Pankow und Mariendorf : Bauvorhaben der Kombi-Schwimmbäder schwieriger als geplant

Für zwei neue Kombi-Schwimmbäder in Pankow und Mariendorf müssen erst einmal Bebauungspläne aufgestellt werden Es gibt Verkehrs- und Grundstücksprobleme. Sportverwaltung und Bäder-Betriebe wollen keine.

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Sprung ins kalte Wasser.
Sprung ins kalte Wasser.Foto: picture alliance / dpa

Wer freut sich nicht darauf? Zwei tolle Schwimmbäder, rund ums Jahr geöffnet, mit 50-Meterbecken, Rutschen und Zehnmeter-Turm, Whirlpool, Sauna und Wellenbecken. Das eine „Multifunktionsbad“ soll in Mariendorf, das andere in Pankow stehen, beschloss der Senat im Februar. Sportsenator Frank Henkel (CDU) wagte damals die Prognose, dass eines der beiden Bäder schon „2018 in Betrieb gehen könnte“. Damit lag er weit daneben, denn es ist, wie bei vielen Bauvorhaben in Berlin, alles viel schwieriger als geplant.

Das größte Problem: Für beide Standorte muss wohl ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Davon war bisher nicht die Rede. Erfahrungsgemäß dauert es zwei Jahre, bis neues Baurecht geschaffen ist. Und bevor nicht klar ist, welche Grundstücke wie bebaut und verkehrlich angebunden werden dürfen, ist es für die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) auch nicht möglich, die neuen Super-Bäder samt Architektur zu planen. „Wir tun von unserer Seite aus alles, was wir können“, sagt Marina Rinke, Projektleiterin der BBB. „Aber die Situation ist schwer einschätzbar, wir wissen noch nicht, was da im Einzelnen auf uns zukommt“.

Baurecht müsste geändert werden

In Pankow soll das alte Sommerbad an der Wolfshagener Straße zu einem Freizeit- und Wellnessbad erweitert werden. „Wir kennen noch keine Lagepläne und Kubaturen“, sagt der bezirkliche Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Aber es sehe so aus, als wenn es ohne Bebauungsplan nicht gehe. „Ein paar Nüsse sind zu knacken.“ Besonders problematisch sei die verkehrliche Erschließung. Die Wolfshagener-, Mendel- und Crusemarkstraße, die den Autoverkehr rund um das Gelände aufnehmen, seien eng. „Den Publikumsverkehr für ein attraktives Schwimmbad von 6 bis 22 Uhr können sie nicht bewältigen“, sagt Kirchner. Es fehlten auch Parkplätze.

Die Projektleiterin der Bäder-Betriebe sieht das ähnlich. Schmale Straßen und eine dichte Wohnbebauung, das müsse man bei der Planung des Projekts in Pankow natürlich berücksichtigen. Ähnliches gelte auch für das Multifunktionsbad am Ankogelweg in Mariendorf. „Eine ausreichende Verkehrsanbindung muss man von Anfang an im Kopf haben“, sagt Rinke Außerdem sei ein Teil des Areals im Süden Berlins nicht als Bauland ausgewiesen. Es sei zwar noch nicht klar, ob dieses Grundstück für das Bauvorhaben benötigt werde. Wenn ja, muss das Baurecht geändert werden.

Es sei noch viel zu bedenken

Das bestätigt auch die Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) in Tempelhof-Schöneberg. „Ein neuer Bebauungsplan für das Kombibad Mariendorf ist nach Auffassung des Stadtentwicklungsamtes erforderlich, die Bearbeitung würde zwei Jahre dauern.“ Wobei die Planung des Schwimmbads parallel dazu stattfinden könnte, sagt Klotz. Aber das ist sehr optimistisch gedacht, denn das Baurecht und die Planung eines so großen, komplexen Projekts lassen sich nicht unabhängig voneinander abarbeiten.

Zwischen den Bezirken und den Bäder-Betrieben gab es darüber erste Gespräche, doch die Frage nach dem Zeitplan für den Bäderbau und das Eröffnungsdatum beantwortet die Projektleiterin mit einem fröhlichen Lachen. „Darüber will ich nicht reden.“ Es sei noch viel zu bedenken und schließlich gehe es darum, in Pankow und Mariendorf „zwei große Würfe zu machen“.

Baubeginn von vielen Faktoren abhängig

Das sollte ordentlich vonstatten gehen. In einer Vorlage des Sportsenators Henkel für die laufenden Haushaltsberatungen steht auch nur: „Der Baubeginn ist von vielen Faktoren abhängig“. Ein Datum könne daher nicht genannt werden.

Bekannt ist nur, dass die Bauarbeiten selbst etwa zwei Jahre dauern. Erschwerend kommt hinzu, dass im nächsten Jahr Berliner Wahlen sind, das legt die Arbeit der Senats- und Bezirksbehörden teilweise lahm. Haushaltsexperten der Opposition gehen davon aus, dass frühestens 2021 der erste Sprung ins warme Wasser möglich sein wird.

Die gute Nachricht ist: Die Finanzierung der beiden Schwimmbäder ist gesichert. Für Mariendorf sind 31 Millionen Euro, für Pankow 29 Millionen Euro eingeplant. Das Geld stammt aus dem „Sondervermögen Infrastruktur Wachsende Stadt“ (SIWA), das sich aus Haushaltsüberschüssen des Landes Berlin speist. Eigentlich sollen aus diesem öffentlichen Fonds nur Bauprojekte bezahlt werden, die zügig und unbürokratisch realisiert werden können.

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