Prenzlauer Berg : Gefälschte Flyer gegen Luxus-Wohnprojekt

In Prenzlauer Berg und Mitte kursieren Zettel, die ein Bauprojekt in Erklärungsnot bringen. Auf den gefälschten Flugblättern werden Anwohnern im Namen des Investors Hausmeisterjobs angeboten, um die gestiegenen Mieten noch bezahlen zu können.

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Umstrittener Neubau. Gegner der „Choriner Höfe“ machen mit Flyern Stimmung gegen das Projekt.
Umstrittener Neubau. Gegner der „Choriner Höfe“ machen mit Flyern Stimmung gegen das Projekt.Simulation: promo

Der Mann aus dem Showroom ist genervt. Im Zehn-Minuten-Takt klingelt das Telefon, immer wieder sind aufgebrachte Anrufer dran. Viele ahnen zwar, dass es sich bei dem Flyer in ihrem Briefkasten um eine Fälschung handelt – bestätigen lassen wollen sie es sich aber persönlich.

Was ist geschehen? In den vergangenen Tagen haben Unbekannte in Mitte und Prenzlauer Berg Wurfsendungen in Briefkästen verteilt, die angeblich von der Investorengemeinschaft Diamona & Harnisch stammen. Diese errichtet in der Zehdenicker Straße, an der Grenze zwischen beiden Bezirken, die „Choriner Höfe“: einen Neubau mit Eigentumswohnungen, von denen bereits 70 Prozent verkauft sind. Um die bevorstehende Fertigstellung zu feiern, lädt das deutsch-israelische Unternehmen nun angeblich zu einem „Frühlingsempfang mit Champagner und kleinen Überraschungen“ ein.

Laut Flyer sind Eigentümer und Anwohner an diesem Sonntag ab 11 Uhr herzlich willkommen. Für Letztere gibt es die kleine Überraschung schon vorab – beim Weiterlesen der Einladung, die in Ansprache und Aufmachung erst auf den zweiten Blick als Fälschung zu entlarven ist. Darin heißt es, das Unternehmen stehe zu seiner sozialen Verantwortung, die sich durch die absehbare Mietsteigerung nach der Aufwertung der Gegend durch die „Choriner Höfe“ ergebe: Demnach bieten Diamona & Harnisch den Nachbarn, die „den höheren Mietzins nicht mehr tragen können“, Möglichkeiten des Zuverdiensts in Form von Arbeiten als Hausmeister und bei der Grünanlagenpflege. Angeboten werden auch „adäquate Wohnalternativen“ in Nachbarbezirken wie Lichtenberg und Hohenschönhausen.

Eine Nachfrage bei der Investorengemeinschaft entlarvt das Schreiben schnell als schlechten Scherz. Über den können die Mitarbeiter jedoch nicht lachen. Mehr als 100 Anrufe unter der auf dem Flyer angegebenen Nummer sind bereits eingegangen. „Gestern ging das Ganze bis kurz nach 23 Uhr“, sagt ein Mitarbeiter. Als Kavaliersdelikt will der Projektentwickler die Aktion nicht abtun. „Wir prüfen die Einleitung rechtlicher Schritte“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Zur Schadensbegrenzung habe man ein Schreiben aufgesetzt, das an Eigentümer und Anwohner verteilt wurde. Darin distanziert sich die Firma von dem Flyer und weist darauf hin, dass es keinen Frühlingsempfang geben werde.

Wer die Urheber des gefälschten Flyers sind, ließe sich durchaus anhand des Papiers und Drucks feststellen, heißt es bei der Polizei. Ermittelt werden könnte wegen Urkundenfälschung, Verleumdung und Verstoßes gegen das Pressegesetz, da Verfasser von Plakaten und Wurfsendungen zur Angabe eines Impressums verpflichtet sind.

Im Unternehmen spekuliert man derweil über einen Zusammenhang mit den Baumfällungen in der Kastanienallee am Wochenende. Dort mussten eine Kastanie und eine Platane einem Neubauprojekt weichen – trotz Anwohnerprotesten.

Protestiert wurde gegen die Veränderungen in der Gegend schon häufig. So wurden unter anderem Plakate geklebt, die sich an zugezogene Schwaben richteten („Ostberlin wünscht Dir eine gute Heimfahrt!“).