Berlin : Neun Jahre im Präsidium": Heute geht Hagen Saberschinsky

Werner Schmidt

Nach über neun Jahren geht die Dienstzeit von Polizeipräsident Hagen Saberschinsky zu Ende, heute verabschiedet ihn Innensenator Ehrhart Körting. Offiziell endet der Vertrag des 62-jährigen Saberschinsky erst am 31. Oktober. Der gebürtige Berliner hatte die 27 000-Mann-Behörde 1992 übernommen, nachdem sein Vorgänger Georg Schertz nach politischen Querelen mit dem damaligen Innensenator Wilhelm Kewenig zurückgetreten war. Eigentlich hätte Saberschinsky bereits 1999 mit 60 in Pension gehen müssen. Der frühere CDU-Innensenator Werthebach aber hatte seinen Vertrag zweimal um jeweils ein Jahr verlängert.

Saberschinsky wurde Chef einer Behörde, die durch interne Auseinandersetzungen um den damaligen Landespolizeidirektor Klaus Kittlaus und dessen Führungsstil fast gelähmt war. Um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen und gleichzeitig die mit der Wiedervereinigung auf die Polizei zugekommenen neuen Aufgaben wie die Aufklärung der Schüsse an der Mauer zu meistern, wurde die Behörde völlig neu strukturiert.

Die CDU hatte Saberschinsky seinerzeit vom Bundeskriminalamt abgeworben, wo er als Abteilungsleiter unter anderem für die Sicherheit von Regierung und Abgeordneten in Bonn zuständig war. In Berlin herrschte er von Anfang an mit strengem, fast diktatorischem Regiment: "Er praktizierte einen autokratischen Führungsstil der 60er Jahre", sagte der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg. Das Zeugnis, das die GdP und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), ihm ausstellen, ist daher auch kaum zum Vorzeigen geeignet. Für die Kriminalpolizei habe er keine glückliche Hand bewiesen. Allerdings habe er sich in der schweren Zeit nach der Wiedervereinigung durchaus Verdienste erworben, sagte die BDK-Vorsitzende Heike Rudat. Gleichwohl: "Der Wechsel kommt jetzt zum passenden Zeitpunkt." Für die GdP ist Saberschinsky "kein Vertreter eines akademischen Gedankenaustauschs", er habe "ein gestörtes Verhältnis zur Presse und kein Verständnis für strategische Pressearbeit". Saberschinsky habe die Medien als "Störfaktor" angesehen. Seinen langjährigen, unbeliebt gewordenen Pressesprecher stellte er als "Medienberater" kalt. Aufgrund von Saberschinskys autoritärem Führungsstil habe sich in der Behörde ein Klima der Anpassung, des vorauseilenden Gehorsams und auch der Angst entwickelt, sagte GdP-Chef Schönberg.

An Erfolge während seiner Amtszeit kann sich kaum jemand erinnern: "Er hatte keine Erfolge, sondern hat eine völlig zerstörte Polizei hinterlassen", hieß es gestern bei der GdP. Seit Jahren gehört die Gewerkschaft zu den Kritikern des scheidenden Polizeipräsidenten. Allerdings ist es nicht zuletzt Saberschinskys Engagement zu verdanken, dass es gelang, die DDR-Regierungskriminalität erfolgreich und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums aufzuarbeiten.

Die Liste seiner Fehlschläge liest sich allerdings deutlichlich ausführlicher. Seine letzten Amtsjahre waren geprägt vor allem von zwei Misserfolgen, die der Behörde bundesweit negative Schlagzeilen einbrachten: Der Sturm auf das israelische Generalkonsulat durch Kurden im Februar 1999. Damals erschossen israelische Sicherheitskräfte vier Kurden. Im selben Jahr tauchten falsche Verdächtigungen gegen vier Kriminalbeamte auf. Ihnen wurde vorgeworfen, mit rumänischen Kriminellen gemeinsame Sache gemacht und von ihnen korrumpiert worden zu sein. Saberschinsky verhinderte, dass Spezialisten vom Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernahmen und verkrachte sich deswegen mit seinem LKA-Chef Hans-Ulrich Voß. Der Polizeipräsident ließ die Ermittlungen in der Hand der Schutzpolizei. Dort allerdings war man auf einen deutsch-rumänischen Lügner hereingefallen. Immerhin bewirkten dessen falsche Beschuldigungen und die mangelhaften Ermittlungen, dass gegen zwei der verdächtigen Polizisten Haftbefehle erlassen wurden. Zeitweise saß einer der Beamten sogar in Untersuchungshaft. Dafür dass sie unberechtigt monatelang privaten wie dienstlichen Repressalien ausgesetzt waren hat sich Saberschinsky bei den betroffenen Beamten nie entschuldigt.

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