Neueröffnung im Ballhaus Mitte : Das Alt Berlin ist wieder da

Auf dem Gelände des Ballhaus Berlin in der Chauseestraße ist die Eckkneipe Alt Berlin wieder aufgebaut worden. Zur Eröffnung heute Abend kommt auch ein besonderer Gast.

Felix Hackenbruch
Im Hintergrund wird noch gewerkelt, trotzdem freut sich Christof Blaesius auf die Eröffnung des Alt Berlin.
Im Hintergrund wird noch gewerkelt, trotzdem freut sich Christof Blaesius auf die Eröffnung des Alt Berlin.Foto: Felix Hackenbruch

Die Traditionskneipe „Alt Berlin“ hat eine neue Heimat gefunden. Am Donnerstagabend wurde noch gehämmert, gestrichen und gesägt, aber schon heute Abend soll das Alt Berlin zwei Jahre nach der Schließung wieder öffnen. Dann jedoch nicht mehr in der Münzstraße, sondern auf dem Gelände des Ballhaus Berlin in der Chausseestraße.

„Das war eigentlich immer mein Plan“, sagt Christof Blaesius, der seit zwei Jahren das Ballhaus Berlin leitet. Als treuem Stammgast habe ihm der Abschied der alten Eckkneipe in der Münzstraße weh getan. 121 Jahre hatten sich dort Berliner aus allen Milieus getroffen, getrunken und gefeiert. Bertolt Brecht speiste hier regelmäßig, später kamen auch Quentin Tarantino, Brad Pitt und Joschka Fischer in die verrauchte Kneipe.

„Ich bin 2004 in die dortige Nachbarschaft gezogen und dann kam man überhaupt nicht um diesen Laden herum“, erinnert sich Blaesius. Vor gut zwei Jahren war dann jedoch Schluss. Ein Hamburger Investor wollte das komplette Haus sanieren lassen und ließ sich auch von Anwohnerprotesten nicht aufhalten. Als das Alt Berlin schließlich schloss, lagerten Stammgäste das gesamte Inventar in einen Container ein. Immer in der Hoffnung, die Möbel irgendwann wieder zu benötigen.

Wie ein Puzzle wurde die Kneipe wieder zusammengesteckt

Nun ist es also soweit. Auf dem Innenhof des Ballhaus Berlin tragen Bauarbeiter den alten Tresen herein, montieren die historischen Fenster und hängen die alten Bilder wieder auf. Ein richtiges Puzzle sei es, das man wieder zusammenstecken müsse, sagt der neue Chef. „Wir haben aber nicht nur die Möbel mitgenommen, sondern auch das Herz der Kneipe“, sagt Blasius und meint damit die langjährige Barchefin und zwei Angestellte, die im alten Alt Berlin gearbeitet hatten.

Geplant hatte Christof Blaesius eigentlich das Alt Berlin als große Überraschung anlässlich der 111 Jahr-Feier des Ballhauses zu eröffnen. „Vor ein paar Tagen hat dann jedoch jemand auf Facebook ein Bild gepostet“, sagt er. Danach sei die Nachricht hätte sich die Nachricht schnell in der Stadt herumgesprochen. Tatsächlich findet sich auf Facebook bereits eine Party mit fast 2000 Interessierten. Die Kommentare darunter durchweg positiv: „Herzlichen Glückwunsch zum Domizil! Das sind gute Nachrichten“, schreibt eine Userin.

Eine Erklärung, warum eine einfache Eckkneipe im hippen Berlin so beliebt ist, hat Christof Blaesius auch: „Wenn man heute rausgeht, dann ist da immer dieser Ausgehfaktor mit Dress-Code, am Türsteher vorbeikommen und teuren Drinks.“ Im Alt Berlin sei es immer schlicht zugegangen. Ein Ort, wo sich die Nachbarschaft auf ein Bier traf und wo man immer einen Gesprächspartner gehabt habe, sagt er. „Trotzdem darf man sich nicht der Illusion hingeben, dass genau die gleichen Leute wieder kommen, aber hier ist ja auch jeder willkommen“, sagt Blaesius.

"Das schönste aller Dinge, ein schneller Schluck bei Heinz und Inge"

Zumindest am Freitag soll es aber nochmal historisch zugehen. Zur Eröffnung hat sich ein prominenter Gast angemeldet: Inge. Sie ist die alte Wirtin, die zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Heinz die Eckkneipe führte. An die beiden erinnert noch eine alte Leuchtreklame im Fenster. Darauf ein legendärer Spruch: „Das schönste aller Dinge, ein schneller Schluck bei Heinz und Inge.“ Auch die ehemalige Wirtin habe sich über das neue Alt Berlin gefreut: „Inge war zu Tränen gerührt und will am Freitag kommen“, sagt Blaesius.

Eine Tradition, die auf Inge und ihren Mann zurückgeht, wird dann ebenfalls wiederbelebt. Das Berliner Gedeck - bestehend aus Buletten, Knacker, Soleiern und Spreewaldgurken.

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