Neue Studie : Warum Migranten ihre Kinder so selten in die Kita schicken

Nur jedes dritte Kind aus einer Migrantenfamilie besucht vor dem dritten Lebensjahr eine Kita. Das muss nicht am mangelnden Integrationswillen liegen. Oft hapert es an grundlegenden Informationen.

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In den ersten Lebensjahren werden entscheidende Weisen gestellt - auch für die Sprachfähigkeit. Deshalb ist die frühe Förderung in der Kita so wichtig.
In den ersten Lebensjahren werden entscheidende Weisen gestellt - auch für die Sprachfähigkeit. Deshalb ist die frühe Förderung in...Foto: Thilo Rückeis

Einen Kitaplatz zu finden, das ist derzeit für viele Eltern in Berlin eine Herausforderung. Sie erzählen, wie berichtet, von langen Wartelisten, Auswahlgesprächen, die Castings ähneln, oder gar Aufnahmegebühren. Einwandererfamilien und Eltern mit niedrigem Bildungsstand haben es dabei noch deutlich schwerer als Familien ohne Migrationshintergrund oder mit höherer Bildung. Das geht aus einer Untersuchung des Sachverständigenrates für Integration und Migration hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Dabei ging es um die Frage, warum ein- bis zweijährige Kinder aus Migrantenfamilien seltener eine Krippe besuchen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Deutschlandweit gehen rund ein Drittel der Unter-Dreijährigen in eine Kita, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind es nur rund 14 Prozent. In Berlin werden 29 Prozent der Unter-Dreijährigen mit Migrationshintergrund außerfamiliär betreut, bei Kindern ohne Migrationshintergrund sind es 20 Prozentpunkte mehr. Besonders Familien der ersten Einwanderergeneration betreuen ihre Kinder vermehrt zu Hause, während Eltern, die bereits hier geboren wurden und bei denen mindestens einer Abitur hat, ihre Kinder annähernd so häufig in die Krippe schicken wie Familien ohne Migrationshintergrund.

Fehlende Kenntnisse und zu wenig Beratung über Angebote und nötige Behördengänge, aber auch Vorbehalte gegenüber der Qualität der Einrichtungen spielen dabei eine Rolle. Davon kann auch Eva Diaz berichten. Als die 34-jährige Spanierin, die seit 14 Jahren in Berlin lebt, für ihre Tochter einen Kitaplatz suchte, stellte sie sich bei unzähligen Einrichtungen vor. Als sie erfuhr, dass sie einen Kita-Gutschein brauchte, wusste sie zunächst nicht, was das überhaupt ist. Auch von Tagesmüttern hatte sie noch nichts gehört: „So etwas gibt es in Spanien nicht.“ Schließlich fand sie doch noch einen Platz. „Aber zwischenzeitlich war ich kurz davor aufzugeben.“ Mittlerweile engagiert sie sich im Verein „MaMis en Movimiento – Mütter in Bewegung“, der spanischsprachige Familien berät. „In Spanien gehen Kinder ab drei in die Vorschule und lernen Buchstaben und Zahlen. Manche spanischen Mütter trauen deshalb den Kitas hier nicht so ganz, weil sie sich fragen, was dort den ganzen Tag gemacht wird“, erzählt Diaz.

Viele Eltern mit Migrationshintergrund wünschen sich eine größere kulturelle Offenheit der Kitas, so die Autoren der Studie. Dazu gehören mehrsprachige Erzieher oder Sensibilität für kulturelle oder religiöse Bedürfnisse. Es sei erwiesen, dass von frühkindlicher Bildung gerade Kinder mit Migrationshintergrund profitieren. Der Stiftungsrat befürchtet, dass sich durch die Einführung des Betreuungsgeldes noch mehr Eltern dafür entscheiden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen.

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