Berlin : Nicht schuldig

Bei der Flughafen-Anhörung im Verkehrsausschuss will keiner die Verantwortung übernehmen.

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Der amtierende Flughafenchef Horst Amann ist sich sicher: „Alles wird lösbar sein am BER-Flughafen“, sagte er am Mittwoch bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. Nur wann der neue Flughafen eröffnet werden wird, könne er weiterhin nicht sagen. Auch rund 20 000 bereits registrierte Mängel könnten ihn nicht erschrecken, sagte Amann. Mängel seien bei Großbaustellen üblich.

Zuversichtlich zeigten sich auch Vertreter der am Bau der immer noch nicht funktionierenden Brandschutzanlage beteiligten Firmen Bosch und Siemens. Wenn alle Pläne vorlägen und die Anlage daran ausgerichtet sei, werde sie auch funktionieren, sagte der Bosch-Vertreter Peter Ribinski. Entscheidend hierfür sei die so genannte Brandschutzmatrix. Diese wiederum könne nur nach Abschluss der Bestandsaufnahme über den Baustellenzustand erstellt werden, sagte Amann. Hier habe es bisher nur eine „Bestandsanalyse“ gegeben.

Bosch ist für die Sicherheitstechnik zuständig, zu der nach Ribinskis Angaben unter anderem 55 000 Brandmeldeelemente gehören. Siemens liefert die Steuerung für die Entrauchungsklappen. Probleme mit den Schnittstellen beider Firmen gebe es nicht, sagte Ribinski, was auch sein Kollege Jörg Marks von Siemens bestätigte. Er begründete die Probleme mit dem Fehlen einer verlässlichen Planung vor allem nach Umbauten. Allein die Zahl der Klappen sei in der Bauphase von 400 auf 2400 gestiegen.

Amann bestätigte erneut, dass an vielen Stellen anders gebaut worden ist als beantragt war. Ein „Schwarzbau“ sei der Terminal aber nicht – und auch ein Rückbau in großem Stil sei nicht erforderlich. Nun werde man gemeinsam mit der Baubehörde Wege finden, die vorhandenen Anlagen genehmigen zu lassen.

Amann war im August zum Flughafen gekommen, um den Bau voranzubringen. Nach der Abberufung seines Kollegen Rainer Schwarz muss er derzeit als alleiniger Geschäftsführer den Flughafenbetrieb leiten. Ein neuer Geschäftsführer, der zudem durch einen Finanzexperten entlastet werden soll, sei noch nicht in Sicht, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Keine Versäumnisse bei sich sah auch Christian Manninger vom Gesamtprojektsteuerer WSP/ CBP, der für die Überwachung der Termine, Kosten und der Qualität zuständig ist. Auch Manninger führte das eingetretene Desaster auf „Planungsdefizite“ zurück. Die kritsierten Architekten des Büros gmp waren nicht eingeladen worden. Dem Büro wurde gekündigt; zudem reichte der Flughafen eine Schadenersatzklage ein. Die Trennung sei von der damaligen Geschäftsführung des Flughafens vorgeschlagen worden, sagte Wowereit. Diese habe auch zugesagt, dass Subunternehmen problemlos weiterbeschäftigt werden könnten. Hier habe es dann aber gehakt. Eine Rückkehr der Planer ist für Wowereit trotzdem nicht vorstellbar. Klaus Kurpjuweit

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