Neue Idee für Nahverkehr in Berlin : Senat schlägt Anhänger für Busse vor

In Berlin sollten Busse mit Anhängern für Fahrgäste getestet werden. Das schlägt der Senat vor. Doch die Verkehrsbetriebe halten davon ziemlich wenig. In München sind sie einige Schritte weiter.

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So machen's die Münchener. Vorn der Bus, hinten der Anhänger. Berlin solle das doch mal testen, sagt der Senat.
So machen's die Münchener. Vorn der Bus, hinten der Anhänger. Berlin solle das doch mal testen, sagt der Senat.Foto: promo/MVG/Kerstin Groh

München hat sie – die BVG hält nichts von ihnen: den Buszügen. Zehn Busse mit Anhänger hat die Münchner Verkehrsgesellschaft jetzt angeschafft. Sie sollen auf Linien mit steigender Nachfrage den Fahrgästen mehr Platz bieten. Rund 4,8 Millionen Euro haben die Buszüge gekostet. Und Berlin?

Der Senat will Buszüge zumindest mal zur Probe einsetzen. „Ähnlich wie in anderen Metropolräumen soll auch in Berlin der Einsatz größerer Fahrzeuge (vergleiche Doppelgelenkbus in Hamburg, Anhängerbus im München) für eine ausgewählte Metro-Linie getestet werden“, heißt es im Entwurf zum neuen Nahverkehrsplan, der derzeit beraten wird.

Die Münchener sind einige Schritte weiter. Nach Angaben von MVG-Chef Herbert König sollen die Gespanne vor allem Engpässe im Berufsverkehr beseitigen. Sie hätten rund 30 Prozent mehr Platz für Fahrgäste als herkömmliche Gelenkbusse, seien mit zusammen fünf Türen für einen schnellen Ein- und Ausstieg ideal und zudem besonders geräumig.

Historische Busse der BVG
Eines der ersten Doppeldecker-Busse aus dem Baujahr 1913. Die Passagiere auf dem oberen Deck brauchten damals noch einen Regenschirm, um nicht nass zu werden - und einen gültigen Fahrschein. .Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: promo
14.08.2012 15:33Eines der ersten Doppeldecker-Busse aus dem Baujahr 1913. Die Passagiere auf dem oberen Deck brauchten damals noch einen...

In dem Buszug finden 133 Fahrgäste einen Platz; 61 können dabei sitzen. Ein Gelenkbus in München hat bis zu 48 Sitze; 55 Menschen können nach Angaben der MVG stehend die Fahrt absolvieren, so dass bis zu 103 Fahrgäste in den Bus passen.

Die BVG rechnet anders. Sie stopft mehr Menschen in den Bus als die Münchner Kollegen, nämlich acht statt vier je Quadratmeter. Bei ähnlichen Fahrzeugen von zum Teil den gleichen Herstellern variiert die Sitzplatzzahl in den Gelenkbussen der BVG ähnlich wie in München zwischen 44 und 47, doch auf den Stehplätzen bringt die BVG rechnerisch so weit mehr Kunden unter: je nach Fahrzeugtyp zwischen 99 und 132. Somit liegt die Kapazität beim Gelenkbus an der Spree sogar höher als im Buszug an der Isar. Folglich hält die BVG nichts von diesem Fahrzeugtyp, zumal auch der Doppeldecker mit Platz für 128 Fahrgäste, darunter sogar 83 Sitzplätze rechnerisch ähnlich viele Insassen aufnehmen kann wie der Buszug.

Die neuen Berliner U-Bahn-Züge
Das 1:1-Modell der neuen Berliner U-Bahn steht derzeit im Ausbildungszentrum für die U-Bahn-Fahrer in Alt-Moabit.Weitere Bilder anzeigen
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08.05.2013 10:23Das 1:1-Modell der neuen Berliner U-Bahn steht derzeit im Ausbildungszentrum für die U-Bahn-Fahrer in Alt-Moabit.

Würde man am Buszug allerdings bei der Kapazitätsermittlung die Berechnungsmethode der BVG anwenden, würden theoretisch weit mehr Fahrgäste hineinpassen als in den rappelvollen Gelenkbus – und der Buszug wäre auch in Berlin bei der Kapazität an der Spitze.

Ein weiterer Vorteil sei seine Flexibilität, heißt es bei der MVG. Das Platzangebot könne durch Abkuppeln des Anhängers ohne großen Aufwand bedarfsgerecht und damit besonders wirtschaftlich der jeweiligen Nachfrage zu unterschiedlichen Zeiten angepasst werden. Allerdings müssen die Anhänger dann jeweils zu den Betriebshöfen zurückgebracht werden. Und hier fehle der Platz, argumentiert die BVG. Außerdem sei der Buszug für die meisten Haltestellen zu lang. Bei einer repräsentativen Befragung während des Probebetriebs fühlten sich nach MVG-Angaben 93 Prozent der Fahrgäste im videoüberwachten Buszug sicher; 55 Prozent lobten das großzügige Platzangebot im Anhänger für Kinderwagen und Rollstühle.

In den 40er Jahren gab es auch bei der BVG Busse mit Anhänger. Sie wurden aber schnell wieder abgeschafft, weil die Motorleistung zu schwach war. Besser lief’s bei den Oberleitungsbussen, die mit Anhänger unterwegs waren. Aber auch diese Betriebsform wurde eingestellt.

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