• Neue Technik könnte die S-Bahn leiser machen Technische Universität hat Flüsterantrieb entwickelt Dem Verkehrsunternehmen ist der Einbau zu teuer

Berlin : Neue Technik könnte die S-Bahn leiser machen Technische Universität hat Flüsterantrieb entwickelt Dem Verkehrsunternehmen ist der Einbau zu teuer

Klaus Kurpjuweit

Die S-Bahn gilt als umweltfreundliches Verkehrsmittel. Anwohner, an deren Häusern die Züge vorbeifahren, sehen das oft anders. Sie beklagen sich seit Jahren über den Krach – auch bei den modernsten Fahrzeugen. Sogar auf neuen Gleisen wie am S-Bahnhof Charlottenburg. Jetzt gibt es die Chance, den Lärm erheblich zu verringern. Die Technische Universität hat ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Ob es den Berlinern zugute kommen wird, ist allerdings ungewiss. Noch rechnet die S-Bahn, ob sich die Investition auch für sie lohnt.

Der Einbau könnte bis zu 10000 Euro pro Viertelzug kosten, der aus zwei Fahrzeugen besteht. Und die S-Bahn hat 500 dieser Viertelzüge, also 1000 Wagen der neuesten Bauart in ihrem Fuhrpark. Zudem erhöht der Einbau des Lärmschutzes den Aufwand in der Werkstatt. Auch davor schreckte die S-Bahn bisher zurück.

Sie hatte die Züge der Baureihe 481 Mitte der 90er Jahre entwickeln lassen. Die Lieferung der 1000 Wagen war im Herbst 2004 abgeschlossen. Bereits bei den ersten gelieferten Zügen hatte man gemerkt, dass die Fahrzeuge lauter als erwartet waren. Versuche, die Serie vor dem Weiterbau nachzubessern, scheiterten. Beschwerden über die lauten Züge gab es fast überall in der Stadt.

Jetzt gibt es eine Berliner Lösung. Entwickelt hat sie Markus Hecht vom Fachgebiet Schienenfahrzeuge der Technischen Universität. Das für die S-Bahn typische Geräusch entsteht durch die Drehstrom-Motoren beim Anfahren und Bremsen. Hecht hat nun festgestellt, dass der Lärm, über den Anwohner klagen, durch das Antriebsdrehgestell verursacht wird, da es für die Motorschwingungen wie ein Resonanzkörper wirkt. Deshalb hat er die Triebdrehgestelle an besonderen Bereichen mit schwingungsminderndem Material ausgestattet. Zusätzlich hat er so genannte Schallschürzen entwickelt, die seitlich am Triebdrehgestell befestigt werden. Sie wirken wie eine „fahrende Schallschutzwand“.

Sie senken den Lärmpegel um fünf Dezibel, sagt Hecht. Das werde als deutlich leiser empfunden. Damit werde die S-Bahn in der Klassifikation eine Lärmstufe günstiger. Allerdings erfordert die „fahrende Schallschutzwand“ einen höheren Aufwand in der Werkstatt. Nach Hechts Angaben könnten auch andere Maßnahmen den Lärmpegel senken, aber nur um höchstens vier Dezibel. Für eine Untersuchung fehlten aber rund 30000 Euro, vor allem für ein Messgerät, das es an der TU nicht gebe. Die erste Studie hatten das Umweltbundesamt und der Senat mitfinanziert. Der Senat will, dass die S-Bahnen leiser werden.

Wie laut die Züge sind, kann man am S-Bahnhof Charlottenburg hören, der neu gebaut wird. Trotz Lärmschutzwänden an den Gleisen leiden die Anwohner unter dem Quietschen und Rumpeln der Züge auf einem neu gelegten Gleis. Dort müssen die Züge nach Angaben der Bahn noch bis April über eine Bauweiche mit einem engen Radius fahren. Dabei entstehe der Krach, trotz der nachträglich eingebauten Schmieranlage. „Die Physik können wir nicht außer Kraft setzen“, sagte ein Sprecher. An den Zügen könnte die S-Bahn sie aber zumindest beeinflussen.

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