Platz da! Folge 14 : Umgeben von Buden und Brachland - der Ostbahnhof

Der Ostbahnhof ist ein schicker Solitär mit einem Umfeld aus Brachen und Trampelpfaden. Der Senat plant und zögert bei der Gestaltung, doch einige Bauherren schaffen vollendete Tatsachen.

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Der Vorplatz des Ostbahnhofes beschränkt sich momentan auf die Freifläche unter dem Vordach.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
04.06.2012 13:49Der Vorplatz des Ostbahnhofes beschränkt sich momentan auf die Freifläche unter dem Vordach.

Das Willkommen unterm hohen Vordach ist großzügig, suggeriert sogar etwas Weltstädtisches. Der Ostbahnhof, vormals Hauptbahnhof, ist ein würdiger Vertreter seiner Zunft, das Drumherum aber, das Davor und Dahinter, versinkt in ästhetischer Belanglosigkeit. Imbissbuden, Marktstände, eingezäunte Brachen, Trampelpfade. Und eine gefühlte Autobahn, die den Stralauer Platz, den Bahnhofsvorplatz, zum Straßenbegleitgrün degradiert. Die Devise für Reisende: schnell weg hier.

Der Ostbahnhof wurde in den neunziger Jahren in seinen heutigen Zustand versetzt, bis 2015 wird für rund 43 Millionen Euro das Dach der Bahnhofshalle saniert. Das Umfeld ist Sache des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Und gleichzeitig des Senats, denn der überlegt immer noch, dort einen zweiten Zentralen Omnibusbahnhof einzurichten. Erst, wenn dazu eine Entscheidung gefallen ist, werde es einen Wettbewerb zur Gestaltung des Umfelds geben, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) ist gegen einen ZOB und für ein „grünes Entree“ zum Bahnhof.

Grün ist der Platz bisher nur an den Rändern. Dominant sind dagegen Parkflächen für Busse und Autos. Direkt vor dem Bahnhof ragt ein mehrgeschossiges Parkhaus aus der Erde, das an der Straßenseite eine Barriere bildet, die den Vorplatz komplett abschirmt. „Die Einbindung des Parkdecks ist noch unklar“, sagt Schulz, und das ist sehr diplomatisch ausgedrückt. Das Parkhaus wird gerade aufwendig saniert, doch ein Bauschild sucht man vergeblich. Der Bauherr, die R+V-Versicherung, ist an allzu viel Öffentlichkeit nicht interessiert.

Auf Anfrage des Tagesspiegels heißt es, „aufgrund von Durchfeuchtungen des Betons“ hätten viele Parkplätze im Untergeschoss nicht mehr zur Verfügung gestanden. Deshalb werde eine neue Abdichtung eingebaut. Wie die oberirdische Parkfläche gestaltet werden soll, bleibt offen. Anfang August soll alles fertig sein.

Der Stralauer Platz war schon da, als es den Bahnhof noch gar nicht gab. Als es ihn dann gab, nach dem Bau der „Königlichen Ostbahn“ mit dazugehörigem „Frankfurter Bahnhof“, eröffnet 1846, wurde er Bahnhofsentree. Bis 1856 entstand an dem nordwestlichen Ende die Andreaskirche, die den Weltkriegsbomben zum Opfer fiel, wie das gesamte Bahnhofsviertel, und 1949 abgeräumt wurde. Nur der Industriebau zur Spreeseite, das denkmalgeschützte ehemalige Zentralmagazin der Gaswerke, überlebte das Bombeninferno. Das Haus wurde 2001 umfassend saniert und zum „Energieforum“ umgebaut. Heute sind hier viele Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien ansässig. Eigentümer ist ebenfalls die R+V-Versicherung. Nebenan ist das Haus der Andreasgemeinde wiederaufgebaut worden. Dort wird eine Obdachloseneinrichtung betrieben mit angeschlossenen Arztpraxen für Treber.

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