Polizeieinsatz in Berlin-Hellersdorf : Nach dem Schuss kommen Fragen an die Politik

Gegen die Polizistin, die am Wochenende auf einen Angreifer schoss, wird ermittelt. Doch auch die Berliner Politik muss sich Fragen stellen. Ein Kommentar.

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Die Kreuzung in Berlin-Hellersdorf.
Die Kreuzung in Berlin-Hellersdorf.Foto: dpa

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Niemand möchte in diesen Tagen mit der Polizistin tauschen, die am Sonnabend um kurz nach 22 Uhr nach Hellersdorf gerufen wurde. Ein psychisch Kranker hatte dort offenbar die Beherrschung verloren und zog krakeelend durch die Louis-Lewin-Straße, ein Kettenschloss eines Motorrads um sich schwingend. Er bedrohte damit Passanten, schlug sogar nach einem Pizzaboten, der auf dem Moped an ihm vorbeifuhr.

An der Ecke Schwarzheider Straße traf er auf die Polizei. Halt machen wollte er aber nicht. Als er mit der Kette auf die Beamtin zulief und auch auf mehrfaches Rufen nicht reagierte, so berichten es ihre Kollegen, wusste die sich nur noch durch einen Schuss zu helfen - in den Bauch des 25-Jährigen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Nun wird wegen gefährlicher Körperverletzung gegen sie ermittelt, das ist in solchen, zum Glück seltenen Fällen normal. Ein Urteil ist schnell gefällt, auch wenn es nicht leicht ist, sich in die Einsatzsituation hineinzuversetzen. Vor allem gilt es zu prüfen, ob die Frau den Angreifer auch ohne Waffengewalt hätte stoppen können. Das ist Sache des Staatsanwalts.

Die Berliner Politik hingegen muss sich der Debatte stellen, ob sie die Polizei nicht endlich mit Elektroschockern, so genannten Tasern, ausstatten sollte, die in der Regel weniger Schaden anrichten als die herkömmliche Dienstwaffe. Auch dass sie auf den Bauch zielte und sich nicht - bei aller Kürze der Zeit - für einen Beinschuss entschied, wird die Polizistin erklären müssen. Für den Innensenator bedeutet das die peinliche Frage, ob er angesichts vieler Probleme mit den Übungsanlagen genug getan hat, um das Schießtraining der Polizei sicherzustellen.

Der Mann befindet sich nach einer Notoperation im künstlichen Koma, ist aber stabil. Wenigstens das.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Marzahn-Hellersdorf ist für ihn genauso neu wie ganz Berlin, denn er ist erst kürzlich in die Stadt gekommen. Im Gepäck: eine große Leidenschaft fürs Lokale. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

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