Olympia-Gegner ärgern Berliner Senat : Wir wollen die Satire - Streit um Nazi-Vergleich

Der Berliner Senat hat versucht, die Verballhornung der Olympia-Bewerbung auf der Internetseite Metronaut rechtlich zu stoppen. Erst schienen die Initiatoren nachzugeben - doch jetzt lassen sie es auf eine Kraftprobe ankommen.

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Blickfang brutal: Eines der umstrittenen Motive.
Blickfang brutal: Eines der umstrittenen Motive.Foto: Metronaut

Und wieder einmal steht nach „Charlie Hebdo“ die Frage im Raum: Was darf Satire? Der aktuelle Konflikt in Berlin dreht sich um satirisch gemeinte Plakate des Blogs „Metronaut“ zur Olympiabewerbung. Die Blogger montierten vor einigen Tagen den derzeitigen Werbeslogan „Wir wollen die Spiele“ auf Bilder aus der NS-Zeit mit herrisch blickenden Jungen, Frauen und Soldaten. Dann stellten sie ihre Werke ins Netz. Das gefiel dem Senat nicht, der mit einem Kraftakt versucht, die Berliner für Olympia zu begeistern. Er setzte die Blogger am Montagnachmittag mit einer Abmahnung und Unterlassungsfrist rechtlich unter Druck.

Zuerst wichen Metronaut zurück, um keine Geldstrafe zur riskieren. Die Verantwortlichen schwärzten den Olympiaspruch auf den Nazi-Plakaten und schrieben darüber: Zensiert. Damit inszenierten sie ein Spektakel, das ihren Blog erst recht ins Gespräch brachte. Doch schon am Dienstagabend kam die Kehrtwende. Auf dem Blog sind nun wieder die ursprünglichen gerügten Motive zu sehen, darüber steht: „Wir unterschreiben keine Unterlassungserklärung.“ Metronaut will es auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Die Blogger fühlen sich in ihrer Freiheit ausgebremst, die Olympiabewerbung kritisch zu hinterfragen“. Außerdem seien die Plakate als Satire gekennzeichnet gewesen.

„Stimmt nicht“, kontert Vize-Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Im Übrigen sollten auch Satiriker bedenken, „dass es abwegig ist, die menschenverachtende NS-Ideologie für heutige Debatten zu funktionalisieren“. Nazi-Bilder als Plakatserie des Senats vorzustellen, sei wahrheitswidrig gewesen. Den Ausschlag für die harsche Reaktion hätten aber Zitate gegeben, die Metronaut dem Sprecher der Olympia-Kampagne, Stefan Thies, in den Mund schob. Dieser stellte die Plakate im Blog etwa mit den Worten vor: „Berlin hat die Kraft, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden.“ Auch Satire dürfen eine reale Person nicht mit Namen und falscher Aussage zitieren, so Schodrowski. Das zumindest überzeugt offenbar auch die Blogger. Die angeblichen Thies-Zitate sind gelöscht.

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