Preiserhöhung : Gastwirte planen Widerstand gegen Sky

Unter Berlins Sky-Wirten steigt der Widerstand gegen die neuen Preise des Senders. Für viele rentiert sich ein Abonnement nicht mehr. In Hannover haben bereits 40 Wirte das Abonnement gekündigt. Berliner Kneipenbesitzer treffen sich jetzt.

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Sky erhöht die Preise für Kneipenbesitzer. Das stellt viele vor finanzielle Probleme.
Sky erhöht die Preise für Kneipenbesitzer. Das stellt viele vor finanzielle Probleme.Foto: Picture Alliance / dpa

Zwischen 1860 München und dem FSV Frankfurt stand es am Dienstagnachmittag bei Sky gerade 1 : 1, als sich im Raucher- und Fernsehzimmer des Gasthauses Valentin an der Hasenheide 49 rund 30 Personen versammelten. Das Ergebnis (2 : 1 für München) interessierte sie herzlich wenig in diesem Moment, obwohl Fußball doch irgendwie auch ihr Metier ist. Allesamt waren es Wirte von Restaurants und Kneipen, die den Bezahlsender Sky abonniert haben, den Bundesliga-Monopolisten, der die Preise rechtzeitig zum Start der Saison neu gestaltet und dadurch für viele kräftig erhöht hat.

Einfach Sky kündigen?

Zum Beispiel für Joachim Mühle, den Wirt des im Stil bajuwarischen Lokals mit drei Gasträumen auf knapp 100 Quadratmetern Fläche. Gemeinsam mit seinem Kollegen vom Lokal „Glaube, Liebe, Hoffnung“ in der Charlottenburger Neufertstraße 16 und einem Journalisten versucht er derzeit, die Berliner Sky-Wirte zu mobilisieren und zum gemeinsamen Widerstand zu bringen. Also zum Beispiel dazu, den Sky-Vertrag einfach zu kündigen, wie er es bereits getan hat und neun weitere des Treffens in seinem Lokal – auch in der Hoffnung, dass der Sender ein Einsehen hat und ein neues Angebot macht.

Mühle ist nicht zum ersten Mal mit höheren Sky-Preisen konfrontiert. Seit 2011 hat er das Programm des Senders abonniert, bei jährlicher Vorauszahlung kam er auf 250 Euro pro Monat. 2012 wurde ihm gekündigt, mit der Option, den Vertrag teurer weiterlaufen zu lassen. Als er nicht reagierte, lenkte Sky ein, der Jahresrabatt war aber futsch. Seither zahlt er 270 Euro, was sich am 1. September auf 470 Euro erhöhen soll.

470 Euro sind unwirtschaftlich

„Schon im Vorjahr habe ich beschlossen: Das ist das Ende der Fahnenstange“, sagt der Gastronom. 470 Euro, das sei für ihn eindeutig unwirtschaftlich. Er führe ja keine Fußballkneipe. Aber bei denen sieht es nicht besser aus, wie Klaus Beckser, Wirt in der Hertha-Fankneipe Brotmaus in der Mariendorfer Tauernallee 40, klagte. Er steht vor einer ähnlichen Erhöhung, wobei der zusätzliche Fußballumsatz schon jetzt die Sky-Kosten gerade decke. Und sein zusätzliches Problem: Als Betreiber einer offiziellen Fankneipe ist er verpflichtet, alle Hertha-Spiele zu zeigen. Das geht aber nur per Sky. Noch in dieser Woche soll es daher zwischen dem Verein und seinen 17 Fankneipen Gespräche geben.

Und es soll auch bald Verhandlungen zwischen Sky und dem Hotel- und Gaststättenverband geben, der die Preispolitik des Senders ebenfalls kritisiert und sich für seine Mitglieder einsetzen will.

Rund 30 Teilnehmer – das ist angesichts von etwa 560 Berliner Sky-Lokalen nicht eben viel aber ein Anfang. Das Treffen ergab immerhin einen Austausch von E-Mail-Adressen, eine Facebook-Seite soll in Kürze folgen. Man beschwor das Beispiel Hannover: Dort haben rund 40 Sky-Wirte dem Sender gekündigt.

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