Berlin : Pommes statt Porzellan

Der Berlin-Pavillon ist nun ein Schnellrestaurant

Werner van Bebber

Etwas fremd wirkt die Front: „Berlin-Pavillon“ steht an dem elegant-kantigen Flachbau an der Straße des 17. Juni – und gleich daneben leuchtet rot eine Burger-King-Werbung. Sitzt man drin im Pavillon, gewöhnt man sich schnell an die neue Perspektive des schicken Altbaus. Wo die Stadt einmal Architekturschauen zeigte, als sie noch Geld hatte, arbeiten heute die blaubehemdeten Grillfrauen und -männer von Burger-King gegen den Hunger von Freunden des Fastfood an.

Der Berlin-Pavillon mit seiner Stahl- Glas-Edelholz-Eleganz ist dabei noch genau zu erkennen. Als vor zwei Jahren ein Projektentwickler der Stadt das Haus abkaufte, um einen Burger-Diner daraus zu machen, bekam er klare Denkmalschutz-Auflagen. Die haben dem Grill gut getan. Die Burger-Leute dachten sich wohl: Okay, machen wir was aus dem schönen Stück.

Seit kurzem verkaufen sie dort gegrillte Burger, wie es der Tradition der Firma entspricht. Die dunkle Holzdecke blieb sichtbar, die riesigen Fensterflächen wurden nicht zugestellt, die Stahlkonstruktion ist erkennbar geblieben. Das Burger-Restaurant bietet 187 Gästen Platz. Tische stehen an den gläsernen Seiten und in einer leicht geschwungenen Reihe in der Raummitte. Anders als in anderen Burgerfabrikationsstätten hat man Platz und bekommt nicht gleich mit, wen der Gast am Nebentisch am Mobiltelefon hat.

Was die Sitzmöbel anbelangt: Da haben sich die Grill-Fachleute Mühe gegeben. Verchromtes Stahlrohr und rote, gesteppte Polster tun, was möglich ist, um Diner-Feeling zu provozieren. Die Deckenleuchten erinnern an Flugzeugflügel. Die Tische sind aus Resopal – aber man kann ja hinausgucken. Das ist die Stärke des Schnellrestaurants: Wer es amerikanisch mag und Endlos-Roadmovies schätzt, kann hier sitzen und auf die Verkehrsschlagader 17. Juni gucken, stundenlang. Auch auf der straßenabgewandten Seite des Hauses bieten sich schöne berlinische Verkehrs-Infrastruktur-Impressionen: Oben in Bellevue kommen und entschwinden die S-Bahnen. Geht man nach dem Augenschein, so scheint ein Teil des Burger-Pavillon-Publikums die Aussicht zu schätzen. Wer bunteren Input will, bekommt ihn durch die Musiksender, die über einige Monitore zucken. Von morgens um acht bis nach Mitternacht ist der Pavillon geöffnet – ein zeitgemäßer Ort, was den Umgang mit öffentlichen Gebäuden in Zeiten mangelnder Finanzkraft angeht.

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