Polizei & Justiz : Polizeigewerkschaft suchte per Twitter Taser-Tester

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat eine kleine Umfrage getwittert, die wohl witzig sein sollte. Aber laut gelacht hat niemand.

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Diesen Tweet hatte die Deutsche Polizeigewerkschaft schnell wieder gelöscht.
Diesen Tweet hatte die Deutsche Polizeigewerkschaft schnell wieder gelöscht.Foto: Twitter

Dieser Schuss ging nach hinten los. In ihrer Wochenend-Umfrage stellte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) eine kleine Umfrage bei Twitter ins Internet, in der sie vier „Taser-Testpiloten“ zur Auswahl anbot: die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast, den gerade von den Piraten zur SPD gewechselten Christopher Lauer und eine Abgeordnete der Linkspartei aus Sachsen-Anhalt.

Nicht nur die vier genannten hatten den Eindruck, dass die Elektroschockpistole an ihnen ausprobiert werden sollte. Wenig später löschte die Gewerkschaft den Tweet mit einer halbherzigen Entschuldigung – doch das Internet vergisst nichts. Eine Protestflut schwappte durch das Netz: „Die @DPolGBerlin hat den Verstand verloren“, hieß es zum Beispiel.

Die grüne Kreuzberger Bürgermeisterin Monika Herrmann schrieb: „Die Peinlichkeiten werden peinlicher – mit dieser Polizeigewerkschaft hat die Polizei eindeutig ein Problem.“ Die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl schrieb: „Der Tweet war WIDERLICH.“ Die AfD-Politikerin Storch ignorierte die Umfrage, wies aber auf das Wahlprogramm hin, das einen flächendeckenden Einsatz des Tasers fordert.

Die grüne Abgeordnete Renate Künast schrieb: „Zum Glück ist die @DPolG verschwindend klein. Die Polizei denkt anders.“ Die deutliche größere Polizeigewerkschaft GdP sprach von einer „geschmacklosen Taser-Testpilot-Frage“. In der vergangenen Woche hatte bekanntlich die GdP viel Protest aushalten müssen, weil sie Christopher Lauer „Politclown“ genannt hatte.
Dieser hatte die Umfrage ausgelöst, weil er letztes Wochenende twitterte: „Langsam entsteht bei mir der Eindruck, die @Polizeiberlin schießt jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer, bis der Taser da ist.“ Wie berichtet, hatte Lauer beide Polizeigewerkschaften heftig beschimpft. DPolG-Chef Bodo Pfalzgraf hatte Lauer als „politische Kaulquappe“ tituliert.

Innerhalb der SPD brach nach diesen gegenseitigen öffentlichen Beschimpfungen ein Streit darüber aus, ob Lauer in die SPD gehört. Ein Vorstandsmitglied der "SPD Mauerpark" griff wiederum Lauer so unsachlich an dass er anschließend zurücktrat. Die SPD Mauerpark hatte Lauer aufgenommen. Lauer revanchierte sich am Sonntag so: „Ich würde den Taser nicht mal an Pfalzgraf testen." Lauer bat seine Anwälte zu prüfen, ob der Gewerkschafts-Tweet strafbar war.

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