Die Politik hat keinen "Moritzplatz-Masterplan"

Seite 2 von 2
Platz da! : Folge 8: Moritzplatz
von

Krüger versteht sich als „Diplomat des Moritzplatzes“. Er würde nie über die Köpfe seiner Nachbarn hinweg entscheiden, versichert er. Das Aufbau-Haus inklusive Modulor arbeite inzwischen viel erfolgreicher, als ursprünglich erwartet. Das Projekt habe eine Sogwirkung entfaltet, auch in den wissenschaftlichen Stadtplanungsdiskurs hinein. „Derzeit forschen 16 Universitäten zum Moritzplatz“, sagt Krüger. Die entscheidende Frage: Wie konnte es in kurzer Zeit gelingen, einen toten Ort wiederzubeleben?

In den achtziger Jahren, erzählt Prinzessinnengärtner Marco Clausen, habe Walter Momper, Kreuzberger und SPD-Politiker, mal zwei Linden auf dem Wertheimgelände gepflanzt, um Aufmerksamkeit auf die Brache zu lenken. Auch die Internationale Bauausstellung (IBA) habe sich damals Gedanken über den Platz gemacht, aber realisiert wurde bis zur Wende nichts. Und danach schauten die Stadtplaner in den Ostteil der Stadt.

„Ein Vorteil ist, dass die Politik keinen Masterplan für den Moritzplatz hat“, sagt Krüger. Früher, in den sechziger Jahren, gab es noch einen: Der Moritzplatz sollte den Autobahnvisionen weichen. Deshalb rückten die Hochhäuser der „Otto-Suhr-Siedlung“ der GSW von der Straßenkante ins Hinterland und öffneten den Raum für eine Grünfläche, die Bürgermeister Schulz unbedingt erhalten will. Die Vorstellung, den Moritzplatz zu heilen, wieder in ein intaktes Karree zurückzuversetzen, widerspreche der „Heterogenität“ des Ortes als Folge seiner historischen Entwicklung. Liebhaber historischer Stadtstrukturen wird dieses Argument kaum über den Verlust der Platzkanten hinwegtrösten.

Das „Motel One“ an der Prinzenstraße, das Café Zera im Hochhaus gegenüber, die Bar im Aufbau-Haus – erste gesellschaftliche Treffpunkte sind etabliert. Der Wirt der Eckkneipe „Zum kleinen Mohr“ bewirtet inzwischen Touristen, hält das Aufbau-Haus trotzdem für einen „potthässlichen Klotz“ und die Prinzessinnengärten für „Quatsch“. Er sagt: Da sollte etwas entstehen, „das nach was aussieht“.

Artikel auf einer Seite lesen

Autor

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben