• Plakate sollen aus allen deutschen Studios verschwinden: Fitness-First stellt umstrittene Werbekampagne umgehend ein

Plakate sollen aus allen deutschen Studios verschwinden : Fitness-First stellt umstrittene Werbekampagne umgehend ein

Das Unternehmen Fitness-First zieht seine umstrittene Werbekampagne zurück: Bereits gestern hatte sich Berlins Opferbeauftragter Roland Weber eingeschaltet, jetzt äußert sich auch Berlins Justizsenator Thomas Heilmann öffentlich.

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Fitness-First zieht seine umstrittenen Plakate zurück.
Fitness-First zieht seine umstrittenen Plakate zurück.Foto: Mike Wolff

Die Plakate sollen weg. Die Sportstudiofirma „Fitness First“ stellt nach einem Bericht des Tagesspiegels ihre provokante Werbekampagne ein. Seit Mittwochmorgen sind nicht nur die Plakate aus der Filiale am Alexanderplatz verschwunden, sondern in sämtlichen Filialen Deutschlands „Wir haben uns entschieden, die Kampagne bundesweit aus unseren Clubs zu nehmen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. „Wir haben unterschätzt, wie viele Menschen sie irritiert und es war nicht unser Ziel, Gefühle zu verletzen.“
Wie berichtet warb Fitness First seit ein paar Tagen bundesweit mit umstrittenen Slogans wie „Tritt Deine Freunde“, „Mach Deine Freundin runter“ und „Mach Deine Freunde kalt“. Nur wer näher an die Plakate herantrat, konnte die Auflösung dieser provokanten Sätze lesen: „Mach Deine Freunde zu Trainingspartnern. Zusammen macht ihr den inneren Schweinehund kalt.“ Auf den ersten Blick las man immer nur die Aufforderung zu aggressivem Verhalten. Besonders pikant war, dass nur etwa 100 Meter entfernt vom Studio am Alexanderplatz vor drei Monaten der 20-jährige Jonny K. von sechs Jugendlichen brutal zu Tode getreten worden war. Die Familie des Opfers hatte sich durch die Werbeslogans unmittelbar in Nähe des Mahnmals verletzt gefühlt.
Für Berlins Opferbeauftragten Roland Weber, der die Werbeaktion als Erster öffentlich kritisiert hatte, ist das Abhängen der Plakate ein erster Schritt, aber er sagt auch: „Man sollte grundsätzlich darüber nachdenken, ob man solche Art der Werbung braucht und prüfen, ob man so etwas nicht in Zukunft verbieten kann.“ Nach Angaben der Fitness-First-Sprecherin hätten sich zahlreiche Kunden positiv zur Kampagne geäußert. Doch es gab auch andere Stimmen. Ein Mitglied, das seit 2005 mit seiner Schwester am Alexanderplatz trainiert sagte am Mittwoch: „Ich habe mich über die geschmacklosen Plakate sehr geärgert. Grundsätzlich sollte man solche aggressive Werbung verbieten.“ Artur Streit, der seit drei Jahren bei Fitness First trainiert hatte sogar überlegt, sich abzumelden: „Ich kann da im Moment nicht mehr hingehen, weil ich so empört bin“, sagte Streit, der Psychologe ist. „Ich unterstütze die Familie von Jonny K. seit seinem Tod und fühle mit ihnen.“
Auch Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hatte sich öffentlich zur umstrittenen Kampagne geäußert. Zwar habe die Politik da nichts zu entscheiden, „als Bürger aber lehne ich die Kampagne ab, weil sie unnötig die Gefühle von Gewaltopfern verletzt“, sagte Heilmann. „Sie erweckt den Anschein, als seien solche Taten kein Problem.“

Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands Deutsche Werbewirtschaft appelliert an Unternehmen wie Fitness First, ihre Form der Werbung genau zu hinterfragen. Gewalt gehöre nicht in die kommerzielle Werbung. „Mittelständische Unternehmen wie Fitness First meinen, Aufmerksamkeit ist alles und glauben es ist positiv in der Presse zu sein“, sagt Nickel. „Doch dieses Denken kann auch zum Bumerang werden, gerade wenn sich die Medien und die Öffentlichkeit kritisch mit dem Thema beschäftigen.“ Auch das ist wohl ein Grund für das schnelle Ende dieser Kampagne.

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