Platzeck besucht BER-Baustelle : Flughafen-Termin lässt weiter auf sich warten

04.08.2012 00:00 Uhrvon , Klaus Kurjuweit
Baustellen-Kapitäne. Wowereit, Platzeck – und Ramsauer. Foto: dpa
Baustellen-Kapitäne. Wowereit, Platzeck – und Ramsauer. - Foto: dpa

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck erwartet für den 16. August keine Festlegung auf einen möglichen Flughafen-Start im März. Dass der anvisierte Termin gehalten werden kann, wird immer unwahrscheinlicher.

Auch das Warten auf den neuen Eröffnungstermin des künftigen Flughafens scheint sich zu verschieben. Nach derzeitigem Stand könne der neue technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Horst Amann, nicht bereits wie bisher vorgesehen dem Aufsichtsrat am 16. August definitiv sagen, ob der vor seinem Amtsantritt festgelegte Termin 17. März 2013 zu halten sein werde, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitag. Er hatte zusammen mit Amann, der erst am 1. August seinen Job angetreten hat, zuvor die Flughafen-Baustelle besichtigt.

Amann habe sehr offen die aktuelle Problemlagen beschrieben und die Situation auf der Baustelle präzise und nachvollziehbar dargestellt.

Zweifel an der Terminplanung hatten zuvor auch schon der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geäußert. Alle wollen Amann die Zeit lassen, sich einarbeiten zu können, ehe er sich auf einen Eröffnungstermin festlegt. Dass der 17. März 2013 gehalten werden kann, wird immer unwahrscheinlicher.

Bildergalerie: Der unfertige Flughafen

Ramsauer macht inzwischen weiter Flughafenpolitik. Weil unter anderem am 28. Juli drei Maschinen in geringer Höhe über den Südwesten Berlins gedonnert sind, will der Minister nun vom Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), Dieter Kaden, wissen, wie es dazu kommen konnte. Bürgerinitiativen, die Ramsauer informiert hätten, befürchteten, sie sollten schon an den kommenden Krach gewöhnt werden, der künftig vom neuen Flughafen ausgehe, begründete ein Sprecher Ramsauers Initiative. Die Flugsicherung führte die Flüge, bei denen die Piloten bereits in einer Höhe von rund 2000 Fuß (610 Meter) Richtung Berlin abbogen, aufs schlechte Wetter zurück. Dabei reiche zum Beispiel auch eine Gewitterwolke, die am Boden nicht zu erkennen sei, sagte eine DFS-Sprecherin. Sicherheit gehe hier vor, auch wenn damit Lärm verbunden sei.

Üblicherweise verlassen die Maschinen nach dem Start erst in 5000 Fuß (1,5 Kilometer) Höhe den Geradeauskurs. An zwei anderen Tagen hatten Flugzeuge ebenfalls fast im Tiefflug – und zum Teil sogar am frühen Morgen – Blankenfelde von Norden nach Süden überquert. Hier will Ramsauer keine Aufklärung haben, denn Beschwerden gab es bei ihm bei diesen Flügen nicht.

Bereits beim Festsetzen der künftigen Flugrouten hatte Ramsauer kräftig mitgemischt. Und nach dem Desaster mit dem verschobenen Eröffnungstermin gründete der Minister sofort in seinem Haus eine Sonderkommission. Als Einziger der Gesellschafter forderte er zudem die Flughafengeschäftsführer öffentlich auf, auf die bisherige „Heimlichtuerei“ zu verzichten. Anlass war das Ausladen seiner Mitarbeiter beim Test der Entrauchungsanlage. Wowereit als Aufsichtsratsvorsitzender und sein Stellvertreter Platzeck hatten gar nicht versucht, Mitarbeiter direkt zum Test zu schicken.

Die BER-Brandschutzanlage in Bildern:

Jetzt sagte Platzeck aber seinen lange geplanten Besuch bei den Olympischen Spielen in London ab, wo er vor allem Potsdamer Kanuten unterstützen wollte. Selbst in SPD-Kreisen wird berichtet, Platzeck wolle Kritik der Opposition vermeiden, dass er sich als Vize-Chef des Aufsichtsrates nicht genug um die Probleme am BER kümmere – und sich stattdessen lieber im Glanz der Olympioniken sonne. Aus der Staatskanzlei dagegen hieß es, Platzeck müsse aktuelle Termine wahrnehmen. Öffentliche Auftritte sind aber erst wieder am Dienstag vorgesehen. Dann kommt auch das Kabinett zu ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen. Tatsächlich ist Platzeck wegen des Flughafens auf der Hut. Selbst seinen mehrwöchigen Sommerurlaub hatte er abgesagt, war in Potsdam geblieben und ständig erreichbar. In London lässt sich nun von Sonntag bis Dienstag Sportministerin Martina Münch (SPD) sehen.

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