Berlin : Opernarien auf der Techno-Party

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Die Pyonen sind das beste Beispiel dafür, dass Eventagenturen den Job nicht immer so ernst nehmen müssen. Surft man auf ihre Webseite, wird erklärt, dass sie die kleinsten physikalischen Teilchen erforschen wollen, speziell die „Elektroproduktion neutraler Pyonen am Deuteron.“ Klingt wissenschaftlich. Klingt auch nach Nonsens. Die Pyonen sind zwei Berliner Veranstalter, die mit verworrenen Bedeutungsebenen spielen. Wer auf ihre Partys geht, wird überrascht.

Rätsel sind ohnehin ihre Sache. Vor einigen Jahren gründeten sie eine Agentur, die ausgefeilte Abenteuerspiele organisiert. Wie im Film „The Game“ verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Realität und Spiel, hinter allem steckt zumeist eine angebliche Verschwörung. Die Teilnehmer müssen verschiedene Aufgaben lösen, nur dann kommen sie ans Ziel. So dachten sich die Pyonen ein groß angelegtes Mafia- Spiel aus, mit einer Casinokulisse, vorgetäuschten Schießereien, viel Pyrotechnik und Schauspielern.

Doch in den Sommermonaten, wenn die Open-Air- Saison eingeläutet ist, haben sie mit ihrem Festival alle Hände voll zu tun. Zuletzt am Grünefelder See, einem beschaulichen Flecken Natur südlich von Berlin. Seit fünf Jahren veranstalten sie dort das „Nation of Gondwana“, das am Love-Parade- Wochenende ein Refugium für touristengeplagte Partygänger war. Mittlerweile fahren dorthin auch Star-DJs, denen der Rummel um die Parade zu viel wurde. „Das ,Nation’ ist der Freiraum, den wir brauchen, um uns auszutoben“, sagt Markus Ossevorth, einer der Pyonen. Der immense Aufwand erfordert mehr als nur zwei Pyonen. In jeder Sommersaison helfen befreundete Techniktüftler, damit das „Nation of Gondwana“ zum Ereignis wird. „Während eines DJ- Sets schickten wir eine Punkband auf die Bühne, gleichzeitig kam überall Feuerwerk zum Einsatz“, erzählt Markus. Im Jahr darauf erklang die Arie der „Königin der Nacht".

In der Lychener Straße haben die Pyonen den „eigenen kleinen Schlupfwinkel im Kiez.". In ihrer Bar 23 veranstalten sie Hörspielabende und machten aus der sonntäglichen Kneipentristesse einfach den „Scheiß Sonntag". Mit dem Erfolg, dass auch dann ihre Bar immer voll ist. „Die Leute wollen nach immer den gleichen Ausgehritualien einfach mehr Input, mehr Erlebnisse“, sagt Markus. Vor allem, wenn nichts in geregelten Bahnen abläuft. Henning Kraudzun

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