"Neukölln ist überall" : Buschkowsky schreibt und schweigt

Der Bezirksbürgermeister will sich zu Mitarbeitern und Recherchequellen seines Buches weiter nicht äußern. Die Senatsverwaltung für Inneres prüft jetzt den Vorgang. Auch die Neuköllner Grünen haben viele Fragen.

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Heinz Buschkowsky stellt sich jederzeit der öffentlichen Debatte. Nur hinter die Kulissen seines Buches will er nicht blicken lassen.
Heinz Buschkowsky stellt sich jederzeit der öffentlichen Debatte. Nur hinter die Kulissen seines Buches will er nicht blicken...Foto: Rückeis

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) will sich zum Entstehungsprozess seines Bestsellers „Neukölln ist überall“ weiterhin nicht äußern. Auf konkrete Fragen des Tagesspiegels erklärte Buschkowskys Stellvertreter, Falko Liecke (CDU), mehrfach, dem Bezirksamt lägen keine Erkenntnisse vor. Buschkowsky betrachtet das Buchprojekt als reine Privatsache, auch wenn das vom Beamtenbund und dem Hauptpersonalrat des Landes in Zweifel gezogen wird.

Die Senatsinnenverwaltung hat inzwischen die verlangte Stellungnahme des Bezirksamtes Neukölln erhalten. Der Inhalt des Schreibens und „das weitere Verfahren“ werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher. Sollte sich der Vorwurf erhärten, dass Bezirksamtsmitarbeiter für das Buchprojekt eingespannt wurden, droht Buschkowsky ein Disziplinarverfahren.

Die Neuköllner Grünen haben bereits einen umfangreichen Fragenkatalog veröffentlicht. Sie wollen unter anderem wissen, wie viele Buchpräsentationen und Lesungen werktags zwischen 9 und 17 Uhr stattgefunden haben und ob im Buch Informationen verwendet worden, „die dem Bezirksbürgermeister im Rahmen seiner Amtstätigkeit“ zugetragen worden sind. Die Grünen wollen auf Senatsebene Akteneinsicht beantragen und kleine Anfragen an das Bezirksamt stellen. „Fraglich ist, ob Herr Buschkowsky sein Amt als Bezirksbürgermeister für seine angeblich private Buchproduktion missbraucht hat“, erklärte die grüne Fraktion. Auch Piraten und Linke fordern von Buschkowsky, den Sachverhalt aufzuklären.

Für die Nutzung seines Büros zur schriftstellerischen Arbeit zahlte Buschkowsky dem Land 625 Euro aus eigener Tasche. Dazu sei ein Vertrag zwischen Bezirksamt und Bezirksbürgermeister abgeschlossen worden, erklärte Liecke. Dabei ließ er offen, wer den Vertrag für das Bezirksamt unterschrieben hat.

Das Buch von Heinz Buschkowsky „Neukölln ist überall“ hat seinen Verkaufszenit inzwischen überschritten. Gegenwärtig hält sich das Werk noch auf Platz 15 der Spiegel-Bestsellerliste - Tendenz fallend.

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