Nahverkehr in Berlin : BVG will emissionsfrei werden

Die BVG will auf emissionsfreie Busse umsteigen und testet eine neue Antriebstechnik. Elektrobusse überzeugen bislang nicht. Als Zwischenlösung setzt die BVG auf Gas.

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Auf der Linie 204 (Südkreuz–Bahnhof Zoo) wurden bereits ab Sommer 2015 Elektrobusse getestet.
Auf der Linie 204 (Südkreuz–Bahnhof Zoo) wurden bereits ab Sommer 2015 Elektrobusse getestet.Foto: dpa/ Paul Zinken

Testen, testen, testen. Die BVG erprobt viel – mit dem Ziel, auf emissionsfreie Busse umzusteigen. Doch vom Angebot ist das Unternehmen nicht immer überzeugt. Vor allem von deutschen Herstellern gebe es derzeit kaum Impulse beim Elektro-Antrieb, sagte Bus-Chef Torsten Mareck jetzt dem Tagesspiegel.

Als Zwischenlösung setzt die BVG auf Gas. Ein Testbus von Mercedes hat bereits seine Runden absolviert, weitere Fahrzeuge von MAN, Scania und Solaris sollen folgen. Die Busse sind jeweils 14 Tage auf der Linie 140 (Tempelhof–Ostbahnhof) unterwegs. Mitentscheidend sei der Verbrauch im Vergleich zum Diesel mit der Euro-6-Norm. Beim Ausstoß sei der gasbetriebene Bus etwas besser, sagte Mareck. Aber er ist eben auch bis zu 30.000 Euro teurer.

Kurze Tankzeit gilt als wichtiges Kriterium

Sollte der Test zufriedenstellend ausfallen – als ein Kriterium zählt auch eine kurze Tankzeit – will die BVG nach Marecks Angaben eine Tankstelle auf einem Betriebshof bauen lassen und verpachten. Durch den Verkauf an Dritte soll sich der Gasbetrieb dann für die BVG auch wirtschaftlich rechnen. Für die Umwelt würde es sich auf jeden Fall lohnen, denn die BVG würde dann von der Gasag Biogas beziehen, das CO2-neutral auch aus Klärschlamm hergestellt werden kann.

Ziel bleibe aber der – saubere – Elektroantrieb, sagte der Bus-Chef. Die ersten Erfahrungen sind allerdings ernüchternd. Das System der „fahrenden Zahnbürste“ habe sich bisher nicht bewährt, bestätigte Mareck. Das berührungslose, also leitungsfreie Laden der Batterien nach dem Vorbild einer Zahnbürste funktioniere zwar, aber die Mechanik mit der ausfahrbaren Spule an der Fahrzeugunterseite sei zu oft defekt.

Die BVG lässt Busse nach Ablauf des Testjahres weiterfahren

Der Versuch auf der Linie 204 (Südkreuz–Bahnhof Zoo) hatte im Sommer 2015 begonnen und war vom Bundesverkehrsministerium mit vier Millionen Euro unterstützt worden. Die BVG lässt die Busse auch nach Ablauf des Testjahres weiterfahren. Entwickelt hat das berührungslose Laden der Bahnhersteller Bombardier, der es „Primove“ nennt.

Als Nächstes versucht es die BVG jetzt mit einem Übertragen der Energie über einen Stromabnehmer. Früher waren diese auf den Oberleitungsbussen installiert. Jetzt testet die BVG ein von Siemens entwickeltes System. Der Bus fährt unter einen Mast. Dann senkt sich der Stromspender auf die Kontaktstelle auf dem Busdach – und der Strom kann fließen.

Das größte Problem im Vorfeld sei es gewesen, einen Hersteller zu finden, der einen solchen Bus baut, klagte Mareck. Mit viel Mühe sei es gelungen, den polnischen Hersteller Solaris zu gewinnen. Der Test soll im nächsten Jahr beginnen. Die Ladestation wird auf dem Euref-Gelände in Schöneberg gebaut. Fahren soll der Bus ebenfalls auf der Linie 204.

Elektroantriebe zunächst nur für Eindecker

Ein weiteres Modell sind großenteils automatisierte Batteriewechsel. Der Vorteil: Die Batterien können geladen werden, wenn die Nachfrage nach Strom gering ist und erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist. Anders als beim Laden über Stecker gibt es dann auch keine Lastspitzen, die beim gleichzeitigen Laden einer ganzen Flotte auf einem Betriebshof entstehen. Die Idee stammt aus China, wo das System auch praktiziert wird. Die BVG arbeitete im Rahmen des Windnode-Projekts daran, das „intelligente Energie“ erforschen will.

Elektroantriebe, die die Busse auch leiser machen, wird es zunächst nur für Eindecker geben. Erste Tests liefen aber in England auch in Doppeldeckern, sagte Mareck. Weil für Batterien auf dem Dach kein Platz bleibt, habe man sie unter den Treppen installiert. Eine Lösung muss her, denn die BVG will weiter mit Doppeldeckern fahren.

Wahrscheinlich werden die neuen wieder lange Fahrzeuge mit drei Achsen sein, sagte Mareck. Nur so könne der Platz für Mehrzweck-Bereiche geschaffen werden. Experimentiert hat die BVG auch mit kürzeren Typen und nur einer Treppe zum Oberdeck. Ein Verkauf nach Abschluss des Tests ist nicht gelungen, daher fahren diese Busse weiter durch Berlin. Die vorhandenen 414 Doppeldecker werden derzeit aufwendig saniert, weshalb sie auf mehreren Linien vorübergehend durch Gelenkbusse ersetzt worden sind. Das Sanierungsprogramm erstreckt sich über vier Jahre.

Pläne, wieder klassische Oberleitungsbusse fahren zu lassen, die ihre Energie aus einer Leitung über der Straße erhalten, gebe es derzeit nicht, sagte Mareck. Noch nicht.

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