Opas Blog : Der Großv@ter

Mit „Opas Blog“ hat Detlef Untermann einen kleinen Internet-Hit gelandet. Tausende verfolgen die Geschichten aus seiner eigenen Familie.

Kristina Wollseifen
Aufs Stichwort. Die Enkelkinder haben Detlef Untermann schon so manche Episode für den Blog geliefert. 
Aufs Stichwort. Die Enkelkinder haben Detlef Untermann schon so manche Episode für den Blog geliefert. Foto: promo

Seine Enkel spielen mit der Großmutter einen Unfall nach, sie sind genervt von den langen Plaudereien zwischen Mama und Oma und erklären Barack Obama zum König von Amerika. Großvater Detlef Untermann ist begeistert. Und deshalb veröffentlich er auch diese kleinen Alltagserlebnisse der Reihe nach im Internet. „Opas Blog“ nennt sich das, „Gedanken eines Großvaters“ heißt die Unterzeile. Etwa 1000 Menschen greifen laut Untermanns täglich auf die Seite zu. „Eine schönere Bestätigung dafür, dass meine Texte Anklang finden, gibt es gar nicht“, sagt der 60-Jährige. Erst im Februar hat er seinen Blog gestartet und ist überrascht vom Zuspruch.

Jeden Tag gibt es mindestens einen neuen Beitrag. In jedem kleinen Text fragt Untermann irgendwann immer: „Was soll ich sagen?“, ein Ausdruck, der mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden ist. Mal wundert er sich dabei über die Diagnose seines Enkels, der seine Schmerzen im Fuß mit einem Wackelkontakt erklärt, ein anderes Mal regt er sich über eine Mutter auf, die ihrem Sohn den Dreck mit einem mit Spucke befeuchteten Taschentuch aus dem Gesicht wischt. Aber auch gesellschaftliche Probleme beschäftigen den Opa-Blogger – zum Beispiel, dass viele junge Frauen die Familienplanung der Karriere unterordnen. „Vieles erfahre ich aus Gesprächen mit meinen beiden Töchtern“, sagt Untermann. 32 und 35 Jahre alt sind die – und inzwischen vorsichtig geworden. Häufig schieben sie inzwischen den Einwand hinterher: „Das ist aber jetzt nicht für den Blog!“

Fast ständig beschäftigt sich Detlef Untermann mit seinem Internetprojekt. Dabei hat er eigentlich genug zu tun in seiner Kommunikationsagentur – und in seiner Familie. „Es ist einfach für mich, alles zu schaffen“, versichert der studierte Betriebswirt, der auch sein erstes Staatsexamen in Jura abgelegt hat. „Es macht mir einfach Spaß, für den Blog über das ein oder andere mehr nachzudenken.“

Schon bevor Detlef Untermann mit dem Bloggen begann, herrschte ein enges Verhältnis in der Familie. Regelmäßig passen die Großeltern auf die Enkel auf, die Töchter wohnen nur einige hundert Meter entfernt. „Durch den Blog sind die Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Enkeln noch viel intensiver“, sagt der 60-Jährige.

Seine Blogger-Laufbahn begann mit der Aussage eines Bekannten, der behauptete, dass man mit Bloggen im Zeitalter von Facebook und Twitter gar nicht anzufangen brauche. Untermann fühlte sich herausgefordert. Und die Idee, dabei hauptsächlich über seine Familie und die Enkel zu schreiben, war schnell gefunden. „Wie man einen Blog erstellt und betreibt – all das habe ich mir selber beigebracht“, sagt der 60-Jährige.

Mittlerweile plant er, das Beste aus „Opas Blog“ als Buch zu veröffentlichen. Ein Verlag hat ihm ein Angebot unterbreitet, er überlegt aber, das Buch nächstes Jahr im Eigenverlag herauszubringen. In letzter Zeit haben ihn auch immer wieder Werbeanfragen erreicht. „Ich will keine blinkende Werbelandschaft auf meiner Seite haben“, sagt der Blogger. „Die Werbung muss auch immer im Zusammenhang mit Familie stehen.“ Momentan hat er seine Werbeplätze kostenlos an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei und die Seenotretter vergeben. In der Rubrik „Opas Warentest“ will er Waren und Dienstleistungen darstellen, die er zuvor auf Auftrag getestet hat.

Auch in seinem Kochbuch finden sich Rezepte, die er selber getestet und sogar selber ausgedacht hat. In nächster Zeit will er es noch erweitern, aber schon empfiehlt er sein Thüringer-Bratwurst- Risotto. Das Thema „Opas Blog“ ist also noch lange nicht gegessen.

Die Gedanken eins Großvaters unter: http://opas-blog.de/

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