Nauen in Brandenburg : Jagdunfall wirft Fragen auf

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schütze, der in Nauen auf ein Paar im Maisfeld geschossen hat. Beim Jagdverband ist das Entsetzen groß.

Berliner Rettungsdienst im Einsatz. (Symbolbild)
Berliner Rettungsdienst im Einsatz. (Symbolbild)Foto: picture alliance / dpa

Der Jagdunfall bei Nauen am Mittwochabend wirft weitere Fragen auf. Hat der der Schütze gegen wichtige Vorschriften verstoßen? Nach eigener Darstellung hat der 30-Jährige gedacht, ein Tier aufgespürt zu haben. Im Dämmerlicht drückte er daraufhin ab. Doch statt des vermuteten Wildschweins kam, wie berichtet, ein 31 Jahre alter Nauener ums Leben, seine 23-jährige Begleiterin wurde am Oberarm verletzt.

Beim Jagdverband ist das Entsetzen groß. „Dieses Verhalten widerspricht allen Regeln und macht mich völlig fassungslos“, sagte Wolfgang Bethe, Präsident des Landesverbands Brandenburg, am Freitag. „Wenn man sich nicht absolut sicher ist, darf man auf gar keinen Fall schießen. Das darf nicht passieren.“

Auch Torsten Reinwald vom Bundesverband sagt, dass sich der Jäger sicher sein müsse, dass es einen „ausreichenden Kugelfang“ gibt. Deshalb werde meist von von Hochsitzen aus geschossen, damit die Kugel steil in den Boden versinke. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft Potsdam aber schoss der Schütze vom Boden aus.

Landesjagdverband plant zusätzliche Fortbildungen

Zudem müsse sich laut Reinwald ein Jäger stets sicher sein, was er vor der Flinte hat: welches Tier, welches Geschlecht. Neben den festgesetzten Schonzeiten für Wild muss der Jäger wissen, dass er kein weibliches Tier vor sich hat, das Junge haben könnte. Wenn die Lage also unklar ist, dürfe ein Jäger gar nicht den Abzug drücken.

Dass es möglichweise zu einem Fehlverhalten gekommen ist, sei nicht zu begreifen, erklärte Brandenburgs oberster Jäger Bethe. Nun plant der Landesjagdverband zusätzliche Fortbildungen. Zusätzlich zu den zahlreichen Sicherheitstrainings gebe es künftig weitere Seminare. Der Umgang mit der Waffe spiele in der umfangreichen Jägerausbildung mit mindestens 150 Stunden Theorieunterricht sowie Revier- und Schießpraxis eine große Rolle.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den 30-Jährigen. Der Schütze wurde nach einer vorläufigen Festnahme zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Vorfall ereignete sich, wie berichtet, im Nauener Ortsteil Tietzow. Das Paar hatte es sich nach bisherigen Ermittlungen in der Dämmerung im hohen Gras neben einem Maisfeld gemütlich gemacht.

Beide, der aus der Ortschaft stammende Mann und die Frau, eine Erntehelferin aus Polen, waren auf einer nahe gelegenen Pilzfarm tätig. Der Jäger hatte nach dem Zwischenfall selbst die Polizei alarmiert. tpa/axf

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