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G-20-Gipfel in Hamburg : Eklat um Berliner Polizisten - Geisel fordert Aufklärung

Hamburg hat drei Hundertschaften vom Einsatz beim G-20-Gipfel zurückgeschickt. Es geht um ausschweifende Partys.

Polizeikräfte stehen in Hamburg vor dem Kulturzentrum Rote Flora.
Polizeikräfte stehen in Hamburg vor dem Kulturzentrum Rote Flora.Foto: Christian Charisius/dpa

Erst feierten Berliner Polizisten. Jetzt feiern Hamburgs Linksextremisten. Und Polizeipräsident Klaus Kandt hat ein großes Problem auf dem Schreibtisch, viele nennen es bereits einen Skandal: Die Hamburger Polizei hat drei Berliner Hundertschaften rausgeschmissen, die beim G20-Gipfel aushelfen sollen. Die Beamten sollen sich nach Hamburger Angaben in ihrer Unterkunft völlig daneben benommen haben.

Das Berliner Präsidium gab sich entsetzt: „Unserem Polizeipräsidenten wurde mitgeteilt, dass unsere in Hamburg unterstützenden Hundertschaften vorzeitig aus dem Einsatz entlassen wurden“, hieß es in einer ersten dürren Mitteilung am Vormittag. Senatssprecherin Claudia Sünder sagte am Nachmittag: „Wir sind auch erschrocken.“ Auch wenn die Vorwürfe noch geprüft werden müssten: „Fest steht schon jetzt, dass sich die Berliner Polizei nicht mit Ruhm bekleckert hat.“ Dem Vernehmen nach soll Kandt ausgesprochen sauer sein. Gegenüber der rbb-Abendschau bedauerte er den Vorfall, wies aber zugleich darauf hin, dass die Exzesse "während der Freizeit der Polizisten auf einem abgeschlossenen Gelände" geschehen seien, "also nicht im Dienst bei einem Einsatz". Dies erfordere eine differenzierte Beurteilung.

„Wildpinkeln“ und Sex im Freien

Bekannt wurde der Rausschmiss durch einen Bericht der „B.Z.“, die private Fotos aus der Unterkunft zeigte. Es handelte sich um ein bislang als Flüchtlingsunterkunft genutztes Containerdorf in Bad Segeberg bei Hamburg. Auf dem Foto sind Feiernde, Polizeiautos, Bierflaschen und eine Shisha-Pfeife zu sehen. Angeblich sollen die Berliner Beamten zudem gemeinschaftlich gegen einen Zaun uriniert haben, ein Polizisten-Pärchen sei beim Sex im Freien gesehen worden. Eine Beamtin soll demnach nur in einem Bademantel mit einer Waffe in der Hand auf einem Tisch getanzt haben. Dazu gibt es zwar keine fotografischen Belege – die Vorwürfe sollen aber zutreffen, hieß es aus Polizeikreisen. Nun müsse geprüft werden, wer sich wie beteiligt habe, dann werde über disziplinarrechtliche Konsequenzen entschieden, hieß es im Präsidium.

Hamburg legt Wert auf gutes Benehmen

Die Hamburger Polizei sprach offiziell von „unangemessenem Verhalten in der Unterkunft“. Hamburgs Bevollmächtigter für auswärtige Angelegenheiten, Staatsrat Wolfgang Schmidt (SPD) bestätigte den Rausschmiss am Mittag bei einer Pressekonferenz zum G20-Gipfel im Hamburger Rathaus: „Da hat es offenbar ein paar Probleme gegeben, und deshalb sind drei Hundertschaften gebeten worden, sich nicht mehr an dem Einsatz zu beteiligen.“ Und weiter: „Wir legen Wert auf gutes Benehmen. Das gilt für alle Beteiligten.“

Geisel: Polizisten haben Vorbildfunktion

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte: „Polizeibeamte haben Vorbildfunktion – das gilt in Berlin genauso wie in anderen Städten. Falls sich die Vorwürfe des Fehlverhaltens bestätigen, muss das in der Polizei ordentlich geklärt werden.“

Eingesetzt waren die drei Berliner Hundertschaften noch nicht, sie waren seit Sonntag in Bad Segeberg untergebracht. Die Vorgesetzten hatten ihre Unterkünfte nicht auf dem Gelände. Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge hatten sich Polizisten aus Nordrhein-Westfalen über den Krach aus der Berliner Unterkunft beschwert.

Spott und Häme in den Sozialen Netzwerken

Die Hamburger linke Szene goss Spott über den Beamten aus. „Tschüss! Nach pinkeln, #Sex & #Saufgelage: @PolizeiHamburg schickt Hundertschaft aus #Berlin vorzeitig nach hause“, lautete ein Tweet einer linksextremistischen Gruppe. Oder: „Wer sichert jetzt die Demo am 5. Juli?“

Auch die Organisation Pro Asyl meldete sich zu Wort. Sie wies auf Twitter darauf hin, dass eine beengte Unterkunft eben nicht nur bei Flüchtlingen zum Problem werden könne.

Der G20-Gipfel in Hamburg findet am 7. und 8. Juli statt. Es wird mit 15000 Polizisten der mit Abstand größte Polizeieinsatz, den es bislang in Deutschland gegeben hat.

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