Neue Senatoren in Berlin : Zwei Nachfolgerinnen für Andreas Geisel

Der Ex-Senator für Stadtentwicklung Andreas Geisel übergab am Freitag seine Geschäfte an Regine Günther und Katrin Lompscher.

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Katrin Lompscher (Linkspartei), Andreas Geisel (SPD) und Regine Günther (parteilos). (von links nach rechts)
Katrin Lompscher (Linkspartei), Andreas Geisel (SPD) und Regine Günther (parteilos). (von links nach rechts)Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Das Amtszimmer im schmucken Altbau am Köllnischen Park war schon leergeräumt; auch die Bilder hatte Andreas Geisel (SPD) bereits eingepackt. Nur die Möbel waren geblieben. Egal, auch schmucklos hat die von den Grünen ausgesuchte parteilose Regine Günther am Freitag ihr neues Domizil bezogen.

Sie ist als Verkehrssenatorin nun Chefin von, ja von wie vielen Mitarbeitern denn? Günther weiß es noch nicht. Erst im Januar soll festgelegt werden, wie die bisherige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit ihren derzeit rund 2000 Beschäftigten aufgeteilt wird: in Günthers Bereich Verkehr und Umwelt und in das Ressort Bauen und Stadtentwicklung, das Katrin Lompscher (Linke) übernommen hat.

Nicht allen gefällt es, dass das Mammutressort nun aufgeteilt wird. Als der bisherige dafür zuständige Senator Andreas Geisel am Freitag bei der Amtsübergabe vor Hunderten von Mitarbeitern den Vorteil betonte, den das gemeinsame Planen und Verwalten gehabt habe, gab es viel Beifall. Lompscher, die nach eigenen Angaben am Tag der Amtsübergabe aufgeregter war als bei der Wahl des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) und der anschließenden Ernennung der Senatorenriege am Donnerstag, wies aber prompt darauf hin, dass die Teilung auch eine große Chance für eine effiziente Politik sei.

Lompscher ist für die Mitarbeiter keine Unbekannte; schließlich war sie bereits 2006 bis 2011 Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und ist dadurch bestens bekannt. Unter ihrer Leitung war 2008 die Umweltzone mit dem Fahrverbot für schadstoffreiche Autos innerhalb des S-Bahn-Rings eingeführt worden.

Günther will ein Zeichen setzen

Gespannt war man auf die Neue. Von der 53-jährigen Günther wusste man bisher nicht viel, außer dass sie nach dem Geschichtsstudium bei der Berliner Energieagentur beschäftigt war, danach 16 Jahre lang das Klima- und Energiereferat des WWF Deutschland leitete und anschließend Generaldirektorin für Politik und Klima der Organisation war.

Und richtig: Ihre Rede begann sie mit dem Thema Klimaschutz. Hier hoffe sie, ein Zeichen setzen zu können, sagte die Klima-Expertin. Und auch beim folgenden Ziel, dem Ausbau der Infrastruktur, ging’s nicht ganz ohne Grün. Wichtig sei es, auch „Naturoasen“ zu schaffen, auf denen sich die Menschen erholen könnten.

Von Geisel hatte Günther zum Amtsantritt das Modell einer Flexity-Straßenbahn der BVG erhalten, das jenem verflixt ähnlich sah, das Geisel vor zwei Jahren bei der Eröffnung der Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof von BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta bekommen hatte. Vielleicht entwickelt sich daraus ja eine Art Wanderpokal. Lompscher musste sich mit einem Helm begnügen – als Schutz bei möglichst vielen Besuchen auf erfolgreichen Baustellen.

Das Straßenbahn-Geschenk hatte auch einen Hintergrund: Geisel sah es als Ansporn dafür, schnell mit der weiteren Straßenbahn-Planung zu beginnen. Die rot-rot-grüne Koalition hat schließlich das Ziel, noch in dieser Legislaturperiode mehrere Strecken fertigzustellen.

Mit Wünschen muss Günther jetzt ohnehin leben. Unendlich viele seien bereits an sie herangetragen worden, sagte sie. Sie sei optimistisch, vieles auch schaffen zu können – mit Hilfe der Mitarbeiter, deren Arbeit zuvor von Geisel gelobt worden war. Und ganz verzichten muss er auf deren Arbeit auch auf seinem neuen Posten als Innensenator nicht. Sein bisheriger Staatssekretär Christian Gaebler begleitet ihn ins neue Amt. Und auch sein bisheriger Pressesprecher Martin Pallgen ist mit Geisel inzwischen an die gar nicht so weit entfernte Klosterstraße in Mitte umgezogen.

Bammel hat die neue Verkehrssenatorin nicht

Für den scheidenden Senator war der Abschied ein emotionaler Moment, wie er sagte. Er sei gern Stadtentwicklungssenator gewesen. Kein Wort dazu, dass er so manche Entscheidung gegen den Rat von Mitarbeitern getroffen hat. Wie am Leipziger Platz, wo er einem Bauherrn per Ausnahmegenehmigung erlaubt hatte, auf den vorgeschriebenen Anteil von Wohnungen zu verzichten.

Günther weiß, dass sie und ihre Mitarbeiter, wie viele es am Ende auch sein werden, „im Zentrum des Interesses stehen werden“. Bammel vor der neuen Aufgabe habe sie aber nicht, sagte sie. Sie habe auch nicht lange überlegen müssen, ob sie den Job übernehmen solle, sagte sie. Sie habe den Koalitionsvertrag gelesen und festgestellt, dass er vieles enthält, was auch zu ihren Zielen gehört. Und damit war die Entscheidung gefallen. So einfach kann es sein, Senatorin zu werden.

Oder doch nicht? Lompscher sagte, sie habe in der Nacht vor der Amtsübergabe wenig geschlafen und viel über die Zukunft nachgedacht, wohl wissend, dass es nicht viel bringe. Verstehendes Lachen bei den Mitarbeitern folgte.

Nach der Antrittsrede von Lompscher, der letzten an diesem Vormittag, zeigte Günther auch gleich, wer nun das Sagen hat. „Und wieder ab ins Büro“, forderte sie die Anwesenden auf. Diese folgten prompt. Günther hat nun noch etwas Zeit, sich zu überlegen, wie sie ihr Büro ausschmücken will. „Auf jeden Fall soll ein Stadtplan an die Wand“, sagte sie. Sie sei ein Fan solcher Pläne.

So manche Mitarbeiter sahen den Wechsel ganz pragmatisch. Eine Frau sagte zu einer Kollegin: „Die Spitze wechselt, die Verwaltung bleibt.“

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