Neuer Alfred-Scholz-Platz : Neukölln macht Hof nicht mehr den Hof

Der Bezirk benennt den zentralen Platz unweit vom Rathaus nach Alfred Scholz um. Nicht nur in Oberfranken ist man enttäuscht, auch in Wilmersdorf kann man diese Neuerung nur schwer nachvollziehen.

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Neukölln, am Schnäppchen-Center heißt nun offiziell Alfred-Scholz-Platz.
Neukölln, am Schnäppchen-Center heißt nun offiziell Alfred-Scholz-Platz.Foto: DAVIDS

Niemand in Neukölln kam je auf die Idee, diesen Flecken Erde „Platz der Stadt Hof“ zu nennen. Für die meisten Neuköllner ist er schlicht der Ort „am Schnäppchen-Center“. Nun wurde das Dreieck an der Karl-Marx-Straße, am Fuße der Rollbergsiedlung, nach dem ersten Bezirksbürgermeister Alfred Scholz umbenannt. Der SPD-Politiker wirkte hier von 1921 bis 1933. Am Montag weihte Heinz Buschkowsky, aktueller Chef im benachbarten Rathaus, den umgebauten Platz ein. Zwischen Neukölln und der Stadt Hof in Oberfranken besteht eine Städtefreundschaft. Im Sommer 1985 wurde auf Bitten aus Bayern dieser kleine Platz den Freunden aus dem Süden gewidmet.

Enttäuschung und Enthaltung

„Wir sind natürlich nicht begeistert und finden es sehr schade, dass der Platz der Stadt Hof nicht mehr den Namen unserer Stadt trägt“, sagt Hofs Oberbürgermeister Harald Fichtner von der CSU. Die Hofer könnten nachvollziehen, dass sich der alte Name nicht im Volksmund durchgesetzt habe, doch die Enttäuschung sei schon groß. Hof habe eine besondere Beziehung zu Neukölln, wo doch viele West-Berliner zu Zeiten des Eisernen Vorhangs mal kurz Urlaub in Oberfranken gemacht hätten, gleich hinter der Grenze. Dennoch respektiert seine Verwaltung die Entscheidung in Neukölln: „Auch als Stadt Hof würden wir nicht wollen, wenn andere auf unsere Entscheidungen Einfluss nehmen wollten“, sagt Fichtner.

Eine Stufe unter einer offiziellen Städtepartnerschaft tauschen sich Städte und Stadtbezirke im Rahmen einer Städtefreundschaft informell aus. Neben Hof – Einwohnerzahl: 45 000 Menschen – ist Neukölln – Einwohnerzahl: 320 000 Menschen – noch mit dem hessischen Luftkurort Braunfels, der Stadt Frankenthal in der Pfalz und mit dem katalanischen Figueres ohne Vertrag liiert. Um diese Freundschaften kümmert sich in Neukölln ehrenamtlich der Verein „Freunde Neuköllns“. Uwe Christiansen ist dort für die Beziehungen zur Stadt Hof zuständig, obwohl der gebürtige Niedersachse in Wilmersdorf lebt. Neukölln und vor allem Hof sind für ihn dennoch emotionale Stichwörter: „In Hof waren sie immer sehr nett zu uns, wir haben ihnen mal den Berliner Bären vorbeigebracht“, sagt Christiansen. Für den pensionierten Beamten wäre die naheliegende Benennung in „Platz der Vielfalt“ noch ein Kompromiss gewesen.

Vielfalt am Boden

Immerhin, die Vielfalt spielt eine Rolle: Die deutsch-tunesische Künstlerin Nadia Kaabi-Linke gewann den Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes mit der Idee, die Neuköllner Bevölkerung und ihre Herkunft im Pflaster abzubilden. Das Mosaik symbolisiert nun alle im Bezirk vertretenen Nationalitäten, auch an die Staatenlosen hat sie gedacht. „Eine Umbenennung aber war nie von Nöten“, sagt Christiansen vom Verein „Freunde Neuköllns“. Wegen parteipolitischer Interessen der SPD und der verbündeten CDU im Bezirk sei diese Variante von der Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln vernachlässigt worden. Die meisten Neuköllner interessiert das alles wenig, sie werden sich weiterhin „am Schnäppchencenter“ verabreden.

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