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Berlin-Friedrichshain : Überrollter Radfahrer aus dem Krankenhaus entlassen

Schon zwei Tage nach der brutalen Attacke wurde ein von einem Auto überrollter Radfahrer aus dem Krankenhaus entlassen. Eine Frau war dem flüchtenden Täter noch nachgefahren. Sie wird gesucht.

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Foto: dpa/Archiv

Eine gute Nachricht am Montag: Zwei Tage nach einer beispiellosen Gewaltexzess im Straßenverkehr konnte das Opfer, ein 42-jähriger Radfahrer, aus dem Krankenhaus entlassen werden. Er soll vermutlich am Dienstag intensiv von der Polizei befragt werden. Wie berichtet, hatte sich ein Zeuge das Autokennzeichen des roten Mazdas gemerkt. Ob der Halter mittlerweile befragt wurde, blieb am Montag unklar. Durch Ermittlungen am Unfallort hat die Polizei mittlerweile einen weiteren Zeugen des Geschehens gefunden. Dadurch wurde bekannt, dass eine Autofahrerin dem flüchtenden roten Mazda 626 noch ein Stück nachgefahren ist. Wie ein Polizeisprecher sagte, wird die Frau dringend gebeten, sich bei der Polizei als Zeugin zur Verfügung zu stellen.

So hatte der Tagesspiegel am Montag berichtet:

Radfahrer wissen genau, wer der stärkere ist im Straßenverkehr. Ein 42-Jähriger hat dies gerade wieder erfahren, er liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. „Radfahrer schwer verletzt zurückgelassen“, meldete das Polizeipräsidium am Samstagabend, der Fall ist an Brutalität kaum zu überbieten: Nach einem vorangegangenen Streit zwischen den beiden Männern rammte das Auto den an einer roten Ampel haltenden Radfahrer von hinten um, schleuderte ihn zu Boden und überrollte seine Beine. Dies geschah um 12.30 Uhr an der Kreuzung Ebertystraße Ecke Kochhannstraße in Friedrichshain. Dann gab der Autofahrer Gas und flüchtete Richtung Süden.

Worum sich die beiden Männer stritten, ist offen. Ein Zeuge berichtete, dass der Autofahrer zuvor in der Conrad-Blenkle-Straße mehrfach den Radfahrer sehr dicht überholt haben soll. Möglichweiser war dieser fehlende Seitenabstand Auslöser des Streits. An der Kreuzung mit der Landsberger Allee soll der Radler erneut mit dem Unbekannten gestritten haben. Beide überquerten dann die Ausfallstraße und fuhren in die Ebertystraße. Auch hier soll das Auto den Radfahrer mit sehr geringem Abstand überholt haben, berichtete ein Zeuge. An der Ampel Kochhannstraße dann das Finale.

Nach Informationen des Tagesspiegels hat sich ein Zeuge das Kennzeichen des älteren roten Mazda 626 gemerkt. Unklar blieb am Sonntag, ob der Halter schon befragt werden konnte. Die Polizei sucht dringend weitere Zeugen unter der Telefonnummer 030/4664-581800.

Derzeit wird wegen eines Verkehrsunfalles ermittelt, hieß es im Präsidium. In Kommentaren in sozialen Medien und in Fahrradblogs forderten Radfahrer dagegen Ermittlungen wegen „versuchten Totschlags“. Bislang sei unklar, ob der Autofahrer dem Radfahrer bewusst über die Beine fuhr, hieß es im Präsidium. Sollte sich durch weitere Aussagen ergeben, dass der Autofahrer vorsätzlich handelte, dann würde entsprechend ermittelt werden.

Der Straßenzug Conrad-Blenkle- und Ebertystraße ist recht schmal, bei Gegenverkehr können Autofahrer Radfahrer kaum legal überholen, da der erforderliche seitliche Abstand von etwa 1,50 Metern zu einem Radfahrer nicht eingehalten werden kann. Radfahrer wissen aus Erfahrung, dass die Mehrheit der Autofahrer dennoch überholt – egal wie groß der Abstand ist.

Vor zwei Wochen war direkt am Polizeipräsidium in Tempelhof eine 74-jährige Radfahrerin von einem abbiegenden Auto berührt worden. Die Frau stürzte und verletzte sich schwer. Im Juli vergangenen Jahres hatte der Fahrer eines Geländewagens einen 34-jährigen Radler in der Leipziger Straße ausgebremst und mit einem Schlagstock traktiert. Monate später hatte die Polizei Fotos des Schlägers veröffentlicht. Doch namentlich ermittelt wurde der Mann nicht.

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