Neues Alarmsystem gegen Verspätungen : S-Bahn sagt Weichenstörungen den Kampf an

Ein neues Projekt soll gegen Zugausfälle und Verspätungen bei der Berliner S-Bahn helfen. Es trägt den hoffnungsvollen Namen "Diana".

von
Berlins oberster Weichensteller Peter Buchner kämpft für mehr Pünktlichkeit bei der S-Bahn.
Berlins oberster Weichensteller Peter Buchner kämpft für mehr Pünktlichkeit bei der S-Bahn.Foto: Zinken/dpa

Weichenstörung, Signalausfall, defekte Schranken – fast kein Tag vergeht bei der Berliner S-Bahn ohne solche Vorfälle. Auch am Freitag gab es wieder ein Sammelsurium mit Zugausfällen und Verspätungen. Nun will die Bahn gegensteuern: Die Zahl der „Krankmeldungen“ ihrer Weichen soll in den nächsten Jahren halbiert werden – mit einem Programm, das der Medizin abgeguckt ist. Eine Art „EKG“ soll die Weichen überwachen und vor drohenden Störungen warnen. Hilfe kann dann schnell erfolgen, bevor es zum Totalausfall kommt.

Diana macht's möglich

„Diana“ soll es möglich machen – die „Diagnose- und Analyseplattform für Anlagen“. Mehrere tausend Euro koste das Umstellen pro Weiche, sagte am Freitag Marko Dörschel, der Leiter der Instandhaltung beim Netzbereich der Bahn in Berlin bei der Vorstellung des Projekts. Von 6450 Weichen in der Region Ost sollen bis 2020 insgesamt 3325 zu „Diana“-Anlagen werden; vorwiegend im Netz der S-Bahn, deren Fahrgäste besonders unter den Ausfällen leiden. 676 Weichen gibt es dort nach Angaben der Bahn.

Ein am Kabel angebrachter Sensor misst – wie bei einem EKG – im Stellwerk den Stromfluss, der beim Umstellen einer motorisch angetriebenen Weiche erforderlich ist. Das System vergleicht ihn dann mit einer Sollkurve, die zuvor in aufwendigen Messungen ermittelt worden ist. Weiche für Weiche müsse so ausgemessen werden, weil die Anlagen nur selten identisch seien, sagte „Diana“-Projektleiter Philipp Raffelsieper.

Weicht der aktuell gemessene Wert von der Sollkurve ab, schlägt das System Alarm. Auf dem Computer oder dem Smartphone der Mitarbeiter leuchtet eine Ampel dann bei einer „Störungsgefahr“ gelb. Lässt sich die Weiche nicht mehr stellen, zeigt die Ampel rot. Wenn alles funktioniert, ist sie grün. So einfach kann es sein, wenn die entsprechende Technik vorhanden ist.

Aber erst seit dem vergangenen Oktober sei man in der Lage gewesen, „Diana“ in den Stellwerken zu installieren, sagte Raffelsieper. 754 Weichen habe man im vergangenen Jahr angeschlossen, in diesem sollen es doppelt so viele werden.

Wenn die Ampel gelb zeigt, müssen die Mitarbeiter abwägen, ob sofort ein Reparaturtrupp losgeschickt wird oder ob man sich noch Zeit lassen könne, sagte Dörschel. Rund 300 Weichen- und Signalmechaniker gebe es dafür; eine Zahl, die ausreiche, um schnell zu reagieren.

Mehr Störungen bei Temperaturschwankungen

Im Netz der S-Bahn werden nach Dörschels Angaben die Weichen monatlich an Ort und Stelle kontrolliert. Ansonsten gebe es – je nach Wichtigkeit – einen Rhythmus von 6, 12 oder 24 Monaten. Regelmäßig seien auch Weichenreiniger unterwegs, die etwa Laub oder Dosen entfernen, die beim Stellen der Weichen das Anlegen der Schienen blockieren können – wie auch Schäden am Antrieb oder Kabelbrüche.

Statistisch falle eine Weiche 1,5 Mal im Jahr aus, sagte Raffelsieper. Kabel reagierten sehr empfindlich auf Temperaturschwanken bei kalten Nächten und warmen oder gar heißen Tagen, sagte Dörschel. Deshalb hätten sich zuletzt die Störungen gehäuft. Besonders am Bahnhof Südkreuz habe es Schäden an Signalkabeln gegeben.

Vor Kurzem hat die S-Bahn gemeinsam mit dem Netz-Bereich, wie berichtet, ein Pünktlichkeitsprogramm für den Verkehr auf dem Ring vorgestellt. Es kann also tatsächlich besser werden.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben