Polizei in Berlin-Schöneberg : Zuviel Blei im Wasser: Beamte sitzen auf dem Trocknen

Die Beamten des Polizeidienststelle Gothaer Straße dürfen auf Arbeit vorerst kein Leitungswasser mehr trinken: Es wurde eine zu hohe Bleikonzentration festgestellt.

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Foto: dpa/Patrick Pleul

Berlins Polizeibeamte leben gefährlich, das ist hinlänglich bekannt. Normalerweise geht die Gefahr von Rasern, Drogendealern, Rockern oder Extremisten beider Lager aus. Die Beamten auf dem Polizeiabschnitt 41 in der Gothaer Straße in Schöneberg sind aber auch einer anderen Gesundheitsgefahr ausgesetzt: Bei einer Kontrolle des Trinkwassers auf der Dienststelle wurde festgestellt, dass die zulässige Höchstkonzentration des giftigen Schwermetalls Blei überschritten wurde. Am Montag wurden die Beamten per Schreiben aufgefordert, vorerst kein Leitungswasser mehr zu trinken. Die Kontamination ist mutmaßlich auf alte Bleirohre im Gebäude zurückzuführen.

BIM liefert Trinkwasser in Flaschen

Durst muss trotzdem niemand leiden. Die Verwalterin des Gebäudes, die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), hätte den Beamten Trinkwasser in Flaschen spendiert, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Am Donnerstag soll dem GdP-Sprecher zufolge eine erneute Messung durchgeführt werden. "So soll herausgefunden werden, welche Rohre kontaminiert sind", sagt Jendro. Bereits Anfang März sei bei der Mordkommission in der Keithstraße ebenfalls eine erhöhte Bleikonzentration im Trinkwasser festgestellt worden.

"Wir leben in der Stadt mit der feinsten Trinkwasserqualität, und die Kollegen können noch nicht einmal mehr aus dem Hahn trinken", ärgert sich Jendro, "das zeigt die Wertschätzung für die Arbeit der Polizisten."

Auch bei den Schießständen gibt es Probleme

Viele Polizeieinrichtungen in Berlin sind völlig marode, dass hatte die BIM schon vor mehr als zwei Jahren eingeräumt. Damals mussten die Duschen von Abschnitten in Schulzendorf und Schöneberg wegen Legionellenbefall gesperrt werden. Beamte aus dem Polizeiabschnitt 42 mussten in die Gothaer Straße umziehen, weil ein geplatztes Wasserrohr die Kellerräume geflutet hatte.

Ende März diesen Jahres musste der Schießstand der Polizei in der Kruppstraße in Moabit wegen einer defekten Lüftung gesperrt werden. Der Schießstand hatte erst zwei Wochen vorher wieder geöffnet; davor war er ebenfalls wegen Bleikontamination geschlossen gewesen. Allerdings lag es in diesem Fall nicht an den alten Wasserrohren; offenbar hatten Polizeibeamte mit Bleimunition anstatt mit Trainingsmunition geschossen.

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