Pachtvertrag : Golfclub Wannsee streitet um Finanzen

Der Golfclub Wannsee, der im vergangenen Jahr wegen eines umstrittenen Pachtvertrags zum politischen Streitfall wurde, bleibt tief gespalten und streitet um Finanzen und Gemeinnützigkeit.

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Prestigefrage. Der Verein gehört zu den größten Golfclubs Deutschlands. Foto: Wolff
Prestigefrage. Der Verein gehört zu den größten Golfclubs Deutschlands. Foto: Wolff

Der im September 2009 neu gewählte Vorstand hat dem langjährigen Geschäftsführer Michael Siebold gekündigt, weil er entgegen einem Vorstandsbeschluss auf der Jahreshauptversammlung des Clubs beantragte, die Gemeinnützigkeit des Vereins aufzugeben. Außerdem wird Siebold vorgeworfen, er sei am Abschluss eines Kreditvertrags beteiligt gewesen, der über die eigentlichen Zwecke hinaus dazu diente, eine „Liquiditätsreserve“ zu schaffen. Die überflüssige Kreditsumme sei auf einem Sonderkonto geparkt worden. Dies führe zu einem Zinsschaden von jährlich 25 000 Euro.

In einem Rundbrief teilte der Vorstand den Mitgliedern im Juni auch mit, dass ein Provisionsvertrag zugunsten des Geschäftsführers, der zum 1. Juli ausgewechselt wird, 2004 auf „moralischen Druck“ des früheren Clubpräsidenten Roland Speckers zustande kam und nur einem Teil des Ex-Vorstands bekannt gewesen sei. Selbst der Schatzmeister habe vom Vertrag nichts gewusst. Wie berichtet, erhielt Siebold inklusive Tantiemen jährlich etwa 300 000 Euro. Als ihm der neue Vorstand vor der Kündigung anbot, für 2010 Bezüge von „nur“ 230 000 Euro zu zahlen, beklagte sich Siebold auf einer Hauptversammlung, die Clubführung wolle ihn „erpressen“.

Über diese Personalie hinaus wird der interne Kampf um die steuerlich begünstigende Gemeinnützigkeit erbittert geführt. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung soll über diese Frage im September beraten. Thema wird auch eine strittige Großinvestition sein, die noch vom alten Vorstand um Specker angeschoben wurde: ein unterirdisches Caddy- Haus für 1,2 Millionen Euro, dessen Planung nun „kritisch überarbeitet“ wird. Andererseits wird dem neuen Club-Präsidenten Frank Muschiol von der internen Opposition vorgeworfen, Neuaufnahmen manipuliert zu haben. So kritisiert ein Mitglied: „Einige prominente Antragsteller wie der ehemalige Finanzsenator Thilo Sarrazin, der ADAC-Präsident und Daimler-Chef Walter Müller und andere wurden wieder nicht aufgenommen.“

Dies alles könnte die Öffentlichkeit als Querelen eines privaten Vereins ignorieren, wenn nicht die Vergabe eines 99-jährigen Erbbaurechts für das 57 Hektar große landeseigene Golfgelände im Südwesten Berlins 2009 den Senat und das Abgeordnetenhaus beschäftigt hätte. Der einmalige Erbbauzins von 3,045 Millionen Euro wurde von SPD und Linken, CDU und Grünen als viel zu niedrig kritisiert. Zumal die alte Vereinsführung damals plante, die Gemeinnützigkeit aufzugeben. Der neue Vorstand will sie beibehalten. Die Staatsanwaltschaft prüft seitdem, ob die Verpachtung den Tatbestand der Untreue erfüllt. Die Vorwürfe richteten sich vor allem gegen den Bundesbankvorstand und Ex-Finanzsenator Sarrazin. Solange die Gemeinnützigkeit des Golfclubs besteht, ist sein Gebaren auch fürs Finanzamt interessant. Nicht ohne Grund wies Präsident Muschiol ein kritisches Mitglied kürzlich auf die „Risiken der nächsten Betriebsprüfung“ hin. Ulrich Zawatka-Gerlach

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