Berlin-Schöneberg : Giftiges PCP in Büros entdeckt: Polizeiabschnitt 42 teilgesperrt

Am Freitagabend wurden Teile des Polizeiabschnitts 42 in der Hauptstraße gesperrt. In mehreren Etagen des Altbaus war eine zu hohe Konzentration der giftigen Chemikalie PCP gemessen worden.

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Die Polizei im Einsatz. (Symbolbild)
Die Polizei im Einsatz. (Symbolbild)Foto: dpa/Archiv

Am Montag begann das Stühlerücken im Altbau des Polizeiabschnitts 42 in der Hauptstraße in Schöneberg. Die Beamten aus dem zweiten Stock des Altbaus mussten in den Neubau umziehen, auch im ersten Stock darf vorerst nicht mehr gearbeitet werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) empfahl den Beamten des Abschnitts, ihre Dienstuniform und sonstige in den Büros gelagerte Kleidung gründlich zu waschen.

Seit Freitagabend sind mehrere Etagen des Polizeiabschnitts gesperrt. Im zweiten Stock des Gebäudes war nach Angaben der GdP eine zu hohe Konzentration der giftigen Chemikalie PCP gemessen worden. Auch in einem Raum im ersten Stock war der Grenzwert überschritten worden. Die Polizei bestätigte dies am Montagvormittag.

Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) war das Holzschutzmittel offenbar "vor etlichen Jahren oder gar Jahrzehnten" im Dachstuhl verwendet worden. Nun stellte ein Gutachter bei Raumluftmessungen und Staubprobentests fest, dass die PCP-Belastung in den darunter liegenden Räumen so groß ist, dass für die Polizisten ein Gesundheitsrisiko besteht.

Nach Angaben der GdP sind etwa 20 bis 30 Polizisten betroffen. Bislang gebe es aber noch keine "keine Auffälligkeiten bei den Krankenständen." Die Reinigung der Obergeschosse solle am Montag und Dienstag erfolgen, Ende der Woche soll es dann eine erneute Schadstoffmessung geben.

Wenn die Belastung wieder unter den zulässigen Grenzwert gefallen ist, könnte in den Etagen wieder gearbeitet werden. Wenn nicht, bleiben sie wie der kontaminierte Dachstuhl weiter geschlossen. Das Erdgeschoss des Altbaus hingegen musste nicht geschlossen werden - hier war der zulässige Grenzwert nicht überschritten worden. Allerdings werde man auch hier auf eine Reinigung drängen, teilte die GdP mit.

Nach Angaben der Polizei hat der PCP-Fund keinen Einfluss auf die Arbeit im Abschnitt, der für Friedenau und Schöneberg-Süd zuständig ist: "Der Dienstbetrieb läuft, die Wache ist besetzt", sagte ein Sprecher.

PCP - kurz für Pentachlorphenol - tötet Pilzsporen und wurde deshalb bis zum endgültigen Verbot 1989 in Holzschutzmitteln verwendet. PCP ist hochtoxisch, gelangt über die Haut und den Magen-Darm-Trakt in den Körper und kann zu Atemproblemen bis hin zu Herzversagen führen. Es darf seit 1986 nicht mehr in Deutschland hergestellt werden.

Erst Mitte Juli musste wie berichtet die Einsatzleitzentrale der Polizei am Platz der Luftbrücke in Tempelhof geschlossen werden, nachdem eine Asbestverunreinigung festgestellt worden war. Das Bürgertelefon und die Internetwache waren vorübergehend nicht zu erreichen. Nach Angaben der Polizei wird die Zentrale derzeit vom Asbest befreit, auch die Fenster werden ausgetauscht. In der zweiten Septemberwoche sollen die Beamten in die Einsatzleitzentrale zurückkehren.

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