Neue Institution für Kreativität und Qualität : Berlin soll zur Luxusstadt werden

Reich, aber sexy: Eine neue Institution, der "Meisterkreis", will Berlin zur Stadt des Luxus machen. Das soll vor allem durch neue Verbindungen nach Frankreich klappen.

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Luxus-Liaison: Elisabeth Ponsolle des Portes leitet in Frankreich das Comité Colbert, die Vereinigung der hochkarätigen Marken. Clemens Pflanz will mit dem Meisterkreis in Berlin Ähnliches erreichen.
Luxus-Liaison: Elisabeth Ponsolle des Portes leitet in Frankreich das Comité Colbert, die Vereinigung der hochkarätigen Marken....Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Als Geschäftsführer der jungen Modemarke „Achtland“ muss Thomas Bentz die Zahlen genau im Blick behalten. Aber wenn es um Qualität geht, kennt er keine Kompromisse. „Wir lassen alle unsere Kleider in Berlin fertigen.“ Zusammen mit seinem Partner Oliver Lühr ist er ständig auf der Suche nach Handwerkern, die ihr Gewerbe mit hoher Kunstfertigkeit ausüben. Eine Näherin fanden sie sogar direkt gegenüber ihrem Studio nahe dem Moritzplatz in Kreuzberg.

Für diesen Geist ist Achtland kürzlich ausgezeichnet worden, von einer Institution, die Berlin zur Stadt des Luxus machen möchte. „Meisterkreis“ nennt sich die Vereinigung mit Sitz in der Friedrichstraße ganz unprätentiös. Sie vereint Unternehmen und Institutionen, die für Kreativität und höchste Qualität aus Deutschland stehen. Gemeinsam kümmern sie sich etwa um Markenschutz, den Exportmarkt in Asien und Kontakte zu Politikern. Zum Meisterkreis gehören zum Beispiel Bechsteinklaviere, Lautsprecherproduzent Burmester, das KaDeWe als Symbol höchster Einkaufskultur, Montblanc, Leica und Thonet, insgesamt 55 Unternehmen. Und junge Qualitätsproduzenten werden in den exklusiven Kreis als „Zukunfstmeister“ aufgenommen: Der erste Preis ging an Achtland – Thomas Bentz und Oliver Lühr dürfen sich nun auf Workshops freuen, zum Beispiel zur Entwicklung der Markenidentität.

Vorher gibt es aber noch die erste große Zusammenkunft von deutschen und französischen Produzenten hochwertigster Luxusprodukte. Aus Anlass des 50. Jubiläums des Elysée-Vertrags gibt der französische Botschafter Maurice Gourdault-Montagne am Mittwoch Abend ein Dinner in der Botschaft am Pariser Platz, bei dem neue Netzwerke entstehen sollen. Die Festrede hält Ministerin Ursula von der Leyen.

Der Meisterkreis repräsentiere mehr als 160 000 Beschäftigte mit einer Wertschöpfung von 60 Milliarden Euro, sagte dessen Geschäftsführer Clemens Pflanz am Dienstag im Adlon, das auch zum Kreis gehört. Vorbild für die Ende 2011 gegründete Institution ist das französische Comité Colbert, benannt nach dem Finanzminister Ludwigs IV., der als Erster die Welt ins Visier nahm, um französische Luxusprodukte zu verkaufen. „Für uns war der deutsche Mittelstand in den vergangenen Jahren ein Vorbild“, sagt die Präsidentin des Comité Colbert, Elisabeth Ponsolle des Portes, die zum Treffen angereist ist. Künftig will man sich gegenseitig inspirieren.

In Frankreich hat die Freude an Luxusprodukten eine lange Tradition, sie gehört zur Kultur. Mit Berlin hat man lange alles andere als Luxus verbunden. Aber die Einstellung der Deutschen zu hochwertigen Produkten habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, sagt Clemens Pflanz, viele Studien belegten das. Dafür sprechen auch die Erlebnisse der Achtland-Designer: Als die jemanden suchten, der einer Lederjacke eine sehr besondere Steppung verpassen konnte, wurden sie in der Köpenicker Straße fündig. Ein Hersteller für Kinderportemonnaies nahm sich der Sache an.

Luxus ist teuer und selten – und krisenfest. „Gerade wenn die Zeiten schlecht sind, besinnt man sich auf Werte“, sagt Elisabeth Ponsolle des Portes. „Man braucht einen Ausgleich, eine Belohnung, einen Traum, vielleicht einen Lippenstift von Dior, der eine Weile hält.“

Außerdem solle man nicht vergessen, dass die Krise vor allem Europa betreffe. Die Mitglieder des Comité Colbert exportieren aber 84 Prozent ihrer Produkte. Ähnlich hoch seien die Zahlen beim Meisterkreis, sagt Clemens Pflanz. Nach wie vor sind die USA ein wichtiger Absatzmarkt, aber auch in den arabischen Ländern und in Asien sind europäische Produkte gefragt. Wenn sich eine chinesische Familie eine Uhr von Glashütte, eine Tasche von Chanel und Stifte von Faber-Castell kauft, dann erwirbt sie damit auch ein Stück europäischen Lebensgefühls.

Achtland arbeitet noch mit geringen Stückzahlen, schließlich schicken die Berliner Designer bei der Fashion Week in der nächsten Woche erst ihre vierte Kollektion auf den Laufsteg. Sie hoffen, dass sich das bald ändert – auch mit den Synergieeffekten, die sich aus der neuen deutsch-französischen Luxusfreundschaft ergeben.

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