Plattform aus Berlin will Nachbarn vernetzen : Man kennt sich bald wieder

Von wegen, das Internet sorgt für weniger echte Kontakte im Alltag: Drei Unternehmer haben die Internetplattform WirNachbarn.com gegründet. Auf ihr sollen sich Menschen aus dem gleichen Kiez vernetzen können.

von
Drei für den Kiez. Mit „WirNachbarn.com“ haben Aymon Delbridge, Philipp Götting und André Dieling (v.l.) eine neue Internetplattform gestartet.
Drei für den Kiez. Mit „WirNachbarn.com“ haben Aymon Delbridge, Philipp Götting und André Dieling (v.l.) eine neue...Foto: Promo

Der Kontakt zu Nachbarn macht glücklich, stärkt den Zusammenhalt und erleichtert das Leben: Wohin mit dem Hund, wenn Frauchen in den Urlaub fährt und der Hundesitter nicht kann? Wo kriegt man auf die Schnelle noch eine Bohrmaschine her? Eine Backform? Eine Restaurant-Empfehlung?

„Dass man seine Nachbarn im Haus kennt, ist an den wenigsten Orten Realität“, sagt Philipp Götting, der die Lösung schon parat hat: Sein Start-up „WirNachbarn“ will Nachbarn vernetzen, Austausch ermöglichen – „helfen, das Alltagsleben leichter zu machen“, bricht es Götting runter. „WirNachbarn“ ist eine Internet-Plattform, auf der sich Nutzer vernetzen können, die in derselben Nachbarschaft wohnen. Ein Mini-Facebook für den Kiez. Darüber kann dann die Katze abgegeben, eine Fahrgemeinschaft gegründet oder ein Kieztreff organisiert werden. Man kann – je nach Anliegen – auch angrenzende Kieze mit einbeziehen: Wenn man eine schwere Leiter ausleihen will, vermeidet man weite Wege; der Muttersprachler, der schnell mal auf eine Übersetzung schauen soll, kann auch von etwas weiter weg kommen.

Sich nach dem Umzug bei den Nachbarn vorstellen ist nicht mehr üblich

Götting hat das Projekt voriges Jahr mit zwei Freunden gegründet und verweist auf das Buch „Bowling Alone“, des US-Soziologen Robert Putnam. Dessen These: Seit den 1960er Jahren haben alle Formen sozialen Zusammenhalts abgenommen: in Vereinen, Kirchen, Politik oder eben in Nachbarschaften. Im Buch geht es um die USA, in Deutschland sieht es jedoch wohl nicht anders aus. „Früher war es normal, seine Nachbarn zu begrüßen, wenn man neu in ein Haus gezogen ist“, sagt Götting. „Obwohl ich ja – offensichtlich – ein Freund des Nachbarschaftlichen bin, habe ich es auch nicht gemacht, als ich im April nach Berlin gezogen bin.“ Das sei eben nicht mehr üblich.

In den USA ist ein solches Projekt schon an den Start gegangen. Nextdoor heißt es und hat kurz nach dem Projektstart fast 20 Millionen Dollar Risikokapital einwerben können – andere Dimensionen als bei WirNachbarn. Die Seite ist im Oktober online gegangen und noch immer in der Betaphase. Noch ist sie relativ klein, wächst nach Angebot und Nachfrage. „Vor allem in Kreuzberg, Mitte und Neukölln gibt es schon aktive Nachbarschaften“, sagt Götting. Dafür gibt es aber auch Bezirke, in denen noch gar nichts los ist. Das Projekt trifft den Zeitgeist: Das Hyperlokale ist gefragt. Die „Washington Post“ nannte das US-Pendent Nextdoor „Teil der Welle der Rückbesinnung auf die Nachbarschaft“. Auch in Deutschland gibt man sich nachbarschaftlich: Lokal begrenze Kleinanzeigen boomen, auch Dienstleistungen können online angeboten oder getauscht werden.

Das Projekt hat auch für Stadtverwaltungen oder Händler Potenzial

„WirNachbarn“ wolle die Kontaktaufnahme unter Nachbarn erleichtern, sagt Götting. Dadurch grüße man sich auch mal im Kiez, weil man sich ja schon kennt. Und wo Menschen sich grüßen, sich helfen und plaudern, entstehe Schritt für Schritt eine gemeinschaftlichere Nachbarschaft. Auf lange Sicht kann Götting sich vorstellen, auch Stadtverwaltungen oder lokale Händler mit einzubeziehen. „Die Bezirksverwaltung kann zum Beispiel ankündigen, wenn mal eine Straße im Kiez gesperrt wird, oder sich die Öffnungszeiten eines öffentlichen Schwimmbades ändern.“ Für die Zeitung sei eine solche Neuigkeit zu klein – „und das städtische Amtsblatt liest ja eh keiner“.

Händler wiederum könnten in einem Premium-Bereich ihre Dienstleistungen anbieten. Das liegt aber noch in der Zukunft. Zur Finanzierung wird jedoch kein Nutzer zur Kasse gebeten: „Für die Nachbarn ist die Plattform kostenlos – und bleibt kostenlos.“

Die Plattform für Nachbarn steht auf www.wirnachbarn.com

96 Ortsteile, 96 Bilder, 100 Prozent Berlin
Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...
» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben