Berlin : PDS will Straße nach Politiker benennen, der in einen Bestechungsfall verwickelt war

Tanja Buntrock

Ein kommunistischer Stadtrat ist zum roten Tuch für Klaus Hennig, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender in Prenzlauer Berg, geworden. Nachdem PDS-Stadtrat Kleinert vorgeschlagen hatte, eine der neuen Straßen des Entwicklungsgebietes "Alter Schlachthof" nach Gustav Degner zu benennen, wurde er stutzig. Das KPD-Mitglied war von 1926 bis 1929 Stadtrat in Prenzlauer Berg und wurde 1933 von den Nazis aus dem öffentlichen Dienst entfernt, so schreibt es die PDS in ihrer Kurzbiografie über Degner. Die Unterbrechung zwischen 1929 und 1933 machte Hennig misstrauisch, und er begann zu recherchieren. "Im Jahr 1929 tauchte immer wieder der Name Gustav Degner auf", sagt Hennig.

Grund war der sogenannte Sklarek-Skandal. Die Textilunternehmer Sklarek hatten durch Bestechung und Fälschungen das Land Berlin um über 10 Millionen Reichsmark geschädigt. "Auch gegen Degner fand ein Disziplinarverfahren statt", erklärt Hennig, "weil dieser Verträge der Firma Sklarek mit dem Land Berlin, die jedoch zum Schaden Berlins waren, auf einer Schreibmaschine im Büro von Sklarek entworfen hatte. Degner erhielt dafür persönliche und finanzielle Zuwendungen."

Doch damit nicht genug: Wie Hennig zudem herausgefunden hat, war Degner, der von 1945 bis 1946 Bürgermeister in Prenzlauer Berg war, verantwortlich dafür, dass schon kurz nach Gründung der SED "Mitglieder von anderen Parteien, insbesondere von der SPD, rausgeschmissen wurden", stellte Hennig fest. Darum hält es die CDU-Fraktion für "einen Skandal", dass so ein Name ungeprüft von der PDS ins Spiel gebracht wurde und will mit eigenen Vorschlägen aufwarten. PDS-Stadtrat Kleinert kann die Aufregung des CDU-Mannes nicht verstehen. "Es ist doch noch gar nichts beschlossen worden. Das Verfahren ist noch offen und wir werden die Fakten überprüfen", betont Kleinert.

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