Potsdam im Angebot : Sanierung des Holländisches Viertel fast abgeschlossen

Potsdams berühmtes Viertel ist fast fertig saniert. Hier shoppte einst der Hauptmann von Köpenick. Eines der historischen Backsteinhäuser wird jetzt versteigert.

von und Marco Zschieck
Grün auf Rot: Dieses Holländerhaus in Potsdam wird jetzt versteigert
Grün auf Rot: Dieses Holländerhaus in Potsdam wird jetzt versteigertFoto: Manfred Thomas

Die wohl berühmteste Verbindung zwischen Berlin und dem Holländischen Viertel zu Potsdam wurde am 8. Oktober 1906 hergestellt. Damals betrat ein vorbestrafter, für den Großraum Berlin eigentlich mit Aufenthaltsverbot belegter Schuster namens Wilhelm Voigt die Altuniformhandlung Berthold Remlinger in der Mittelstraße 3. Nach einem Interimsrock für einen Hauptmann des Potsdamer Ersten Garderegiments zu Fuß stand ihm der Sinn, den er nach einiger Suche durch Remlingers 19-jährigen Sohn Bruno auch erhielt und in der nahen Kreuzstraße 24 (heute Benkertstraße) bei der Vernickelungsanstalt Wilhelm Finke durch einen Satz Sporen ergänzte. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Er spielte acht Tage später im Rathaus der Stadt Köpenick, damals noch kein Teil Berlins.

So gesehen ist es irgendwie konsequent, dass ein 277 Jahre altes Holländerhaus am Wochenende nicht in Potsdam, sondern in Berlin versteigert wird. Mit der Adresse Kurfürstenstraße 6 liegt es beim Ausstatter des Hauptmanns von Köpenick praktisch um die Ecke. Das Auktionshaus Karhausen hat es in seinem aktuellen Sortiment, mit knapp 100 weiteren Immobilien, die im Meistersaal in der Köthener Straße 38 in Kreuzberg unter dem Hammer kommen. Also ganz nahe am Potsdamer Platz.

Baujahr: 1737. Preis: ab 650.000 Euro.

„Das sanierte Giebelhaus im Holländischen Viertel ist eine echte Rarität“, schwärmt Auktionator Matthias Knake. Das um 1737 errichtete Gebäude wurde in den neunziger Jahren saniert und im rückwärtigen Teil erweitert. Hinter der historischen Fassade mit dem rundgeschwungenen Giebel sind drei Wohnungen und eine Einheit im Erdgeschoss entstanden, die zum Wohnen wie auch gewerblich genutzt werden kann. Trotz des Einbaus moderner Haustechnik sei der historische Charme erhalten geblieben, heißt es lockend. Mindestgebot: 650.000 Euro plus Courtage. „Das wäre aufgrund der Lage und des guten Zustandes sicher ein echtes Schnäppchen“, sagte der Auktionator. Werde nur ein Gebot abgegeben, müsse dafür der Zuschlag erteilt werden.

Das Holländische Viertel wird in diesem Jahr als erstes der neun Sanierunggebiete in Potsdam abgeschlossen werden. 80 Prozent der bekannten roten Ziegelhäuser wurden seit 1992 originalgetreu restauriert und wiederaufgebaut. Angesichts der Vernachlässigung zu DDR-Zeiten war das auch dringend geboten. 35,6 Millionen Euro sind seitdem geflossen, ein Großteil finanziert von Land und Bund.

Ein architektonisches Schmuckstück ist so gerettet worden, in dem man schon mal auf hohen Besuch gefasst sein muss. So tauchte vor einem Jahr dort überraschend Prinzessin Beatrix, ehemalige Königin der Niederlande, auf – eine Hoheit mit Hut beim Einkaufsbummel. Genau genommen doch nicht so überraschend, schließlich verdankt das Viertel Holland nicht nur seinen Namen. Entstanden ist es zwischen 1733 und 1742 unter der Leitung des holländischen Baumeisters Johann Boumann, der vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eigens nach Potsdam gerufen worden war und dessen ehemaliges Wohnhaus in der Mittelstraße 8 heute Museum ist.

Der König hatte ein Faible für die holländische Kultur, das legten schon die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Hohenzollern und dem Hause Oranien-Nassau nahe. Von denen zeugen noch heute bereits Ortsnamen wie Oranienburg und Oranienbaum. So entstand ein Stadtteil mit 134 Ziegelhäusern, vor deren Bau das sumpfige Gelände aber erst trockengelegt werden musste. Das Wasser speicherte man vorübergehend in einem Bassin, woran heute der Name des Bassinplatzes erinnert.

Freilich wirkt das alles auf manchen auch ein wenig puppenstubenhaft, selbst ein erklärter Potsdam-Anhänger wie der Modedesigner Wolfgang Joop gibt das zu, so unlängst im Interview im Tagesspiegel: Es gebe in Potsdam das Weltkulturerbe, die exquisiten Gebäude, die einmaligen Parks, „die Landschaft transformiert zu einem Kunstwerk. Es gibt Gärten, Schlösser, Bauernhöfe, die Intellektuellen, die Beamten, die neuen Milliardäre, wow! Aber dann gibt es gleichzeitig unglaublich Provinzielles, Betüddeltes, es gibt diese Pseudogemütlichkeit des Holländerviertels.“

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