Berlin : Paddeln im braunen Sumpf

Athleten der Kanu-WM in Brandenburg/Havel logierten bei ultrarechter Sekte

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Potsdam - Die Weltmeisterschaft der jungen Kanuten Ende Juli in Brandenburg/Havel war ein Erfolg – mit bräunlichem Makel. Der Kanu-Landesverband wies Athleten aus fünf Staaten ein Domizil zu, das einer rechtsextremen Sekte gehört. Der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ (BfG) besitzt seit etwa sechs Jahren den „Hof Märkische Heide“ im Stadtteil Kirchmöser. Eine idyllische Immobilie am Möserschen See, der Betreiber nennt sich „Seminar- und Ferienhof GmbH“. Der Verfassungsschutz erwähnt in seinem Jahresbericht 2010 das Anwesen mit Foto. Dem 1951 gegründeten BfG wird ein Mix aus „Rechtsextremismus und sektenhaftem Verhalten“ bescheinigt. Dennoch wurden Kanuten aus Griechenland, Tunesien, Slowenien, Argentinien und der Schweiz hier untergebracht. Geschehen ist ihnen nichts, doch die SPD-Fraktion im Stadtparlament vermeldet einen „Skandal“.

So drastisch werden die Sozialdemokraten nicht ohne Gedanken an die Oberbürgermeisterwahl im September formuliert haben, man will Amtsinhaberin Dietlind Tiemann (CDU) beerben. Dennoch offenbart der Fall einen Mangel an Sensibilität – und das in einem Bundesland, das zu Recht stolz ist auf seine Erfolge im Kampf gegen den Rechtsextremismus.

„Die Unterbringung der Sportler und Begleiter erfolgte in Verantwortung des Veranstalters“, sagt ein Sprecher der Stadt. Beim Kanu-Verband heißt es, man fühle sich von Stadt, Stadtmarketing und Polizei im Stich gelassen. Der Betreiber des Hofes Märkische Heide konnte auf der Homepage der STG Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft werben.

Ihm sei „in keinster Weise“ bekannt gewesen, dass der Ferienhof einer rechten Sekte gehört, sagt STG-Geschäftsführer Thomas Krüger. Dass die Oberbürgermeisterin im Mai bewusst einer Veranstaltung der Feuerwehr im suspekten Domizil ferngeblieben war, sei betriebsintern „fehlerhafterweise nicht umgesetzt“ worden. Nun hat die STG den Link gelöscht.

Bei der Polizei ist zu hören, in den Sicherheitsgesprächen mit Stadt und Kanu-Verband sei es um Sportler aus gefährdeten Staaten wie Israel gegangen. Ein Hinweis auf den rechten Hintergrund des Anwesens in Kirchmöser unterblieb.

Der Kanu-Verband sagt, man habe sich auch auf eine Empfehlung der Kanuten aus Kirchmöser verlassen. Ein Zufall? Bei den Ruderern mischt der Pächter der Immobilie mit, Wolfgang Peetz. Er nennt die Einträge im Verfassungsschutzbericht „dubios“. Und er gehöre, sagt Peetz, dem BfG nicht an. Ein Ferienlager für Kinder, das die Sekte laut Verfassungsschutz im August 2010 in Kirchmöser veranstaltete, „war Sache von Privatleuten“.

Die Stadtmarketinggesellschaft will mit dem Präventionsrat der Stadt reden. Geschäftsführer Krüger will auch einen Text auf der Website der STG prüfen. Da wird das „Arado Flugzeugwerk“ beschrieben, das bis 1945 in Brandenburg/Havel Kampfflugzeuge baute. Von Zwangsarbeit ist keine Rede. Frank Jansen

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