Berlin : Nazis attackieren Nazi-Laden

Berliner sollen Geschäft in Wismar überfallen haben – einer ist schon in Haft

Hannes Heine

In der rechtsextremen Szene Berlins sucht die Polizei nach zwei unbekannten mutmaßlichen Räubern. Zusammen mit dem 30-jährigen Alexander B. sollen die beiden am Donnerstag vergangener Woche an einem Überfall in Wismar beteiligt gewesen sein. B. ist Betreiber des Ladens „Parzifal“ in Oberschöneweide, wo rechtsradikale Musik und neonazistische Symbole verkauft werden. Im mecklenburgischen Wismar drangen die drei Berliner am 5. Oktober gegen 3 Uhr nachts gewaltsam in das Haus des 28-jährigen Philipp S. ein, der ebenfalls mit Neonazi-Artikeln handelt. Sie forderten von ihm 10 500 Euro als Entschädigung für die Vermarktung von Neonazi-Artikeln, die vorgeblich den Tätern gehörten. Das Opfer wurde dabei mit einem verbotenen Totschläger, einem Brecheisen und einer Axt bedroht. Die Eindringlinge stahlen 600 Euro, eine Kredit- und drei EC-Karten. Der mutmaßliche Haupttäter B. wurde daraufhin in Berlin vom Staatsschutz festgenommen und sitzt in Mecklenburg-Vorpommern wegen schwerem Raub in Untersuchungshaft. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe.

B. ist nach Auskunft des „Antifaschistischen Infoblattes“ Gründungsmitglied der 1994 gegründeten Berliner Rechtsrockband „Spreegeschwader“ und wird der neonazistischen Gruppe „Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft“ zugerechnet. Im Juli 1999 soll er nach Zeugenaussagen zusammen mit 20 Neonazis an einem Angriff auf linke Jugendliche an der brandenburgischen Autobahnraststätte Stolpe beteiligt gewesen sein. Der Berliner Staatsanwaltschaft ist B. einschlägig bekannt, erst Ende August dieses Jahres wurde er wegen der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen zu einer Geldstrafe verurteilt.

Überfallopfer S. wiederum betreibt in Wismar den Laden „Werwolfshop“. Als im August 150 linke Demonstranten vor diesem Geschäft demonstrierten, wurden sie von S. und drei weiteren Neonazis mit Baseballschlägern bedroht. Drei Tage später wurde der Laden von der Staatsanwaltschaft Schwerin durchsucht. Die Beamten stellten Kleidungsstücke mit volksverhetzenden Parolen sicher.

Der Handel mit Rechtsrock und rechten Devotionalien hat sich zu einem Millionengeschäft entwickelt. CDs und rechte Accessoires wie T-Shirts oder Aufnäher werden über ein Netz von mehr als 50 Vertrieben und Szene-Läden verkauft. Innerhalb des Vertriebsnetzes nehmen gewaltbereite Neonazis eine herausragende Stellung ein. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus weist auf die „Langlebigkeit dieser gut etablierten Strukturen“ hin.

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