Berlin : Patrouillenweg verschwindet auf dem Invalidenfriedhof

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Bauarbeiter haben am Dienstag damit begonnen, den ehemaligen Postenweg der DDR-Grenztruppen auf dem Invalidenfriedhof in Mitte aufzumeißeln. Der mehrere hundert Meter lange Asphaltweg ist einer der letzten original erhaltenen Wege dieser Art in der Stadt. Auf dem Friedhof stehen auch einige noch erhaltene Teile der sogenannten Hinterlandmauer. Mauerteile und Weg stehen unter Denkmalschutz und werden im Gedenkkonzept des Senats zur Erinnerung an die Berliner Mauer hervorgehoben.

Trotzdem wird jetzt gemeißelt. „Der Asphalt des Postenweges muss erneuert werden“, sagt Klaus von Krosigk, der Gartendenkmal-Spezialist im Landesdenkmalamt und zuständig für den Friedhof. Der Weg ist Teil des Radfernweges Berlin-Usedom, dessen Ausbau innerhalb des Stadtgebiets derzeit mit Fördergeldern der Europäischen Union vorangetrieben werde. „Der alte Postenweg verschwindet, wird aber nach Abschluss der Bauarbeiten in vier Wochen wieder ungefähr so aussehen, wie bisher“, sagt von Krosigk. Er sieht keinen Widerspruch zum Denkmalschutz für den Postenweg: „Das bedeutet ja nicht, dass man Straßen und Wege nicht instand setzen darf.“

Der Verein Berliner Mauer, der die Gedenkstätte in der Bernauer Straße trägt, sieht das anders: „Wir finden es prinzipiell nicht gut, wenn Original-Spuren der Berliner Mauer verschwinden“, sagt Vereins-Sprecher Thomas Klein. Über die Bauarbeiten auf dem Invalidenfriedhof sei der Verein nicht informiert worden. Auch die Senatskulturverwaltung zeigte sich von den Bauarbeiten überrascht.

Über die Reste der Mauer ist jahrelang erbittert gestritten worden. Den vollständigen Abriss der Mauer und des Postenweges konnte von Krosigk Anfang der 90er Jahre verhindern. „Wir haben den noch vorhandenen Mauerteilen jetzt wieder den charakteristischen grau-weißen Anstrich verpasst.“ Unweit des Friedhofs steht an der Kieler Straße auch ein alter Wachturm der Grenztruppen. oew

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