Ölvorkommen in Brandenburg : In der Lausitz könnte bald Erdöl sprudeln

Die deutsch-kanadische Firma Central European Petroleum vermutet 92 Millionen Tonnen Erdöl in der Lausitz und will ab 2017 dort bohren. Sie wirbt mit fast sieben Milliarden Euro Gewinn für das Land Brandenburg.

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Wie geschmiert. In Brandenburg könnte bald Öl fließen – so wie in Emlichheim (Niedersachsen) an der niederländischen Grenze, einer der ältesten Förderstätten Deutschlands.
Wie geschmiert. In Brandenburg könnte bald Öl fließen – so wie in Emlichheim (Niedersachsen) an der niederländischen Grenze, einer...Foto: picture-alliance/ dpa

Möglicherweise schon in vier Jahren will es die Central European Petroleum (CEP) in der Lausitz richtig sprudeln lassen: Mindestens 92 Millionen Tonnen Erdöl vermutet die deutsch-kanadische Gesellschaft an zwei Stellen zwischen Lübben und Lieberose (Dahme-Spreewald). CEP selbst spricht von einem „Vorkommen von europäischer Bedeutung“. Am Mittwoch stellte das Unternehmen seine Pläne in Potsdam vor. Sollten weitere Tests die Wirtschaftlichkeit der Standorte bestätigen, könnte bereits 2017 mit der Förderung begonnen werden, sagte CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter.

Erdöl in "bester Qualität, süß und schwefelfrei" im Landkreis Dahme-Lausitz vermutet

Der Firmenchef geht davon aus, dass CEP innerhalb von 30 bis 50 Jahren wenigstens 15 Prozent der entdeckten Vorkommen abschöpfen kann. Das wären immerhin rund zehn Millionen Tonnen Öl. „Bester Qualität, süß und schwefelarm“, wie Schröter versicherte. „Das ist zwar kein Persischer Golf, aber trotzdem ein absoluter Knaller“, sagte der Firmenchef. Schließlich hänge die Weltversorgung weniger von den großen Erdölförderstätten im Nahen Osten oder in Amerika als von den vielen kleinen Vorkommen ab. „Und zur nächsten Raffinerie in Schwedt an der Oder sind es gerade einmal 100 Kilometer“, sagte Schröter.

Öl-Bohrungen wurden nach der Wende eingestellt

Derzeit werden in Deutschland jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Erdöl gefördert – vor allem in Niedersachsen und vor der Küste Schleswig-Holsteins. Aber auch in Brandenburg wird bereits seit DDR-Zeiten nach Öl gebohrt. Laut Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung hat die französische GDF Suez SA in Küstrin-Kietz (Oder-Spree), der bislang einzigen Förderstätte Brandenburgs, im vorigen Jahr 15 000 Tonnen aus der Erde geholt. Laut Schröter gibt es in Brandenburg und der sächsischen Niederlausitz aber eigentlich rund 30 Lagerstätten. Nach der Wende aber sei die Förderung nahezu zum Erliegen gekommen.

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) unterstützt die Pläne der Deutsch-Kanadier. Für die Energiepolitik des Landes hat das Vorhaben aber seiner Meinung nach keine Auswirkung. „Eine Bedeutung sehe ich vor allem im Bereich der Weiterverarbeitung, zum Beispiel in der chemischen Industrie oder bei der Herstellung von Kunststoffen für den Leichtbau“, sagte der Minister am Mittwoch.

6,75 Milliarden Euro wirtschaftlicher Mehrwert für Brandenburg

Profitieren würden aber auch die Kommunen und das Land selbst. Durch Gewerbesteuer und andere Abgaben sowie den sogenannten Förderzins hat das Unternehmen einen wirtschaftlichen Mehrwert von etwa 6,75 Milliarden Euro für Brandenburg errechnet – über die gesamte Förderzeit. Berücksichtigt seien dabei auch Aufträge für Handwerksbetriebe, Wartungsfirmen und Straßenbauunternehmen sowie Ausgaben für Übernachtungen von Mitarbeitern in Hotels und Gaststätten der Umgebung, so CEP-Geschäftsführer Schröter, dessen Firma mit bis zu 15 Jobs auskommt.

Erste Bohrung bestätigte Ölvorkommen bei Guhlen

Bislang hat die CEP in die Erkundung der Vorkommen eigenen Angaben zufolge knapp 20 Millionen Euro investiert, weitere 50 Millionen Euro seien noch geplant. 2012 hatte eine erste Bohrung ein rund 31 Millionen Tonnen großes Ölvorkommen bei Guhlen bestätigt, eine fast doppelt so große Menge soll bei Schlepzig liegen. Dort stünden genauere Untersuchungen aber noch aus, so Schröter.

Wie berichtet, interessiert sich noch die britische Firma Celtique Energie für Öl aus der Mark. Bei Müllrose bemüht sie sich seit 2012 vergebens, die Bevölkerung von ihren Plänen zu überzeugen. Zu tief sitzen seit dem gescheiterten Versuch Vattenfalls, in der Region ein Kohlendioxid-Endlager einzurichten, die Vorbehalte gegen Aktivitäten unter der Erde. Nach wie vor hat laut Landesbergamt kein Grundstückseigentümer eine Genehmigung für die Untersuchungen erteilt.