Peter Badge im Soho House : Was haben Kinder und Nobelpreisträger gemeinsam?

Peter Badge hat in Berlin, Brandenburg und München Kinder fotografiert - und deren Gemeinsamkeit mit Wissenschaftlern entdeckt. Am Mittwoch gibt es die Bilder zu sehen.

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Peter Badge fotografierte zum ersten Mal Kinder.
Peter Badge fotografierte zum ersten Mal Kinder.Foto: Peter Badge

Eigentlich ist Peter Badge darauf spezialisiert, Nobelpreisträger zu fotografieren. Dafür, dass er sie in aller Welt besucht, ist er auch berühmt. Nun hat er sich zum ersten Mal in seinem Leben darauf eingelassen, mit seiner Kamera lächelnde Kinder aufzunehmen.

Er fand sie im Rahmen einer Kooperation in SOS-Kinderdörfern in Berlin, Brandenburg und München. Am Dienstag stellte er die Aufnahmen bei einer Vernissage im Soho House in Prenzlauer Berg vor. Da lag die Frage, was Nobelpreisträger und Kinder gemeinsam haben, natürlich sehr nahe. Und tatsächlich musste er keine Sekunde überlegen, um die Antwort zu finden. Es ist die Neugier, die beide Porträtgruppen vereint. Potenzial und Zukunftszugewandtheit gehören wohl ebenfalls dazu.

Schon öfter hat er seine kleine Nichte mitgenommen zu den „genialen Begegnungen“ mit klugen Köpfen in aller Welt. Dazu zählen auch Mathematiker und Computerwissenschaftler, für die es keine eigenen Nobelpreise gibt. Der Fotograf will selbst wieder lernen, die Welt unbefangen durch die Augen eines Kindes zu sehen. Diese Offenheit brauchen ja auch Forscher, um wirklich Großes zu erreichen. Die Begegnungen mit den Kindern, die oftmals schwierige Zeiten hinter sich haben, haben ihn dankbarer gemacht für die unbeschwerte Kindheit, die er selber hatte. Er erinnert sich noch, dass die Eltern immer mal für die Kinderdörfer spendeten.

Mit dem kommerziellen Partner hat niemand ein Problem

Damit nichts ablenkt von den Gesichtern, hat er die Kinder, die sich freiwillig zur Teilnahme an dem Projekt melden konnten, vor schwarzem Hintergrund aufgenommen. Umso eindrucksvoller sind die Gesichter, die dem Betrachter entgegenleuchten. Das Lächeln ist immer anders: Verschmitzt, versonnen, verträumt, pfiffig, schüchtern, neugierig, ausgelassen, ernst, entspannt, fröhlich, zuversichtlich. Mal sind die Kinder mit Zahnbürsten zu sehen, mal mit Kuscheltier, mal stellen sie ihre Zahnlücken zu Schau. Eines der Mädchen trägt einen Blumenkranz, kommt aus Afghanistan und heißt Tabersom. Das heißt übersetzt „Lächeln“.

Die Ausstellung, die an diesem Mittwoch einen Tag lang von 11 bis 18 Uhr in der Galerie Mertens in der Linienstraße 48 in Mitte zu sehen sein wird, soll im kommenden Juni auch noch mal im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für das neue SOS-Kinderdorf-Haus am Hauptbahnhof gezeigt werden. Gefördert wird das alles von der Kaugummimarke Wrigley’s, die bis Ende Oktober rund 500.000 Euro für Aktionen zur Zahngesundheit an die SOS-Kinderdörfer spenden will. 300.000 Euro sind schon fest, wie viel noch dazu kommt, hängt auch von der Zahl der verkauften Packungen ab.

Mit dem kommerziellen Partner hat erstaunlicherweise niemand ein Problem. „Wir arbeiten ja nicht nur mit den Kinder, die bei uns leben, sondern mit vielen anderen Kindern aus teils sozial schwachen Familien, auch mit jungen Eltern“, sagt die Leiterin des Berliner SOS-Kinderdorfes Kirsten Spiewack. Da sei es ganz wichtig, Aktionen zur Gesundheitsvorsorge zu machen.

Im Herbst erscheint ein Buch

Natürlich könne man auch so aufklären, aber viel besser sei es doch, wenn ein Sponsor beispielsweise Eventmodule zur Verfügung stellt, die das Ganze viel plastischer machen. Besonders beliebt ist der Karies-Tunnel. Da kann man durchgehen, und wenn man sich die Zähne nicht ordentlich geputzt hat, leuchten neongelbe Punkte auf. Im Zusammenhang mit den Pädagogen der Kinderdörfer wird auch Etikette gelehrt unter dem Motto „Gib dem Kaugummi einen Korb“, aber wirf es erst hinein, wenn du es in Papier eingewickelt hast.
Auch der Fotograf hat kein Problem mit dem Partner der Aktion. „Normalerweise mache ich natürlich keine Werbung“, sagt er. „Aber diese Aktion finde ich einfach gut.“ Er hat die Bilder den SOS-Kinderdörfern überlassen. Es habe ihm einfach Spaß gemacht, da die Kinder so viele Fragen hatten zu seiner Kamera und seiner Arbeit, weil sie so rasch Vertrauen gefasst haben, so unbefangen waren.

Und weil es ihm tatsächlich gelungen ist, sie zum Lächeln zu bringen. Demnächst wird er sich wieder mehr mit Nobelpreisträgern beschäftigen. Und damit auch „mit einer anderen Form von Dynamik“. Gefördert von der Stiftung „Lindau Nobel Laureate Meetings“ erscheint im Herbst ein Buch mit Porträts von 410 Nobelpreisträgern im Verlag Gerhard Steidl. Auch in diesen Porträts wird man in den Augen die Neugier sehen können.

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