Nahverkehr in Berlin : BVG testet fünftürigen Gelenkbus

Nach Doppeldeckern testet die BVG jetzt einen neuen Gelenkbus. Die fünf Türen sollen dazu führen, dass Fahrgäste schneller aussteigen können und so die Wartezeiten verkürzt werden.

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Hier zeigt sich der Bus von der Fahrerseite. Die fünf Türen befinden sich auf der anderen Seite.
Hier zeigt sich der Bus von der Fahrerseite. Die fünf Türen befinden sich auf der anderen Seite.Foto: dpa

Ein Mal rein – vier Mal raus. Ein neuer Gelenkbus, den die BVG vom heutigen Mittwoch an auf der Linie TXL (Flughafen Tegel–Alexanderplatz) testen will, hat erstmals fünf Türen. Zum Einstieg darf aber weiter nur die vordere genutzt werden. Der Versuch mit den vier Türen zum Aussteigen solle zeigen, ob Fahrgäste den Bus schneller verlassen und die Wartezeiten an den Haltestellen verkürzt werden können, sagte der amtierende Bus-Chef der BVG, Torsten Mareck, am Montag bei der Vorstellung des MAN-Gelenkbusses.

Ein fünftüriger Typ fährt seit Anfang 2014 in Hamburg; die BVG hat noch keine Erfahrung damit. An der Elbe ist der Bus nach Angaben von Christina Becker von der Hochbahn auf einer hochfrequentierten Linie im Einsatz. Anders als im übrigen Netz ist auf solchen Strecken der Einstieg an allen Türen erlaubt, während sonst – wie in Berlin – der Vordereinstieg vorgeschrieben ist. Durch das Nutzen aller Türen verkürze sich der Aufenthalt an den Haltestellen, und die Fahrgäste verteilten sich besser im Bus, sagte Hochbahnsprecherin Becker.

Dazu trage auch der lichtdurchlässige Faltenbalg bei, der beide Hälften eines Gelenkbusses verbindet. Durch das einfallende Licht werde es im hinteren Bereich des Busses heller, sodass sich Fahrgäste auch dort wohlfühlten, sagte Becker. Auch die TXL-Linie gehört zu den nachfragestärksten der BVG. Beim Vordereinstieg soll es aber auch während des zweiwöchigen Tests bleiben, sagte Mareck. Die BVG schreibt seit 2004 den Einstieg beim Fahrer vor, um die Zahl der Schwarzfahrer zu reduzieren. Nach Angaben des Unternehmens sind danach die Einnahmen tatsächlich gestiegen.

MAN-Bus kann sich tiefer senken

Fünf Türen gehen aber zulasten von Sitzplätzen. Trotzdem haben es die Ingenieure von MAN geschafft, 39 feste und 6 Klappsitze in dem Fahrzeug unterzubringen, das nur 75 Zentimeter länger ist als die 18 Meter langen Standardbusse mit drei Türen. Der derzeit neueste Gelenkbus der BVG von Scania hat 45 feste und ebenfalls 6 klappbare Sitze. Im MAN-Bus befinden sich die Sitze im Heck auf einem Podest mit mehreren Stufen. Teilweise ist der Abstand zur Decke dadurch sehr gering.

Der MAN-Bus kann sich an den Haltestellen beim sogenannten Kneeling einen Zentimeter tiefer senken als vergleichbare Gelenkbusse, sagte Dietmar Rosemeyer von MAN. Die BVG wollte dieses Senken 2013 nur noch nach dem Drücken eines Knopfes auf Wunsch zulassen, wurde aber dafür von Behindertenverbänden und von den Parteien im Abgeordnetenhaus so heftig kritisiert, dass sie zum automatischen „Kneeling“ zurückgekehrt ist.

Hell wird’s. Der Faltenbalg am Übergang der beiden Hälften des neuen BVG-Busses ist lichtdurchlässig.
Hell wird’s. Der Faltenbalg am Übergang der beiden Hälften des neuen BVG-Busses ist lichtdurchlässig.Foto: dpa

Bereits 2015 hat die BVG neue Bustypen getestet: Drei verschiedene Doppeldecker, einen „Zugbus“ mit Anhänger sowie einen superlangen Gelenkbus und einen mit Hybrid-Antrieb. Da für die sehr langen Fahrzeuge auch Haltestellenbereiche erweitert werden müssten, hat sich die BVG schnell von diesen Typen verabschiedet; bei den Doppeldeckern ist das Rennen für die nächste Generation noch nicht entschieden. Beim Test, der noch nicht ausgewertet sei, habe sich bisher aber gezeigt, dass Fahrgäste einen Typ mit zwei Treppen ins Oberdeck bevorzugten, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner.

Weitgehend geklärt ist dagegen die wahrscheinliche Ursache für den Brand in einem Doppeldecker Anfang Januar. Das Feuer, das im Vorderbereich des Oberdecks ausgebrochen war, ist nach Tagesspiegel-Informationen durch einen technischen Effekt entstanden, der einmalig gewesen sein soll. Ein Umbau an den anderen Fahrzeugen sei deshalb nicht erforderlich. Die BVG will sich erst äußern, wenn alle Gutachten vorliegen.

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