Nord-Süd-Tunnel wird gesperrt : Ab durch die Mitte - aber nicht mit der S-Bahn

Dreieinhalb Monate fährt keine S-Bahn durch den Nord-Süd-Tunnel. Und rund sieben Monate unterbricht die BVG den Verkehr auf der U 2. Die Verkehrsunternehmen stellten am Mittwoch ihr Konzept vor - das allerdings einige Tücken hat.

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Stillstand im Nord-Süd-Tunnel. Bei der S-Bahn Berlin geht 2015 eine Zeit lang nichts mehr.
Stillstand im Nord-Süd-Tunnel. Bei der S-Bahn Berlin geht 2015 eine Zeit lang nichts mehr.Foto: dpa

Die S-Bahn versucht’s mit Humor: „Unsere Baustellen haben wieder das ganze Jahr Saison“, lächelt Max, der Maulwurf – das Baustellenmaskottchen der Bahn – auf dem Plakat. Fahrgäste werden weniger zu lachen haben, wenn im nächsten Jahr die Nord-Süd-Strecke der S-Bahn dreieinhalb Monate gesperrt wird und zudem die BVG auf der U-Bahn-Linie U 2 zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz sogar sieben Monate keine Züge mehr fahren lässt. Zweieinhalb Wochen überschneiden sich beide Sperrungen sogar. Bei der S-Bahn sind werktags rund 100.000 Fahrgäste betroffen. Sie unterbricht den Verkehr vom 16. Januar abends bis voraussichtlich zum 4. Mai zwischen Gesundbrunnen und den beiden Bahnhöfen an der Yorckstraße.

Parallel zur Strecke richtet die S-Bahn zwar einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, sie empfiehlt den Fahrgästen aber, den gesperrten Abschnitt weiträumig zu umfahren. Am besten über den westlichen Ring, wo zusätzlich Züge der S 45 fahren werden, die dann vom Flughafen Schönefeld über Süd- und Westkreuz, Gesundbrunnen und Blankenburg bis Birkenwerder verkehren. Die Fahrzeit zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz sei nur zehn Minuten länger als beim Durchfahren des Tunnels, warb am Mittwoch der Leiter der Betriebsplanung bei der S-Bahn, Jens Hebbe, für diese Variante.

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Allerdings sind auch die Zusatzzüge der S 45 wie die Bahnen der Ringbahn-Linien S 41 und S 42 nur mit sechs statt der technisch möglichen acht Wagen unterwegs. Für „Vollzüge“ reicht der Fahrzeugbestand nicht aus. Und auf dem Ring sind die Züge in den Stoßzeiten bereits jetzt häufig bis auf den letzten Platz besetzt. Nicht viel besser sieht es bei der U-Bahn aus, die von der S-Bahn ebenfalls als Alternative genannt wird. Auch der BVG fehlen Züge; in den vergangenen Wochen gab es, wie berichtet, Ausfälle und auch im Berufsverkehr Kurzzüge, die dann rappelvoll waren. Mehr Fahrten werde es nicht geben, sagte am Mittwoch BVG-Sprecher Markus Falkner, auch nicht auf der U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf), die sich als Ersatz für den gesperrten Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn anbietet. Die BVG werde aber so viele Wagen wie möglich einsetzen.

Der Ersatzverkehr mit Bussen wird im Stau enden

Auch der Ersatzverkehr mit Bussen entlang der Stationen der gesperrten Strecke hat – zwangsläufig – seine Tücken. Es besteht nicht nur die Gefahr, dass die Busse im innerstädtischen Bereich im Stau feststecken. Stationen wie das Brandenburger Tor und der Nordbahnhof sind nur mit längeren Fußwegen zwischen 200 Meter und 900 Meter zu erreichen. Am Nordbahnhof ist die Invalidenstraße wegen des Ausbaus für die Straßenbahn gesperrt und am Brandenburger Tor verhindert die vor der Britischen Botschaft gesperrte Wilhelmstraße den Direktanschluss an den S-Bahnhof. Die Busersatzstrecke wird zudem geteilt: von Norden und Süden fahren die Busse jeweils nur bis zum Bahnhof Friedrichstraße.

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Die Bahn bündelt während der Sperrung eine Vielzahl von Arbeiten: Zwischen Gesundbrunnen und Nordbahnhof erneuert sie vier Kilometer Gleis. Im Tunnel werden 19 Weichen ausgetauscht, was kompliziert sei, weil es dort sehr eng sei, sagte Andreas Holzapfel von der Bahn AG. Die Weichen, die sonst komplett geliefert werden, könnten erst im Tunnel aus Einzelteilen zusammengebaut werden. Außerdem werden zehn Kilometer Stromschienen erneuert. Um den Lärm in Kurven zu verringern, baut die Bahn vier zusätzliche Schienenschmierapparte im Tunnel ein und ersetzt die vorhandenen neun Anlagen. Zudem baut man ein neues Signalsystem ein, das anschließend mehrere Wochen – ohne Verkehr – getestet werden muss. Auf einigen Stationen dichtet die Bahn Fugen ab.

Ferner säubert sie die Fliesen, ersetzt kaputte oder bereits fehlende Teile, streicht Decken und tauscht die Beleuchtung aus. Insgesamt sollen die Arbeiten rund zwölf Millionen Euro kosten. Bereits 2013 war der rund 75 Jahre alte Tunnel zweieinhalb Wochen dicht. Damals baute die Bahn neue Schienen ein. Alle Arbeiten innerhalb einer Sperrung vorzunehmen, sei nicht möglich gewesen, sagte Hebbe. Aber immerhin: In den nächsten Jahren solle es nur noch einige kurze Unterbrechungen in den Nächten geben. Max, der Maulwurf, darf sich aber nicht ausruhen. Das Bauen – und Sperren – geht dann woanders weiter.

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