Pankow : Schloss Schönhausen: Pieckfeine Adresse

Das Büro des DDR-Staatspräsidenten im Schloss Schönhausen wurde wieder eingerichtet. Erstmals können Besucher einen Blick in die Arbeitszimmer von Wilhelm Pieck werfen.

Claus-Dieter Steyer
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Zurück am Platz. Jetzt ist das Arbeitszimmer von Wilhelm Pieck im Schloss Schönhausen wiederhergestellt. -Foto: ddp

Zur Eröffnung des restaurierten Schlosses Schönhausen in Pankow am 19. Dezember erwartet die Besucher eine Premiere: Erstmals können sie einen Blick in das Arbeitszimmer des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, werfen. Dieser residierte in dem einstigen Sommersitz der Königin Elisabeth Christine, der Gattin Friedrichs des Großen, von 1949 bis zu seinem Tod 1960. Erst 17 Jahre später verschwanden der riesige Schreibtisch mit eingebauter Telefonanlage und Radio sowie die Sitzecke aus dem abgeschirmten Staatsgästehaus.

Die DDR-Regierung ließ das Schloss radikal umbauen. Anlass war die Ankündigung des iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi 1978 Ost-Berlin einen Staatsbesuch abzustatten. Dafür wurden Räume komplett umgestaltet und neue Möbel angeschafft. Piecks Hinterlassenschaften kamen ins Depot des Museums für Deutsche Geschichte Unter den Linden, dem heutigen Deutschen Historischen Museum.

Der Schah sagte den Besuch wenige Wochen vor dem Termin wegen der Unruhen in seinem Land ab. Kurze Zeit später wurde er gestürzt.

Niemand dachte danach vermutlich an die Wiedereinrichtung des Pieck-Zimmers, zumal eine museale Nutzung des Schlosses ohnehin nicht in Betracht kam. „Für uns aber ist es eine wichtige Zäsur in der Schlossgeschichte“, sagte der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Ulrich Henze. „Wir wollen bewusst auf die unterschiedliche Nutzung des Gebäudes aufmerksam machen.“

In den Archiven fand sich sogar eine Rechnung für die Anfertigung der erstaunlich gut erhaltenen Möbel. 16 000 Mark kosteten 1949 Schreibtisch, Sessel, Couch, Beistelltische, Kronleuchter und der große Teppich. Ein „normales Arbeitszimmer“ war damals für 600 Mark zu haben. Claus-Dieter Steyer

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