• Pilotprojekt in Berlin und Brandenburg: Arbeitsagentur hilft Asylbewerbern bei der Jobsuche

Pilotprojekt in Berlin und Brandenburg : Arbeitsagentur hilft Asylbewerbern bei der Jobsuche

13 eigens geschulte Mitarbeiter der Agentur für Arbeit unterstützen gut qualifizierte Flüchtlinge dabei, schnell Arbeit zu finden. Ein Problem dabei sind die Sprachkenntnisse.

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Auch im Handwerk ist es für Flüchtlinge schwierig, Arbeit zu finden - obwohl der Bedarf groß ist. Hier malern sie in einer Berliner Projektwerkstatt. Die Arbeitsagentur will jetzt helfen.
Auch im Handwerk ist es für Flüchtlinge schwierig, Arbeit zu finden - obwohl der Bedarf groß ist. Hier malern sie in einer...Foto: Britta Pedersen/picture alliance/dpa

Gut qualifizierte Flüchtlinge können ab August erstmalig eine individuelle Beratung bei der Jobsuche in Anspruch nehmen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Bundesagentur für Arbeit starten am 3. August ein gemeinsames Modellprojekt in Berlin und Brandenburg. Es soll dieser Gruppe von Asylbewerbern noch vor der Anerkennung ihres Asylantrages bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen. „Ein 13-köpfiges Team aus Spezialvermittlern wird sich in Berlin dafür ab kommender Woche direkt mit denjenigen auseinandersetzen, die eine hohe Bleibeperspektive haben“, sagte die Chefin der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, Jutta Cordt, am Donnerstag.

In individuellen Beratungsgesprächen sollen die Mitarbeiter, die aus dem internen Mitarbeiterpool der Bundesagentur rekrutiert wurden, Flüchtlingen zur Seite stehen. Vor allem bei der Suche nach einer geeigneten Stelle, der Vermittlung in einen passenden Deutschkurs, und bei bürokratischen Formalien sollen die Mitarbeiter helfen.

Gefragt sind Ingenieure und Pflegekräfte - aber nicht nur

„Wir wollen als Vermittler zwischen Arbeitgeber und potentiellem neuen Mitarbeiter stehen“, sagt Cordt und weist darauf hin, dass das Projekt ein freiwilliges Angebot darstelle. Sie erklärt: „In den nächsten drei Monaten werden wir testen, ob genügend Asylbewerber die Dienste des Teams wahrnehmen.“ Flüchtlinge mit Berufsabschluss oder Berufserfahrung, ersten Deutschkenntnissen und gutem Gesundheitszustand hätten die besten Chancen, einen Job vermittelt zu bekommen, sagt Cordt. Auf dem Arbeitsmarkt gefragt seien derzeit Qualifikationen in Mangelberufen wie Ingenieure und Pflegekräfte.

Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion für Arbeit.
Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion für Arbeit.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Aber obwohl allein im Juli mehr als 4000 Menschen in Berlin einen Asylantrag stellten, wird das Spezialvermittlungsteam nur wenige von ihnen betreuen können. Denn ausreichende Deutschkenntnisse seien notwendig.

Cordt begründet dies mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Fachkräftemangel herrsche nun mal in den Bereichen, in denen vorwiegend Deutsch gesprochen würde. „Busfahrer werden zum Beispiel stark gesucht, aber dafür muss man halt die Sprache beherrschen“, sagt auch der Sprecher der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, Christian Henkes. Wie viele der Flüchtlinge einen Termin mit dem Vermittlerteam bekommen, kann die Bundesagentur für Arbeit noch nicht absehen. „Ein vergleichbares Projekt hat es vorher noch nie gegeben“, sagt Cordt.

In Brandenburg wurden fünf Angestellte speziell für Flüchtlinge geschult

Der Bedarf an qualifizierter Zuwanderung ist groß. Der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zufolge trägt schon heute die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland zu mehr Wachstum in Deutschland bei. Gerade auch das Handwerk brauche Zuwachs. Laut Handwerkskammer konnten im vergangenen Jahr allein in dieser Sparte 20 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

Das im August beginnende Vermittlerteam, das komplett von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg finanziert wird, hat auch in den fünf Agenturen für Arbeit in Brandenburg jeweils einen speziell geschulten Angestellten. Diese werden sich ebenso um die interessierten und vor allem geeigneten Asylbewerber kümmern wie die 13 Berliner Kollegen, die in der Agentur für Arbeit Berlin-Nord sitzen. „Damit soll den Menschen, die auf den Arbeitsmarkt wollen und dort auch dringend gebraucht werden, direkt geholfen werden“, sagt Cordt.

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