Randale und rechte Parolen am Bahnhof Friedrichstraße : Psychisch Kranker legt Verkehr lahm - schon wieder

Ein psychisch kranker Mann und eine Begleiterin haben am Mittwochabend am Bahnhof Friedrichstraße gepöbelt und randaliert. Sie flüchteten vor der Polizei über die Gleise der Stadtbahn auf ein Hausdach. Der Mann war offenbar schon im März auf das Dach des Bahnhofs geklettert und hatte für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt.

von
Eine S-Bahn in Berlin.
Eine S-Bahn in Berlin.Foto: dpa

Ein psychisch kranker 20-Jähriger und seine 22-jährige Begleiterin haben am Mittwochabend am Bahnhof Friedrichstraße randaliert und auf der Flucht vor der Polizei für rund 40 Minuten den Verkehr auf der Stadtbahn lahm gelegt.

Polizist in Uniform rassistisch beleidigt

Zunächst geriet um 19.30 Uhr ein uniformierter Polizist in den Fokus des Pärchens. Der Beamte wollte nach einem langen Arbeitstag eigentlich nur noch nach Hause. Auf der Rolltreppe wurde er auf das Pärchen aufmerksam. Die beiden zogen für den Beamten gut hörbar über die Polizei her. Auch anderer Reisende bekamen das mit.

Der Beamte sprach das Pärchen an und fragte sie nach dem Grund für ihre schlechte Meinung von der Polizei. Daraufhin wurde das Pärchen ausfällig. Sie beleidigten den Beamten wegen seiner Herkunft - er soll der Optik nach "südländisch" aussehen - und ergriffen dann die Flucht. Auf ihrem Weg stießen sie weitere rassistische Beschimpfungen aus, zeigten den Hitlergruß und riefen "Sieg Heil!". Das Pärchen entkam zunächst, wurde aber schon 15 Minuten später wieder auffällig.

Passant zückt Messer - und wird mit Pfefferspray attackiert

Die beiden waren - immer noch im Bahnhofgebäude - mit einem eigentlich unbeteiligten Passanten in Streit geraten. Zunächst soll das Pärchen untereinander gestritten haben; der Passant münzte die Beschimpfungen aber auf sich, zückte ein Messer und drohte den beiden mit der Klinge. Das Pärchen antwortete mit einer Dosis Pfefferspray. Dies nahm dem Mann die Lust auf eine Fortsetzung der Konfrontation; er flüchtete in unbekannte Richtung.

Auch das Pärchen floh - wohl auch, weil mittlerweile die Bundespolizei auf den Plan getreten war. Die beiden rannten nach Angaben eines Sprechers über die Gleise der Stadtbahn in Richtung Hauptbahnhof und kletterten auf Höhe der Marschallbrücke auf das Dach eines Wohnhauses, wo sie sich versteckten.

Flucht über die Gleise - auf ein Hausdach

Da zunächst unklar war, wo die beiden steckten, musste die Stadtbahn ab 19.55 Uhr zwischen Friedrichstraße und Hauptbahnhof gesperrt werden. Mittlerweile war auch die Feuerwehr unterwegs. Mit einem Drehleiterwagen wurden der 20-Jährige und seine Begleiterin von dem Dach geholt. Das Pärchen zeigte sich nach Angaben eines Sprechers "ziemlich einsichtig" und wehrte sich nicht dagegen, vom Dach geholt zu werden. Gegen 20.35 Uhr wurde der S-Bahnverkehr wieder aufgenommen.

Bei der Prüfung der Personalien stellte sich heraus, dass der 20-Jährige für die Polizei ein alter Bekannter war - und eigentlich gar nicht auf freiem Fuß hätte sein dürfen. "Wir müssen momentan davon ausgehen, dass es sich um den gleichen Mann handelte, der schon im März für einen Großeinsatz gesorgt hatte", sagte der Sprecher der Bundespolizei.

Mann hatte Verkehr schon im März lahmgelegt

Der 20-Jährige war am 17. März auf das Dach des Bahnhofs Friedrichstraße geklettert und hatte sich geweigert, wieder herunter zu kommen. Damals kam der gesamte Verkehr am Bahnhof Friedrichstraße für drei Stunden zum Erliegen gekommen, bis der Mann von Bundespolizisten überwältigt werden konnte. Der Mann war nach Angaben der Bundespolizei hochgradig suizidgefährdet. Er war deshalb in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht gewesen. Ihm war aber die Flucht gelungen.

Es war schon die zweite Flucht aus der Psychiatrie

Ende Juli war der Mann zum zweiten Mal aus der Einrichtung ausgebüxt. Seitdem war er von der Polizei gesucht worden - diese Information wurde aber erst nach der erneuten Festnahme des Mannes bekannt gegeben. "Er war wenige Tage abgängig", sagte ein Bundespolizeisprecher.

Auch die Begleiterin des 20-jährigen hat schon eine pralle Polizeiakte: In der Vergangenheit war sie unter anderem wegen Körperverletzung und wegen rassistischen und neonazistischen Ausfällen belangt worden. Nach ihrer Festnahme musste sie laut Bundespolizei "aufgrund ihrer Aggressivität" noch mehrere Stunden in Gewahrsam gehalten werden, bevor sie wieder auf freien Fuß kam. Der 20-Jährige wurde wieder in die psychiatrische Einrichtung zurückgebracht.

Die Polizei ermittelt nun wegen Beamtenbeleidigung, gefährlicher Körperverletzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Autor

24 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben