das Bezirksamt Teile des Helmholtzplatzes in Prenzlauer Berg absperren. Anlass sei eine starke Zunahme der Ratten an diesem Ort, teilte das Bezirksamt mit. Die Fachleute des Bezirksamtes legten zusammen mit Vertretern der Wasserbetriebe Giftköder aus. Die Maßnahme ist für vier Wochen geplant.

Außerdem appellierte das Bezirksamt an Besucher des Parks, keine Lebensmittelreste zurückzulassen. „Trotz der aufwändigen Bekämpfung ist eine Lösung des Problems nur möglich, wenn den Tieren keine Nahrung in Form von Speiseresten angeboten wird“, erklärte Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Zuvor hatte es bereits ähnliche Aktionen in einer Grünfläche an der Skalitzer Straße in Kreuzberg sowie auf drei Spielplätzen in Mitte und zwei Spielplätzen in Charlottenburg-Wilmersdorf gegeben. Der Spielplatz am Helmholtzplatz selbst ist nicht gesperrt, auch die Gehwege sind frei zugänglich. Die Absperrungen beziehen sich nur auf die Hecken am Wegrand.

Die Aktion wird von den Berliner Wasserbetriebe sowie das Straßen- und Grünflächenamt gemeinsam mit einer Fachfirma durchgeführt. Unterirdisch aber auch an der Oberfläche werden Köder ausgelegt. Damit Kinder oder Hunde nicht an die Köder gelangen wurden Bereiche entlang der Lettestraße und der Dunckerstraße mit Bauzäunen abgesperrt. Aushänge informieren über die Rattenbekämpfung.

Absperrungen wegen der Rattenbekämpfung in Prenzlauer Berg.
Absperrungen wegen der Rattenbekämpfung in Prenzlauer Berg.Foto: Lars von Törne

Es gibt immer noch mehr Menschen als Ratten in Berlin

Die Daten zu den Einsätzen wegen Ratten in der Stadt laufen bei Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) zusammen, da die Tiere Krankheiten übertragen. Ansonsten würde sich die Senatsverwaltung für Umwelt darum kümmern, Wildtiere fallen in ihre Zuständigkeit. Stark gestiegen ist die Zahl der Einsätze der Schädlingsbekämpfer wegen Ratten von 2014 auf 2015 in Marzahn-Hellersdorf (von 871 auf 1394), und Lichtenberg (von 281 auf 688). Marzahn-Hellersdorf ist überhaupt der Bezirk mit den meisten Rattenbekämpfungen, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Leicht Zurückgegangen sind die Meldungen über Ratten in Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln, heißt es beim Lageso.

Generell gilt: Jeder Bürger der eine Ratte sieht, hat das dem Gesundheitsamt des Bezirkes zu melden. Die Zahl der Einsätze orientiert sich an den Meldungen, das bedeutet, das Marzahn-Hellersdorf nicht zwingend mehr Ratten hat als Charlottenburg-Wilmersdorf sondern erstmal nur mehr Meldungen über die Tiere.

Aushang am Helmholzplatz.
Aushang am Helmholzplatz.Foto: Lars von Törne

Die meisten Ratten gibt es in den Innenstadtbezirken

Alles in allem stiegen die Maßnahmen zur Rattenbekämpfung in Berlin von 2014 auf 2015 an, von 7470 auf 8654. Im Innenstadtbereich seien Rattensichtungen generell häufiger als am Stadtrand, das liegt laut dem Lageso an den Bauprojekten dort. "Wenn sie in Mitte eine neue U-Bahn buddeln, vertreiben sie natürlich die Ratten aus ihren Rückzugsgebieten und sie kommen an die Oberfläche", sagt Sprecherin Silvia Kostner.

Genaue Zahlen habe das Lageso nicht, laut Schätzungen gibt es in Berlin ein bis zwei Ratten für jeden Berliner. Das seien laut Kostner aber nur Spekulationen. Stephan Natz von den Berliner Wasserbetrieben weiß es genauer. Laut einer Berechnung der Wasserbetriebe, die sich an einer Studie aus den USA orientiert, gibt es in der Hauptstadt 2.241.481 Ratten. In die Berechnung fließen die Fläche ein, auf der die Ratten leben können, sowie die Rudelgröße, die Würfe pro Jahr und die Anzahl der Rattenbabys pro Wurf. Die Wasserbetriebe gehen davon aus, dass die Zahl der Nager nach saisonalen Schwankungen am Ende stabil ist.

Demnach ist der zweibeinige Berliner also noch immer in der Überzahl. Natz sagt, dass im Innenstadtbereich nicht nur mehr Ratten gesehen werden, sondern dort nach ihren Berechnungen sich auch mehr der Tiere aufhalten. Der Grund: Mehr Imbisse, mehr Touristen, mehr Müll.

Sauberkeit ist das beste Mittel gegen Ratten

Das beste Mittel gegen Ratten ist laut dem Lageso und des Wasserbetrieben Sauberkeit. "Wir müssen auf die Umwelt achten, Kindern schon beibringen, dass sie ihre Abfälle nicht einfach liegen lassen sollen und auch nicht Essensreste in der Toilette entsorgen", sagt Silvia Kostner. Generell gilt: Ratten vermehren sich dort, wo sie genügend Futter finden, in Parks, auf Spielplätzen und Bahnhöfen.

Bauzäune sollen Kinder und Hunde daran hindern, an die Köder zu kommen.
Bauzäune sollen Kinder und Hunde daran hindern, an die Köder zu kommen.Foto: Lars von Törne
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