Pfusch beim BER : Mehdorns "Monster"

Hartmut Mehdorn will "radikal" gegen den Baupfusch beim BER vorgehen - vor allem mit Blick auf das "Monster", die Brandschutzanlage. Doch während Siemens und die Flughafengesellschaft um die Planungsunterlagen streiten, wurden jetzt neue, ganz andere Mängel bekannt.

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BER und kein Ende: Flughafenchef Hartmut Mehdorn will "radikaler" werden
BER und kein Ende: Flughafenchef Hartmut Mehdorn will "radikaler" werdenFoto: dpa

Hartmut Mehdorn verschärft wegen Baumängeln am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld die Gangart gegenüber Auftragnehmern und will gegen Baupfusch „radikal vorgehen“. Das betrifft vor allem das größte Problem für die Eröffnung des BER: die Brandschutzanlage, intern „Monster“ genannt. Kopfzerbrechen bereitet den Experten am BER besonders die Entrauchungsanlage. Sie war nicht nur zu kompliziert, um den Rauchabzug überhaupt steuern zu können. Es wurde offenbar auch beim Einbau geschlampt. Die Absaugkanäle, insgesamt 18 Kilometer lang, sind teilweise undicht. Im Ernstfall könnte mit ihnen nicht sichergestellt werden, dass im Terminal bei einem Feuer eine zwei Meter hohe rauchfreie Schicht erzeugt wird, damit Fluggäste und Mitarbeiter rechtzeitig ins Freie flüchten können. Wie die Experten am Flughafen bei ihren Tests mit Kaltgas festgestellt haben, sind offenbar Fugen nicht ausreichend abgedichtet worden.

Jetzt wurde bekannt, dass auch reihenweise Strom- und Wasserzähler fehlen. Bei zahlreichen Planänderungen war nicht bedacht worden, dass die Zahl der Messgeräte angepasst werden muss, heißt es in Schönefeld. Eine sogenannte Fernauslesung über ein Datennetzwerk wäre nicht möglich gewesen, der Verbrauch von BER-Mietern hätte geschätzt werden müssen. Eine rechtlich sichere Betriebskostenabrechnung wäre schwer machbar gewesen, die Flughafengesellschaft hätte jährlich fünf Millionen Euro draufgezahlt.

Siemens fehlen Pläne, um mit der Erneuerung der Anlage zu beginnen

Ein Versuch der Flughafengesellschaft, positive Nachrichten von der Baustelle zu verkünden, verpuffte am Montag kläglich. Die Techniker des Konzerns Siemens könnten damit beginnen, 90 Kilometer feuerfeste Kabel für die Steuerungstechnik der Entrauchungsanlage zu verlegen, die neu konzipiert werden muss, hieß es aus Schönefeld. Siemens widersprach prompt.

„Wenn uns Planungsunterlagen vom BER vorliegen, müssen wir zunächst eine Montageplanung erarbeiten. Erst danach können wir mit der Verkabelung beginnen“, sagte ein Konzernsprecher. Es muss genau festgelegt werden, wo Decken abgenommen und neue Kabelschächte eingebaut werden müssen. Die bisherigen Schächte sind teils überbelegt. Zudem liegen Siemens nach Tagesspiegel-Informationen erst die Planungsunterlagen für zwei von neun Bereichen für die Entrauchung vor.

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