Olympia 2014 in Berlin : Halbnackt gegen Homophobie

In Sotschi wird gefeiert, in Berlin wird demonstriert: Zur Eröffnung der Spiele gab’s Proteste – aber auch russische Eierkuchen.

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Klare Botschaft. Von den Olympischen Spielen in Sotchi halten die Femen-Aktivistinnen gar nichts.
Klare Botschaft. Von den Olympischen Spielen in Sotchi halten die Femen-Aktivistinnen gar nichts.Foto: AFP

Was nackte Busen als Zeichen des Protests betrifft, hat in Berlin in den vergangenen Monaten ja schon ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt. Auch für Sotschi blankzuziehen, war für die Aktivistinnen der Frauenrechtsgruppe Femen wohl trotzdem Ehrensache. Und so fanden sie sich am Freitagmorgen – Stunden vor der offiziellen Eröffnungsfeier und damit überpünktlich – vor der Russischen Botschaft Unter den Linden ein, um gegen Menschenrechtsverletzungen in Putins Reich zu demonstrieren. Halb nackt ließen sich die Aktivistinnen von Objektschützern der Berliner Polizei über den Bürgersteig jagen. Ein paar Parolen und eine Rangelei mit den Beamten später war die Mission der Femen-Frauen erfüllt. Zufrieden ließen sie sich abführen.

Es sollte vorerst die einzige öffentliche Gefühlsaufwallung bleiben. Noch nämlich ist nur wenig Olympiastimmung zu spüren unter den Russen und russischstämmigen Deutschen in der Stadt, zusammen rund 50 000 Menschen. Doch wer weiß, vielleicht entlädt sich die ja auch im heimischen Wohnzimmer. „Es gab für Freitagabend weniger Reservierungen als üblich – wahrscheinlich, weil die Leute lieber zu Hause Olympia sehen wollten“, sagt David Lang, der 1982 in Russland, nahe Sotschi, geboren wurde und heute Geschäftsführer des Restaurants Matreshka in Friedrichshain ist.

Nicht nur Femen demonstrierte am Freitag in Berlin

Auch in seinem Stammgeschäft für russische Spezialitäten, „Stolitschniy“ in der Landsberger Allee, herrsche kein Olympiafieber, sagt Lang: „Das wird einfach ignoriert. Vielleicht überschattet die Politik den Sportsgeist.“

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Eine Flamme gegen Homophobie
Eine Flamme gegen Homophobie

Und tatsächlich waren die Femen-Aktivistinnen am Freitag nicht die Einzigen, die eine politische Botschaft verbreiten wollten. Um 17.14 Uhr – zeitgleich zur Eröffnung der Feierlichkeiten in Russland – veranstalteten die Hirschfeld- Eddy-Stiftung und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) eine Schweigeminute vor der russischen Botschaft. Zeitgleich versammelten sich Menschen aus Protest gegen Homophobie schweigend in vielen Orten weltweit, von Osnabrück bis nach Algerien und Uganda. Die rund 200 Demonstranten in Berlin versammelten sich zunächst vor dem Brandenburger Tor. Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien sowie der Piratenpartei waren dabei, als es anschließend zur Schweigeminute vor die Botschaft ging.

Im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur wurde gefeiert

Den Fokus auf den Sport wollte man hingegen im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße legen: Fernseher wurden ins Foyer, in die Bar und sogar vor den Haupteingang gestellt, damit die Eröffnungsfeier live verfolgt werden konnte. Doch es kamen bis 18 Uhr nur rund zwanzig Zuschauer. Für die gab es immerhin echt russische Blinys, eine Art Eierkuchen – aber keinen Wodka. Der sei schließlich nicht sehr sportlich, sagte Pressesprecherin Irina Petrova.



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