Pflege : Pflegeheim mit Arzt - Berlin ist Vorbild

Seit 1998 gibt es das Modellprojekt mit Ärzten in Pflegeeinrichtungen in Berlin. Eine aktuelle Umfrage des Senats belegt: Die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung ist dort hoch.

Ingo Bach
Pflege
Weniger Überweisungen in die Klinik: Ärzte sorgen in Berliner Pflegeheimen für eine bessere Betreuung. -Foto: dpa

Pflegeheime, die über einen festen Arzt verfügen, müssen ihre Bewohner seltener in ein Krankenhaus überweisen als andere Einrichtungen, da rund um die Uhr eine intensive medizinische Betreuung gegeben ist. Das zeigen die Erfahrungen mit dem sogenannten Berliner Projekt, an dem seit dem Jahr 1998 insgesamt 38 der rund 270 stationären Pflegeeinrichtungen der Stadt beteiligt sind.

In diesem bundesweiten Vorreiterprojekt sind Mediziner direkt im Heim angestellt, oder aber sie sind als niedergelassene Ärzte vertraglich mit ihm verbunden. Während die Pflegekassen in einem typischen Berliner Heim im Jahr 2005 im Schnitt 78 Kliniküberweisungen pro 100 Bewohner registrierten, lag diese Quote in dem Projekt bei durchschnittlich 35. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte im Tagesspiegel angekündigt, die Möglichkeit von Heimärzten im Gesetz zu verankern.

Das Berliner Projekt rechnete sich auch für die Pflegekassen. Im Jahr 2005 sparten die drei damals beteiligten Kassen rund 2,8 Millionen Euro ein. Dies waren die AOK Berlin, die IKK Berlin-Brandenburg und die Bahn BKK . Seit 2007 ist auch die Siemens BKK dabei.

Gute hausärztliche Versorgung

Eine aktuelle Umfrage der Senatssozialverwaltung unter allen Berliner Pflegeheimen zeigt zudem, dass die Qualität der hausärztlichen Versorgung in den Einrichtungen des Berliner Projektes höher ist, zumindest aus Sicht der Betreiber. In diesen Einrichtungen werden derzeit rund 3100 Menschen versorgt. 34 von 37 befragten Projektheimen gaben an, mit der hausärztlichen Versorgung der Bewohner zufrieden zu sein – das sind 92 Prozent. Von den übrigen gut 230 Pflegeeinrichtungen, in denen zum Teil 30 und mehr verschiedene Hausärzte die Bewohner betreuen, sagten das nur 53 Prozent. Die Unzufriedenen beklagen etwa, dass sie zu lange auf den Besuch eines niedergelassenen Mediziners warten müssten, dass deren Untersuchungen zu oberflächlich erfolgten oder dass die verschriebenen Arzneien nicht bis zum nächsten Besuch des Doktors ausreichten. Im Durchschnitt leben 95 Bewohner in einem der befragten Heime – das heißt, rund 10 000 Menschen sind in einer Einrichtung untergebracht, deren hausärztliche Versorgung suboptimal ist.

Bundesweit sehen Experten in dem Berliner Projekt ein nachahmenswertes Modell: In Bayern wurde kürzlich ein ähnliches Vorhaben gestartet. Doch auch wenn es weitere Heime gibt, die Interesse haben, bei dem Projekt mitzumachen: Eine Ausweitung ist in Berlin derzeit nicht möglich. Bereits 2005 scheiterten die entsprechenden Verhandlungen an den Finanzen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wollte mehr Geld für die beteiligten Ärzte, die Kassen wollten weniger zahlen. Im Rahmen des Berliner Projektes erhalten die beteiligten Vertragsärzte maximal 200 Euro pro Quartal und Patient zusätzlich. Dafür müssen diese Ärzte zum Beispiel mindestens einmal pro Woche in dem Heim für eine Visite anwesend sein, regelmäßige Fallbesprechungen durchführen und 24 Stunden am Tag eine Rufbereitschaft für die Heimpatienten sicherstellen.

Doch angesichts der aktuellen Debatte steigt auch die Bereitschaft auf beiden Seiten, sich zu einigen. Sowohl die federführende AOK als auch die KV haben nun signalisiert, die Verhandlungen wieder aufnehmen zu wollen. Dabei macht auch die Berliner Sozialsenatorin Heidi KnakeWerner (Linke) Druck: „Die Form der ärztlichen Versorgung im Berliner Projekt muss zum Regelfall in den Heimen werden“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Infos über die Heime des Projektes gibt es bei den beteiligten Pflegekassen

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