Obama-Besuch : Ein Kandidat in der Präsidentensuite

Barack Obama reist am Donnerstag an und mindestens halb Berlin ist auf den Beinen um sich auf den Besuch des Senators vorzubereiten. Im Hotel Adlon sind die Möbel in der Präsidentensuite vermutlich bereits auf Hochglanz poliert, denn hier wird Obama nächtigen.

Janina Guthke,Yoko Rückerl
Obama
Mit Blick auf das Brandenburger Tor: Obama nächtigt im Adlon. -Foto: Adlon Kempinski Berlin

BerlinEin Kandidatenleben ist anstrengend, viel Reisen, viel Reden. Zum Ausruhen hat sich der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama das Hotel Adlon ausgesucht. Das Haus am Brandenburger Tor feierte im letzten Jahr seinen einhundertsten Geburtstag, es liegt ganz in der Nähe der gerade eröffneten amerikanischen Botschaft und ist den Umgang mit internationalen und wichtigen Gästen gewohnt.

Von John D. Rockefeller über Gustav Stresemann und Thomas Mann zu Marlene Dietrich und Michael Jackson, das Hotel hat im Laufe der Jahrzehnte schon viele weltbekannte Prominente beherbergt. Obama wird dort in die mit Panzerglas und Stahlbeton gesicherte Präsidentensuite im sechsten Stock ziehen. Viel Zeit allerdings wird der 46-jährige Senator von Illinois nicht im Adlon verbringen, gerade mal 24 Stunden bleibt er in Berlin.

Gegen neun Uhr soll er am Donnerstag landen, um 12 Uhr trifft er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und um 14 Uhr wartet bereits Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf den Kandidaten. Von den Treffen wird es nur Fotos geben, Pressekonferenzen sind nicht geplant. Aus Kreisen der US-Demokraten war schon im Vorfeld zu hören, dass sich Obama den Checkpoint Charlie in Kreuzberg und die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße ansehen möchte. Auch den Flughafen Tempelhof möchte Obama angeblich besuchen. „Wie erwarten Obama bei uns“, sagte Volker Perplies von der „Initiative Tempelhof soll Weltkulturerbe werden“ dem Tagesspiegel. Am Nachmittag kommt dann noch Bürgermeister Klaus Wowereit zu Besuch ins Adlon. Er bringt das Goldene Buch der Stadt mit, damit Barack Obama sich dort eintragen kann. Gegen 19 Uhr dann hat Obama seinen Auftritt am großen Stern, im Rücken die Siegessäule, im Blickfeld das Brandenburger Tor. Dort wird man keine Transparente oder Plakate sehen, denn diese wurden vom Veranstalter verboten. Die Zahlung einer Sondernutzungsgebühr für den Platz berechtigt ihn dazu.

Danach kann sich Obama dann im Kingsize-Bett der Präsidentensuite (5 Zimmer, 7600 Euro, etwa 12.000 Dollar pro Nacht) entspannen. Ob er vom Bett aus auf das Brandenburger Tor, den Ort, an dem der Sentor eigentlich gerne seine Rede gehalten hätte, sehen kann, wollte Adlon-Pressesprecherin Sabine Kalkmann nicht verraten. „Diskretion ist unser oberstes Gebot, wir verraten grundsätzlich nichts über Gäste unseres Hauses“, so Kalkmann zu tagesspiegel.de. Nur als die Queen mal zu Besuch war, sei es erlaubt gewesen mit der Presse über ihre Lieblingsmarmelade und Gassizeiten ihrer kurzbeinigen Hunde zu sprechen. Aber was bei Obama als Willkommensgruß auf dem Kopfkissen liegt, ob er sich vielleicht Sonderwünsche wie teures Fiji-Wasser, lactosefreie Sojamilch oder weiße Lilien aufs Zimmer liefern lässt, darüber könne man nur spekulieren.

Sicher dagegen ist auf jeden Fall die Ausstattung der „Präsidenten Sicherheits-Suite (9200 Euro, rund 14.580 Dollar), in die Obama ziehen kann, sollte dem Präsidentschaftskandidaten die Überwachung mit Videokameras in der "normalen" Präsidentensuite nicht ausreichen. Dort könnte er sich einen Extra-Raum anmieten, zum Beispiel um seinen Bodyguard unterzubringen. Auch der jetzige amerikanische Präsident George W. Bush hat bereits des Öfteren im Adlon übernachtet, sein Vater und Ex-Präsident George H. W. Bush wählte bei seinem Berlin-Besuch zur Eröffnung der amerikanischen Botschaft ebenfalls das Hotel am Pariser Platz.

Doch kein Grund zur Sorge wegen eines möglichen schlechten Karmas: Bill Clinton, der letzte demokratische und häufig als erster „schwarzer" Präsident bezeichnet, war auch schon im Adlon zu Gast. Zu Obamas Reisetross gehören neben seinen Sicherheitsleuten auch ausgewählte Journalisten wie Jeff Zeleny von der „New York Times“ oder Lynn Sweet von der „Chicago Sun-Times.“ Rund 40 ausgewählte Korrespondenten begleiten den Präsidentschaftskandidaten während seiner Reise. Obamas Ehefrau Michelle, sowie seine Töchter Malia und Sasha bleiben dagegen Zuhause. Und Obama reist am Freitagmorgen weiter. Neun Uhr geht’s nach Paris.

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